Casper in Wien: Von Hip-Hop bis Hardcore

Casper begeisterte in der Szene Wien.
Casper begeisterte in der Szene Wien. ©Vienna Online
Casper alias Benjamin Griffey begeisterte am Samstagabend sein Wiener Publikum in der Szene Wien. Hip-Hopper, Rocker und Elektro-Heads wurden bei dem Debütgig von Casper als Hauptact in Österreich gleichermaßen zufriedenstellt.
Das Konzert in der Szene Wien
Casper im Vienna.at-Interview

Nebelschwaden, Wolfsmasken und glühende Lichter: Benjamin Griffey gibt sich nicht mit halben Sachen zufrieden. Bei seinem Gig in Wien hatte der deutsche Rapper aber auch leichtes Spiel: Ein Album, das in Deutschland von Null auf Eins ging, hierzulande nicht nur in Szenekreisen für Furore sorgte und jegliche Genregrenzen sprengt. Eine Attitüde, die Spass macht, sympathisch wirkt und trotzdem Tiefgang besitzt. Als Casper mimt er den einsamen Wolf im musikalischen Schafspelz und versetzte am gestrigen Samstagabend eine zum Bersten gefüllte Szene Wien in schiere Ekstase. Wenn so die Zukunft des Hip-Hop aussieht, will man mehr davon.

Casper wurde seinem Ruf gerecht

Die Vorschusslorbeeren waren zugegebenermaßen auch beachtlich: In Zeiten von oberflächlichem Gangsterrap, gesellschaftlicher Frustration und musikalischer Stagnation an allen Ecken und Enden wird ein 29-Jähriger Musiker zum Gralshüter einer ganzen Stilrichtung erklärt. Dem auf seinen Schultern lastenden Erfolgsdruck begegnete Casper in Wien mittels einer spielfreudigen Band und einer ordentlichen Portion Energie, die ihresgleichen suchte. Dass hier Großes passieren würde, war schon in den ersten Minuten zu spüren – und vor allem zu hören.

Ein Wolf namens Casper

Ein düster-dunkles Intro markierte den Auftakt, zu dem sich die vier Mitstreiter von Casper mit Wolfsmasken ausgestattet als starre Marionetten auf der Bühne einfanden. Zu den Klängen des Openers des aktuellen Albums “XOXO” gaben sie die vorerst stummen Begleiter, die einen Abend voller Emotionen und musikalischer Highlights eröffneten. Wie ein Sturm brandete “Der Druck steigt” über das Publikum herein, mehr kathartischer Rocksong denn pumpender Rap, während Casper und Co mit aus den Augen Lichtstrahlen entsendeten Masken das Auditorium erkundeten. Understatement geht anders, dafür konnte man einen aufstrebenden Entertainer und Songwriter am Zenit seines Schaffens erleben.

Danach ging es Schlag auf Schlag, musste nicht viel erobert werden vom sympathischen Casper, sondern wurden seine Animationsaufrufe und spärlichen Liebesbekundungen an die Stadt begierig aufgesogen. Egal ob vom aktuellen Machwerk oder dem Debüt “Hin zur Sonne”, ausnahmslos jeder Song wurde aus unzähligen Kehlen mitgegrölt und abgefeiert. Während “Blut sehen” noch die textlich härtere Schiene bediente, konnten allen voran melancholische Nummern wie der Titelsong oder das großartige “Michael X” eine einnehmende Spannung im Saal erzeugen und belegen, dass Rap auch gefühlvoll und nachdenklich sein darf. Aber schließlich ist er auch nicht “auf der Nudelsuppe dahergeschwommen”, wie der Rapper mit Lokalkolorit kokettierend erklärte.

Szene Wien glänzt nicht mit ihrem Sound

Einziges Manko war der vielleicht etwas zu statisch gemischte Sound, der beim Aufeinanderprallen von Rock und Breakbeats oder der Mischung von gefühlvollen Pianoklängen und groovenden Synthiesounds mitunter etwas differenzierter und druckvoller daherkommen hätte dürfen. Aber dafür thronte über allem ein agiler, um keinen Witz verlegener Casper, der gerade ob seiner scheinbar kurz vorm Versagen vibrierenden Stimme zu überzeugen wusste. So wurde mit der “Letzten Gang der Stadt” Pogo getanzt, zu “Unzerbrechlich” die Feuerzeuge geschwenkt und mit “Wir liegen lachend in den Trümmer und fühlen uns frei…” bei “XOXO” das Gefühl einer Generation beschrieben.

Casper: Der Mann der Stunde

Mehr als unterhaltsame 80 Minuten, die von “besten Beat der Welt” in “Guten Morgen Herzinfarkt” bis zum tiefschürfenden “Alaska” oder dem großen Rausschmeißer “So perfekt” inklusive Drum’n’Bass-Abschnitt die ganze Bandbreite der Emotionsklaviatur bedienten. Das Publikum nahm ausnahmslos alles mit, was hier serviert wurde. Jede Geste, jedes noch so kleine Detail präsentierte an diesem Abend Hip-Hop nicht als verqueren Kopfnicker-Habitus, sondern zwingende Livemusik, dargeboten mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard. Dass Casper zu den Künstlern der Stunde zählt, was bereits davor klar – dieses Wolfsgeheul dürfte jetzt aber wohl auch den letzten Skeptiker erreicht haben.

APA

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