Bedroht Nacht-U-Bahn Existenz der Taxifahrer?

Seit September stehen Wiens U-Bahnen an Wochenenden und Feiertagen auch nachts nicht still. Ein wirtschaftlicher Schaden für Taxifahrer?
Flughafen: Taxis "halbleer"
Nacht-U-Bahn: 1/2 Mio. Gäste
Premiere für Nacht-U-Bahn
Start für Nacht-U-Bahn

Soviel ist klar: Der Kostenpunkt eines Wiener-Linien-Tickets steht in keinem Verhältnis zu der einer Taxifahrt. Dennoch bringt das Taxi enorme Vorteile. Auch wenn die Wiener Linien für die Nachteinsätze ihrer Fahrzeuge verstärkten Polizeibetrieb anheuern, kann die Sicherheit einer Taxifahrt kaum übertrumpft werden. Vom Komfort ganz zu schweigen.

Siegt letztendlich die Sparsamkeit und die Wiener Partyszene fährt ab sofort nur noch mit der U-Bahn nach Hause? „Die Nacht-U-Bahn trifft definitiv die Nachtfahrer“, meint Taxifahrer Kurt Svoboda, „Entweder es fährt einer mit der Straßenbahn, der U-Bahn, dem Auto, dem Fahrrad oder ähnliches – der spärliche Rest gehört den Taxlern. Viele Fahrgäste beschweren sich darüber hinaus noch wegen der Kosten einer Taxifahrt obwohl wir die einzigen sind, die nach der Währungsumstellung den Tarif gleich gelassen haben. Jetzt mit der Nacht-U-Bahn verlieren wir noch mehr Fahrgäste.“

Taxifahrer Franz Seidl fährt generell untertags und bleibt daher von einem potentiellen Kundenrückgang verschont. Seiner Meinung nach werden sich die Einbußen in Grenzen halten: „Ich denke, gerade zu Beginn fällt die Zahl der Fahrten, was sich aber bald einpendeln und beruhigen wird.“ Dies liege laut Seidl am Naturell der Nachtschwärmer: „Die Nachtbusfahrer steigen nun auf die U-Bahn um und die Taxifreunde werden weiterhin mit dem Taxi heimfahren.“

Erste Einschätzungen von der Wiener Taxi-Innung gibt es allerdings schon und die sind nicht gerade berauschend: „Man kann den Rückgang der Taxifahrten zur Nachtzeit auf gute 10 Prozent schätzen“, äußert sich Geschäftsführer Andreas Curda. Eine Grauzone wird von diesem Wert nicht eingeschlossen, denn es müssen nicht immer gleich komplette Fahrten ausfallen. Parallel dazu entwickelt sich ein ökonomisches Verhalten der Fahrgäste, die, durch die Kombination von Nacht-U-Bahn und Taxi, eine Fahrtkostenreduktion bei vergleichbarer Fahrqualität erwirken. Curda beobachtet diese Vorgehensweise bei Partymeilen wie dem Bermudadreieck: „Da nun auch nachts die U-Bahn verkehrt, nehmen die Leute die U-Bahn, um die Taxistrecke zu verkürzen. Sie fahren bis zur Endstation und nehmen sich erst dort ein Taxi, das sie heim bringt.“

Durch die Bank reagieren Taxifahrer jedoch hart gesotten. Geschäftsführer der Taxi-Innung, Andreas Curda, fasst veranschaulichend zusammen: „Diese Entwicklung ist für Taxler schmerzhaft. Aber hier handelt sich um eine Volksentscheidung – da kann man nichts machen.“

[MAS]

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