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Brauchtum in der Weihnachtszeit: Ein Streifzug

Adventkranz, Adventkalender und Christbaum zählen zu den bekanntesten Bräuchen der Weihnachtszeit. Doch es gibt viel mehr Traditionen zu entdecken, die in dieser Jahreszeit gepflegt werden. Ein kleiner Streifzug durch kurioses, modernes und fast vergessenes Brauchtum.
Buntes Brauchtum zum Jahreswechsel
Weihnachten wie's früher war

Egal ob still oder laut – in der Weihnachtszeit und rund um Neujahr kommt man mit allerlei Brauchtum in Berührung. Zu den Klassikern zählen beispielsweise Adventkränze, Perchtenläufe, Barbarazweige, Weihnachtslieder, Christbäume, Nikolausbesuche, Adventkalender und so weiter.

Reinhard Kriechbaum hat sein Buch “Tannenbaum und Bohnenkönig” noch zahlreichen weiteren Advent- und Weihnachtsbräuchen gewidmet und dabei festgestellt, dass das Brauchleben heutzutage keinesfalls in Vergessenheit gerät. Als Begleiter durch die dunkle Jahreszeit bei Jung und Alt beliebt, sind Bräuche immer mehr Menschen ein Herzensanliegen.

Zum Christkindl pilgern

Der Advent war eigentlich als Fastenzeit gedacht. Zum Glück ist das seit 1917 nicht mehr so, denn bei den vielen Christkindlmärkten warten einfach viel zu viele kulinarische Verlockungen. Dennoch tut man sich selbst etwas Gutes, wenn man es in den Tagen vor “Adventus Domini”, also der Ankunft des Herrn, etwas ruhiger angehen lässt.

Beispielsweise kann das Christkind besucht werden – in Christkindl. Im Ortsteil von Steyr (OÖ) findet sich die zehn Zentimeter große Figur aus Wachs. Bei der Gelegenheit kann auch gleich ein Weihnachtsbrief am Christkindl-Postamt für die Liebsten aufgegeben werden, außerdem gibt es im Pfarrhof ein Krippenmuseum samt mechanischer Krippe zu bestaunen.

Nicht überall bringt das Christkind die Geschenke

Apropos Christkind: Wie wurde eigentlich aus dem neugeborenen Jesukind ein blondgelocktes Engelswesen? Dahinter steckt Martin Luther. Der Nikolaus als einer der populärsten Heiligen war ihm ein Dorn im Auge, aber als Vater von mehreren Kindern konnte er den Geschenkebringer nicht einfach streichen. So führte er um die Mitte der 1530er-Jahre den “Heligen Christ” ein. Später wurde dieser als Christkind verniedlicht und als kindlicher Jesus missverstanden.

Nun sorgt das Christkind in Österreich, in den südlichen und südwestlichen deutschen Landesteilen, in der deutschsprachigen Schweiz und in Luxemburg für die Geschenke unterm Weihnachtsbaum. Auch in den katholischen slawischen Gebieten von Polen über Tschechien, die Slowakei bis nach Slowenien und Kroatien, und in Ungarn hat sich das Christkind durchgesetzt. In der urspünglichen Heimat, im protestantischen Deutschland, wurde es allerdings vom Weihnachtsmann abgelöst – der übrigens keine Erfindung von Coca-Cola ist.

Durch die zunehmende Konkurrenz durch den Weihnachtsmann, engagieren sich immer mehr Menschen für den Erhalt der alten Tradition: Mit dem Christkindleinzug feiert man in Innsbruck den Glauben an das Jesuskind in Christkindgestalt. Rund 600 Kinder, als Hirten und Engel verkleidet, und zahlreiche Schafe sind mit dabei. Der besondere Umzug lockt jedes Jahr rund 25.000 Zuschauer in die Altstadt.

