Buch Wien: Spagat zwischen professionell und provinziell

Für einen kurzen, aber intensiven Moment fühlt man sich in der Zeit zurückgeworfen. Zwar nur einen Monat, aber immerhin. Und zwar nach Frankfurt.

Aber es ist die neue internationale Buchmesse “Buch Wien”, die in der Halle B in der Messe Wien erstmals österreichischen, ein paar deutschen sowie zahlreichen ost- und südosteuropäischen Verlagen auf rund 7000 Quadratmetern eine professionelle Plattform bietet. Unter den 251 Ausstellern finden sich auch zahlreiche kleinere österreichische Verlage.

700 Anmeldungen habe es für die Eröffnung gegeben, hieß es seitens der Veranstalter. Ein Streifzug durch die noch recht leeren Gänge bot gestern, Mittwoch, Abend einen ersten Eindruck von der Messe sowie die Gelegenheit, Erwartungen, Hoffnungen und Kritik unter den Ausstellern auszuloten. Während an vielen der österreichischen Ständen rege Gespräche unter Kollegen zu beobachten waren, herrschte in den Gemeinschaftsständen aus Kroatien, Rumänien, Ungarn und Bulgarien gähnende Leere. Vielleicht auch deshalb, weil die Ansprechpartner wie vom Erdboden verschluckt waren. Erste Interessenten hingegen begrüßte etwa der Schweizer Gemeinschaftsstand, an dem sich 25 Verlage präsentieren.

Zwar habe man im Vorfeld “schon überlegt, ob wir nach Wien kommen sollen”, so Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands SBVV im Gespräch mit der APA. Schließlich sei Österreich für die Schweizer Verlage ein “hartes Pflaster”, allein Diogenes sei hierzulande weithin bekannt. “Man ist auch in Österreich sehr nach Deutschland hin orientiert”, seufzt Landolf, der auf die “Buch Wien” als Brückenbauer nach Osteuropa hofft . Zusätzlich gebe es eine “unglaubliche Dichte” an Messen, allein heuer sei man in Kapstadt, Guadalajara oder Peking gewesen. Da sei es für die Verlage auch eine finanzielle Entscheidung, in Wien teilzunehmen. Der Fokus des Schweizer Gemeinschaftsstands liegt neben der Präsentation der Bücher auf dem ersten Schweizer Buchpreis, der mit 50.000 Franken (32.834 Euro) dotiert ist und kürzlich an Rolf Lappert vergeben wurde.

Recht kritisch äußerte sich die polnische Literaturagentin Aleksandra Markiewicz über das Konzept der “Buch Wien”. “Dass hier eine internationale Messe mit Schwerpunkt Ost- und Südosteuropa organisiert wird, finde ich gut”, sagt sie. “Aber: Diese Halle, die Struktur und die Präsentation der Stände erinnert mich zu sehr an andere große Messen”, beklagt sie sich über die von ihr empfundene Verwechselbarkeit. “Klar, die Buchwoche im Rathaus war etwas zu provinziell und nicht ganz angemessen, aber die ‘Buch Wien’ sollte in der Innenstadt veranstaltet werden, in einem der wunderbaren Paläste”, so die Agentin, die auch den Österreich-Schwerpunkt im Rahmen eines Festivals in Warschau organisiert hat. In “dieser Form ist die Messe für internationale Verlage zu wenig anziehend”, meint sie.

Man müsse vielmehr eine Plattform für Gespräche schaffen. Markiewicz empfinde die Messe als zu publikumsorientiert, als Marktplatz für Lizenzen könne sie die ‘Buch Wien’ noch nicht begreifen, freilich müsse man aber abwarten. Die Organisatoren hätten im Vorfeld bei der Planung jedoch “nicht genug internationale Verlage und Agenturen miteinbezogen”. Sie selbst sei wegen der österreichischen Autoren da, um Übersetzungen in Osteuropa zu erwirken. Dass kleinere Verlage auf diese Lizenzgespräche vorbereitet sind, bezweifelt die Germanistin.

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