Daher kommt die Angst vor Impfungen: Wiener Forscher klärt auf

Die Angst vor Impfungen ist weiter verbreitet als gedacht.
Die Angst vor Impfungen ist weiter verbreitet als gedacht. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Eine Impfung wird von manchen Menschen mit Angst und einem Gefühl von ausgeliefert sein verbunden. Leider hat dies auch eine negative Auswirkung auf die Corona-Durchimpfungsrate in Österreich. Der Wiener Forscher Marcus Täuber erklärt, was man dagegen tun kann.

Die sogenannte Trypanophobie, also die Blut-Spritzen-Verletzungsangst, ist in Österreich weit verbreitet - jeder vierte Jugendliche und junge Erwachsene leidet darunter. Leider hat dies auch eine negative Auswirkung auf die Corona-Durchimpfungsrate im Land.

Woher die Angst vor Impfungen kommt und was dabei im Gehirn passiert, weiß Bestsellerautor und Neurobiologe Dr. Marcus Täuber.

Hirnforscher erklärt: Woher kommt die Angst vor Impfungen?

Blutabnahmen, Impfungen oder kleine Eingriffe können bei manchen Menschen sehr starke Ängste bis hin zur Panikreaktion auslösen. Besonders stark ist die Angst vor Verletzungen durch Nadeln bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgeprägt. Rund 25 Prozent weisen eine entsprechende Phobie auf. Im Alter nimmt die Angst ab und erreicht eine Prävalenz von etwa drei bis fünf Prozent.

"Die Angst vor Verletzungen ist ein Steinzeitprogramm unseres Gehirns“, so Neurobiologe Marcus Täuber. Wer sich verletzte, hatte ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Die Trypanophobie setzt bei diesem evolutionären Erbe an, und wird durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst.

Impfung gibt Gefühl von Kontrollverlust

Manche Menschen sind grundsätzlich eher ängstlich, andere wiederum haben negative Erlebnisse von ersten Arztbesuchen abgespeichert, die schmerzhaft waren. Auch der Kontrollverlust spielt eine bedeutsame Rolle. Eine Impfung wird von manchen Menschen mit einem Gefühl von ausgeliefert sein verbunden. "Dieser Kontrollverlust", so Täuber, der in seinem neuen Buch "Falsch gedacht!" Irrtümern in unserem Gehirn auf den Grund geht "bewirkt eine verzerrte Risikowahrnehmung".

Das ist im Prinzip wie bei der Flugangst. Wir haben in der Regel mehr Angst vorm Fliegen, als vor der Autofahrt zum Flughafen. Statistisch gesehen ist aber zweiteres riskanter. Nur wenn wir selbst am Steuer sind oder auf den Fahrer einwirken können, gibt uns das ein Gefühl von Kontrolle und damit Sicherheit.

Angst vor Impfung vergleichbar mit Angst vor weißem Hai

"Angst ist nicht logisch", fasst der Neurobiologe zusammen. Viele Menschen haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie im Meer baden. Die Angst vorm weißen Hai ist dabei besonders ausgeprägt. Allerdings: Nur etwa zehn Menschen sterben durchschnittlich pro Jahr weltweit an einer Haiattacke.

Insofern ist die Angst vor einer Impfung vergleichbar mit der Angst vorm weißen Hai. Bei beiden werden wir verletzt, empfinden wir einen Kontrollverlust bis hin zu einem Gefühl des "ausgeliefert seins", und bei beiden malt sich das Gehirn entsprechende Schreckensszenarien aus. Die Alarmanlage im Gehirn, die sogenannte Amgydala, wird aktiviert und erhöht das Stresshormon Kortisol. Die Bilder aus Hollywood wie auch einzelner Medienberichte zu Haibissen brennen sich besonders leicht in die Amygdala ein.

Was man gegen die Angst vor Nadeln unternehmen kann

"Das Tückische an der Angst: Sie führt zu einem Vermeideverhalten. Dadurch aber wird das Problem nicht gelöst. Auswege aus dieser Angst liegen in der kontrollierten Konfrontation." Für Täuber ist es wichtig, die Angst wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Wer sich mit faktenbasierten Aspekten des Impfens beschäftigt und Sorgen mit Vertrauenspersonen sowie dem Hausarzt bespricht, legt den Grundstein zu einer Linderung. Tiefe Bauchatmung in Zusammenhang mit inneren Bildern von angsteinflößenden Situationen helfen, mehr Ruhe im Kopf zu erlangen. In ausgeprägten Fällen hilft eine Expositionstherapie, die auch über Virtual-Reality durchgeführt werden kann.

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(Red)

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