Prosit Neujahr: Wissenswertes zum bunten Brauchtum des Jahreswechsels

Neujahrswünsche, Feuerwerk, Bleigießen und Walzer: Das neue Jahr wird immer mit den gleichen Traditionen eingeläutet, und das ist auch gut so, denn die Wiederholung ist das Wesen aller Bräuche. Woher diese Rituale stammen und ob es noch andere, kuriose Neujahrs-Gepflogenheiten im Lande gibt, hat Autor Reinhard Kriechbaum im Buch "Borstenvieh und Donauwalzer" herausgefunden.
Weihnachten wie's früher war
Brauchtum in Österreich

Wie feiern Sie Silvester? Klassisch mit Bleigießen, Donauwalzer und Sekt-Anstoß um Punkt Mitternacht? Oder gibt es bei Ihnen auch noch die Tradition des Räucherns, Schuhwerfens, Lesslns und den Neujahrssprung?

Egal wie Sie das neue Jahr begrüßen – am besten behalten Sie die Traditionen bei, denn die Wiederholung ist bekanntlich das Wesen aller Bräuche. Soll heißen: Was viele Leute gerne und regelmäßig machen, ist auch ein Spiegel ihrer selbst. Und vielleicht kann das Buch “Borstenvieh und Donauwalzer” von Autor Reinhard Kriechbaum ja auch dazu beitragen, den einen oder anderen Brauch künftig ins eigene Repertoire zum Jahreswechsel aufzunehmen?

Prosit: Woher stammen eigentlich die guten Wünsche?

Jedes Jahr aufs Neue wünscht man seinen Liebsten, Freunden und Kollegen zu Silvester “einen guten Rutsch”. Damit will man niemand aufs Glatteis schicken, im Gegenteil: Die Formulierung kommt aus dem Jiddischen und leitet sich von “Rosch ha-Schana” ab, so heißt das jüdische Neujahrsfest. “Rosch” wurde in dem Fall zu “Rutsch”.

Auch “Prosit Neujahr” haben wir uns entlehnt, und zwar von den Römern: “Pro sit” heißt soviel wie “es möge gut sein” oder “es soll gedeihen”. Was viele nicht wissen: Gaius Iulius Caesar hat den Jahresanfang am 1. Jänner amtlich eingeführt und auch die Schaltjahre gehen auf ihn zurück.

Marienkäfer, Rauchfangkehrer & Co.: Das steckt hinter den Glückbringern

Als beliebter Glücksbringer, den man auch gerne verschenkt, zählt der Marienkäfer. Die alten Germanen nannten das kleine Tierchen “freya-fugle”, in England heißt es “Ladybird”, womit die Gottesmutter gemeint ist, welche auch die Namenspatronin des Käfers ist. Als Geschenk Marias haben Bauern den Marienkäfer wahrscheinlich deshalb empfunden, weil er sich als sehr nützlich erweist: Er frisst herzhaft gerne Blattläuse (bis zu 40.000 im Laufe seines Lebens) und Mehltau und trägt somit zum ökologischen Gleichgewicht bei. Weitere Namen für den Marienkäfer sind Frauenkäfer, Muttergotteskäfer, Himmelskäferlein, Herrgottskäfer oder Herrgottswürmchen.

Der Rauchfangkehrer war dagegen nicht immer gern gesehen. Wegen seiner Ruß-Schwärze wurde er mit dem Teufel in Verbindung gebracht, es gibt sogar Zeichnungen, auf denen der Teufel als Rauchfangkehrer mit Hörnern und Hufen dargestellt wird. Um sich diesem Ruf zu entledigen, kamen die Gesellen zu Neujahr ins Haus, überbrachten die Jahresrechnung und verbanden dies mit den besten Glückwünschen. Außerdem wurde bei der Gelegenheit auch ein Kalenderblatt überreicht. Durch diese Maßnahmen wurde der Rauchfangkehrer schließlich zum Glückssymbol – und es ist ja tatsächlich ein Glück, wenn man nicht durch einen verstopften Kaminschlot an einer Rauchgasvergiftung stirbt.

Kuriositäten und Bräuche rund um Silvester

Schlechte Nachrichten für Sektliebhaber: Das pefekte Öffnen einer Flasche sollte beinahe lautlos sein, so steht es zumindest auf der Website des Österreichischen Sektkomitees. Da nicht jeder einen Sektsäbel zuhause liegen hat, mit dem man die Flasche einfach und elegant köpfen könnte, kann man zum Jahreswechsel unserer Meinung nach trotzdem die Korken ordentlich knallen lassen – aber wenn, dann erst mit den ersten Mitternachts-Glockenschlägen.

Mit dem Sekt in der Hand kann dann auch gleich angestoßen werden, und ja, auch um den Ursprung dieses Brauchs ranken sich zahlreiche Vermutungen. Beispielsweise soll man früher die Gläser mit großem Schwung gegeneinander geführt haben, damit jeweils etwas von der Flüssigkeit aus dem eigenen Glas ins andere hinüberschwappen konnte. Das sei eine gute Kontrolle für beiden Seiten gewesen, um Giftattentate auszuschließen. Eine handfestere Erklärung findet sich bei der Trinkkultur von Bier: Mit einem kräftigen Zuprosten und dem festen Abstellen des Krugs auf dem Tisch hat man Kohlensäure freigesetzt und somit dem Bierschaum nachgeholfen.

Auch Orakelbräuche hatten und haben zu Silvester Hochsaison, wobei viele dieser Bräuche vor allem Frauen darüber Aufschluss geben sollen, wie es denn mit dem Heiraten in Zukunft aussieht. Wahlweise kann man dazu Schuhe oder Apfelschalen werfen, Holzscheite ziehen oder Glücksgriffe machen. Noch ein Tipp für alle Kirchgänger: Husten im Silvestergottesdienst galt einst als Unheil bringend. Also am besten den Hustenreiz unterdrücken oder gar nicht erst verkühlt in die Messe gehen, um Schlimmeres zu vermeiden.

Borstenvieh und Donauwalzer: Amüsantes Brauch-Sammelsurium

Alles in allem lässt sich nach der Lektüre des Buches sagen, dass es zu Silvester und Neujahr deutlich mehr Bräuche als Bleigießen und Raketenschießen gibt. Eine Vielzahl unterschiedlicher Rituale und Gepflogenheiten, Umzüge und Maskeraden werden in diesem Buch auf interessante und amüsante Weise vorgestellt. Altes, wie es seit Generationen eingebürgert ist, und Neues, das der gegenwärtigen urbanen Betriebsamkeit entspricht – ein bunter Mix und ein Bild unserer Zeit. Vielleicht ist ja auch für Sie der eine oder andere Brauch dabei, der zukünftig ins eigene Repertoire zum Jahreswechsel aufgenommen wird.

Die Redaktion von VIENNA.at wünscht einen guten Rutsch und Prosit Neujahr!

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(Bild: pixabay.com)

Buchtipp:

Borstenvieh und Donauwalzer – Geschichten und Bräuche rund um den Jahreswechsel

Verlag: Anton Pustet

Autor: Reinhard Kriechbaum

ISBN: 978-3-7025-0875-3

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