Die Arbeit die sie meinen...

Die Arbeit die sie meinen…Nord-Süd: Miteinander oder Gegeneinander. So lautete der Titel der Diskussionsveranstaltung von Südwind in der VHS Brigittenau.

Geladen waren Näherinnen und Gewerkschafterinnen aus Österreich und Bangladesh, die gemeinsam mit Gewerkschaftsexperten Mario Becksteiner über die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie diskutierten.

Seit den 1970er Jahren wurde die Produktion der Kleidung in Billiglohnländer ausgelagert. Anfangs in die osteuropäischen Länder, dann immer weiter Richtung Osten. Heute wird der Großteil unserer Kleidung in China, Bangladesh, Indien oder der Türkei genäht. „Es wäre gelogen zu sagen, dass es uns nicht stört, wenn die Produktion ausgelagert wird, weil ja unsere Arbeitsplätze weg sind.” Meint Neumann, Betriebsrätin von Tlapa. In ihrer Firma in Österreich werden heute nur mehr noch Änderung an Kleidungsstücken durchgeführt, genäht werden die Anzüge im Osten.

 

Vielleicht von Suma, einer Näherin aus Bangladesh: „Ich näher immer nur einen kleinen Teil eines Kleidungsstückes. Ich weiß nicht, wohin es geht oder um wie viel es dort verkauft wird.” Die Arbeitssituation der Näherinnen in Bangladesh ist schwierig. Die Löhne sind meist unter der Existenzsicherung, unbezahlte Überstunden sind die Regel.
„Ich arbeite immer unter Druck. Es ist keine Zeit, um Wasser zu trinken oder auf die Toilette zu gehen. Ich arbeite hart, mache Überstunden ohne mehr Lohn zu bekommen. Sieben Tage die Woche.” Klagt Suma.
Die Textilindustrie in Bangladesh ist noch relativ jung. In den Nähzentren arbeiten 85% Frauen, die meisten vom Dorf für einige Jahre in die Stadt gehen, um etwas Geld zu verdienen. Ausbildung haben sie keine.

Prekarisierung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie passiert hier und dort. Zum einen durch unsichere Arbeitsplätze und die damit verbundene Verunsicherung der Menschen, zum anderen durch die Verdrängung der Gewerkschaften. „In Europa müssen die Gewerkschaften wieder lernen sich zu organisieren und zu kämpfen”, so Mario Becksteiner. Viel zu sehr wurden sie schon aus dem Entscheidungsprozess hinausgedrängt. Anders die Situation in Bangladesh. Dort sind Gewerkschaften verboten. Erst wenn 51% der Arbeiterschaft einer Fabrik Mitglieder einer Gewerkschaft sind, können sie an die Öffentlichkeit treten. Das heißt, der Großteil der Arbeit der Gewerkschaftsvorsitzenden Shahida läuft im Geheimen ab. Frauen und deren Familien müssen überzeugt werden beizutreten. Zeit bleibt dafür wenig, da die Frauen fast jeden Tag bis 22.00 Uhr am Abend arbeiten und daneben auch noch die Hausarbeit erledigen müssen. „Die Akzeptanz der Gewerkschaften von Seiten der Arbeitgeber ist in den letzten Jahren einwenig gewachsen. Auch durch den Druck von außen, durch Kampagnen die gegen diverse Firmen geführt wurden.” berichtet Shahida.

Was sind nun die Lösungen um die Situation der Arbeiterinnen hier und dort zu verbessern? Der Gewerkschaftsexperte ist sicher, dass es auf jeden Fall kollektive Strategien wie Gewerkschaften braucht, um die Arbeitssituation zu verbessern. Durch die Globalisierung müssen sich die Gewerkschaften international verknüpfen, um genügend Druck auf die Unternehmen ausüben zu können. „Wir kämpfen für einen existenzsichernden Lohn, sauberes Wasser und das Recht uns zu organisieren. Aber wir wollen, dass die Industrie bleibt. Mit internationalem Druck geht das schneller. Wir alle sind Teil der Kette und arbeiten für dieselben internationalen Unternehmen. Gemeinsam sind wir stärker.” Meint Shahida zum Abschluss.

 

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