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Doch kleinere Covid-19-Dunkelziffer als gedacht?

Einig ist man sich, dass die Dunkelziffer in Österreich hoch ist.
Einig ist man sich, dass die Dunkelziffer in Österreich hoch ist. ©APA/dpa/Christophe Gateau
Ein Forscher der WU Wien errechnete anhand der Letalitätsraten die Covid-19-Dunkelziffer in Österreich. Je nach Letalitätsrate werden mit Stand 18. März zwischen 16.000 und 45.000 Infizierte vermutet.
Karte der Infektionen in Österreich

Offizielle Daten geben nur bedingt Auskunft über das tatsächliche Ausmaß der Covid-19-Infektionen in Österreich. Denn es ist nicht klar, ob sich immer mehr Personen infizieren oder durch mehr Tests mehr Fälle bekannt werden. Ein Forscher der WU Wien hat nun die Dunkelziffer anhand des Verlaufs der Todesfälle berechnet und kommt auf 16.000 bis 45.000 Fälle - je nach Letalitätsrate (Stand: 18.3.).

IHS schätzte rund 55.000 Infizierte

Vor einigen Tagen hat das Institut für Höhere Studien (IHS) eine Schätzung der Dunkelziffer vorgelegt, wonach am 17. März rund 55.000 Personen mit dem Coronavirus infiziert waren. Die offizielle Fallzahl lag damals bei 1.300 Personen. Die Methode basierte auf der Annahme, dass zwischen Ansteckung und Isolation infolge positiver Testung neun Tage vergehen und daher die offiziellen Zahlen den tatsächlichen Infektionen um neun Tage hinterherhinken. Entsprechend werden die Zahlen fortgeschrieben und mit einem - aus früheren Studien errechneten - "Unterschätzungsfaktor" multipliziert.

Der eigentlich auf empirische Arbeitsmarktforschung spezialisierte Ökonom Simon Sturn vom Department of Socioeconomics an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien hat nun alternativ dazu aus dem Verlauf der Todesfälle auf die Dunkelziffer geschlossen. Relevante Größen, um auf die Anzahl der Infizierten zu schließen, sind dabei die Anzahl der Verstorbenen, deren Zahl relativ genau erfasst wird, die Letalitätsrate basierend auf Studien zu anderen Ländern und die Dauer zwischen Infektion und Letalität.

49 Todesfälle durch Coronavirus

In Österreich gab es mit Stand 26. März 49 Covid-19-Todesfälle. Da mehrere Tage zwischen Infektion und Letalität vergehen, liefert die Letalitätsrate nach aktuellen Werten (für Österreich beträgt sie 0,8 Prozent) ein verzerrtes Bild. Werden - früheren Untersuchungen folgend - ein Zeitraum von 14 Tagen zwischen Infektion und Letalität festgelegt und entsprechend die Infektionszahlen von vor 14 Tagen zur Berechnung verwendet, steigt die Letalitätsrate auf 13,6 Prozent.

Diese Rate liegt deutlich über den in der Literatur angegebenen Werten und deutet auf eine hohe Zahl an nichtgetesteten Infizierten hin, so Sturn. Für Wuhan wurde in Studien einer Letalitätsrate von 1,4 Prozent angegeben - ebenso hoch ist sie laut Berechnungen Sturns in Südkorea. Der WU-Forscher geht davon aus, dass dieser Wert eher eine Obergrenze darstellt und verweist auf Experten, die von Letalitätsraten zwischen 0,5 und 0,9 Prozent sprechen.

Letalitätsrate als Berechnungsgrundlage

Sturn hat nun zwei Szenarien berechnet, die auf Letalitätsraten von 1,4 bzw. 0,5 Prozent basieren. Demnach kamen in den Tagen bis 12. März (also vor 14 Tagen) bei einer Letalitätsrate von 1,4 Prozent auf jede positiv getestete Person rund zehn tatsächlich Infizierte, bei einer Letalitätsrate von 0,5 Prozent rund 27 tatsächlich Infizierte. Fortgeschrieben bis zum 18. März ergeben sich so 16.000 (bei Letalitätsrate 1,4 Prozent) bis 45.000 (0,5 Prozent) Infizierte in Österreich.

Sturn betont, dass seine Berechnungen "nur eine grobe Annäherung an die tatsächliche Dunkelziffer" sei, da verschiedene Faktoren wie die genaue Letalitätsrate, die Dauer zwischen Infektion und Isolation, das Altersprofil der Infizierten, die Qualität des Gesundheitssystems oder die Unsicherheit aufgrund der geringen Fallgröße nicht bekannt bzw. nicht berücksichtigt wurden. Auch die angenommene Dauer zwischen Infektion und Letalität habe einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis. Kleine Änderungen in diesen Annahmen haben schnell enorme Effekte auf das Ergebnis.

Immunisierung weiter vorangeschritten als vermutet?

"Mehr Klarheit über die tatsächliche Höhe der Dunkelziffer können letztlich nur stichprobenartige Tests liefern", betonte Sturn. Eine hohe Dunkelziffer würde jedenfalls bedeuten, dass es mehr milde oder gar symptomfreie Verläufe gebe, die Hospitalisierungsraten überschätzt sind und die Immunisierung etwas weiter vorangeschritten sei als vermutet.

(APA/red)

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