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Covid-19-Experte: "Nächsten Wochen werden nicht einfach"

Das Coronavirus wird die Österreicher wohl noch länger beschäftigen.
Das Coronavirus wird die Österreicher wohl noch länger beschäftigen. ©APA/HANS KLAUS TECHT
Laut Experte Norbert Nowotny wird uns das Coronavirus noch länger beschäftigen. Um die Pandemie zu besiegen sei eine Herdenimmunität notwendig. Laut Virologen müssen zwischen 15 und 70 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Virus entwickeln.
Coronavirus-Karte für Österreich

"Meiner Schätzung nach wird es die nächsten vier bis sechs Wochen bei den SARS-CoV-2-Infektionen noch bergauf, und danach hoffentlich heruntergehen - die nächsten vier Wochen werden aber sicher nicht einfach werden." Das sagte der Virologe Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen (Vetmed) Universität Wien zur APA. Er hatte schon früh die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie als hoch eingeschätzt.

Maßnahmen in Österreich sind gut

Nowotny hatte bereits am 24. Februar erklärt, dass er die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie für hoch halte und alles versucht werden müsse, um die Ausbreitung einzudämmen. Die Maßnahmen in Österreich hält er nun für gut, "diese Einschränkung des Staatsbetriebs auf ein Minimum ist notwendig. Wir müssen das tun, um die Pandemiekurve flacher zu bekommen", also die Zahl der gleichzeitig Erkrankten zu reduzieren.

Sterblichkeit bei Älteren hoch

Andernfalls gebe es speziell in europäischen Ländern und in Nordamerika Probleme, wo es sehr viele über 70-Jährige gibt, die eindeutig die verletzlichste Gruppe seien, verweist der Experte auf Letalitätsraten bei den Über-70-Jährigen von acht Prozent und bei den Über-80-Jährigen von fast 15 Prozent. "Wenn man die Kurve nicht verflacht, dann wäre auch unser Spitalssystem in Österreich in vier Wochen überfordert, weil wir für die älteren Menschen vermehrt Spitals- und Intensivbetten benötigen, wenn es zum Höhepunkt hingeht."

Weil es sich bei SARS-CoV-2 um ein Virus handelt, das die menschliche Population noch nicht erlebt hat, gebe es niemanden mit Immunschutz, also Antikörper dagegen. "Wir müssen daher in den nächsten Wochen eine sogenannte Herdenimmunität entwickeln", sagte Nowotny. Das bedeute nicht, dass 100 Prozent der Bevölkerung diese Immunisierung benötigen, sondern ein gewisser Prozentsatz - "und den wissen wir nicht für dieses Virus. Das kann irgendetwas zwischen 15 und 70 Prozent sein". Sobald so viele Menschen die Infektion durchgemacht und dagegen Antikörper entwickelt haben, schaffe es das Virus nicht mehr, ausreichend rasch neue Wirte zu finden. "Dann wird die Zahl der Neuerkrankungen sinken und die Pandemie langsam auslaufen", so Nowotny.

Seife ist für Coronavirus tödlich

Inzwischen empfiehlt der Virologe die bereits in den vergangenen Tagen gepredigten Maßnahmen wie Abstand halten oder häufiges Händewaschen mit Seife. Von den Apotheken selbst hergestellte Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis würden bestens funktionieren, weil die Hülle des Virus aus Lipiden, also Fett, bestehe. Wichtig sei es, nicht in die Hand zu husten oder zu niesen, sondern in die Ellenbeuge, weil man sonst die Viren von der Hand auf Oberflächen wie Türschnallen überträgt, wo sie je nach Außenverhältnissen zwischen einigen Stunden und zwei Tagen überdauern, verweist er auf eine aktuelle Untersuchung von US-Forschern.

In dieser Publikation wurde auch nachgewiesen, dass das Virus als Aerosol zumindest drei Stunden überlebt. Das könnte eine schlechte Nachricht sein, weil damit die Übertragung leichter als bisher angenommen erfolgen könnte. "Wir wissen allerdings noch absolut nicht, wie viele Viruspartikel ein Mensch aufnehmen muss, damit die Infektion überhaupt angeht", so Nowotny.

Hunde sind keine Gefahr für Übertragung

Weiterhin keine Probleme im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 sieht der Experte sowohl bei Nutz-, als auch bei Haustieren. Er verweist hier auf ein Update über den sogenannten Hongkong-Hund - ein Anfang März bekannt gewordener Fall, wo bei einem Hund im Haushalt einer mit Covid-19 erkrankten Person mehrmals in Nasenabstrichen das Virus nachgewiesen wurde. Laut Nowotny ist davon auszugehen, dass Oberflächen in dem Haushalt kontaminiert waren und der Hund das Virus rein mechanisch aufgenommen hat, aber nicht infiziert war. So würden jüngste Meldungen zeigen, dass bisher keine Antikörper bei dem Tier nachgewiesen werden konnten.

Nowotny sieht die Lebendtiermärkte in China als bedeutendes Sprungbrett für Zoonosen. Beim ersten SARS-Ausbruch 2002/03 seien diese Märkte zwar geschlossen, aber anschließend wieder aufgesperrt worden, nachdem sie kulturell dort schon lange stark verankert seien. "Wenn man bedenkt, was diese Pandemie alleine China gekostet hat, bin ich mir sicher, dass man diesen Fehler nicht noch einmal macht. Die gehören ein für alle Mal zugesperrt."

(APA/red)

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