Christbäume als Stadtbrauch

Schon seit sehr langer Zeit war es Brauch, zur Weihnachtszeit Zweige in die Wohnung zu holen, die Platzierung eines ganzes Baumes brauchte dagegen ihre Zeit und fand zuerst in den Städten ihren Ursprung.

In Wien wurden bereits ab 1830 Christbäume verkauft, über hundert Jahre dauerte es schließlich, dass sie auch ihren Platz in den Bauernstuben entlegenerer Gegenden fanden. Auswanderer nahmen die Tradition mit nach Amerika, von dort verbreitete sich der Brauch über die ganze Welt. Christbaumkugeln und Kerzen waren auch damals schon erhältlich.

Noch eine wichtige Frage, die sich viele beim Thema Christbaum stellen: Muss es einem leid tun, um die vielen Bäume, die nach dem 6. Jänner entsorgt werden? Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gibt darauf folgende Antwort: “Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet in zehn Jahren 145 Tonnen Kohlendioxid, 300 Tonnen Staubpartikel und sorgt für 100 Tonnen Stauerstoff. Ein Plastikbaum hat wegen des Energieeinsatzes bei der Produktion und der Entsorgung eine deutlich schlechtere Ökobilanz.”

Das ORF-Friedenslicht als europäischer Weihnachtsbrauch

Ein österreichisches Rundfunkstudio hat es geschafft, etwas in Gang zu setzen, was sich bis heute als internationaler Weihnachtsbrauch einstufen lässt. Seit den 1980er-Jahren holt ein Kind aus Oberösterreich das Friedenslicht in der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem und bringt es nach Österreich.

Wenige Tage vor Weihnachten holen Vertreter der Pfadfinder, der Feuerwehrjugend, des Roten Kreuzes, des Samariterbundes und der ÖBB das Licht ab. Am 24. Dezember können sich die Menschen in Österreich dieses Weihnachtssymbol in allen ORF-Landesstudios, an Bahnhöfen, Rotkreuz-Dienststellen, in den meisten Kirchen, bei Organisationen und Vereinen abholen. Ähnlich wird das Licht in anderen Ländern verteilt.

Hochprozentiges Brauchtum: “Krambamperlbrennen”

Es ist, wie es ist – in der kalten Jahreszeit darf auch Hochprozentiges nicht fehlen. Darum kommen die Teilnehmer an Stammtischrunden im oberösterreichischen Salzkammergut am 26. Dezember nicht mit dem Auto zum Treffen, denn unter 0,5 Promille Alkohol geht hier niemand nach Hause. Am Stephanietag ist nämlich das “Krambamperlbrennen” angesagt.

Dabei wird ein Krug mit heimischem Obstler auf den Tisch gestellt und entzündet, danach werden einige Zuckerstücke in der Flamme geschmolzen. Hierbei können rund 40 Stück Zucker auf einen halben Liter Schnaps kommen. Die braune Flüssigkeit wird umgerührt und getrunken, der warme Alkohol soll sich besonders gut genießen lassen. Na dann Prost!

Buntes Brauchtum rund um Advent und Weihnachten

Fazit: Das Buch von Reinhard Kriechbaum gibt einen netten Einblick in die Brauchtumsvielfalt zur Weihnachtszeit in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Der Leser erfährt bei seiner Entdeckungstour auf rund 250 Seiten viel Wissenswertes über alte Traditionen und lernt neue Gepflogenheiten anderer Gegenden kennen. Auch Infos zu Veranstaltungen sind vermerkt, um sich Bräuche selbst vor Ort ansehen zu können.

Vielleicht ist ja der eine oder andere Brauch dabei, der besonders gut gefällt, und demnächst zur eigenen Gewohnheit wird. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und besinnliche Feiertage!

Buchtipp:
Tannenbaum und Bohnenkönig – Geschichten und Bräuche rund um Advent und Weihnachten
Verlag: Anton Pustet
Autor: Reinhard Kriechbaum
ISBN: 978-3-7025-0908-8

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(Red/VKP)

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