Bedenkliche Corona-Prognose: Experten rechnen mit weiter steigenden Spitalszahlen

Für das Experten-Gremium steht das Erreichen des "Höhepunkts der vierten Epidemiewelle" bevor
Für das Experten-Gremium steht das Erreichen des "Höhepunkts der vierten Epidemiewelle" bevor ©APA/MICHAEL GRUBER (Sujet)
Drei Tage sind vergangen, seit der österreichweite Lockdown in kraft getreten ist. Die Prognose von Experten ist nicht rosig - es wird von weiterhin steigenden Spitalszahlen ausgegangen.
Düstere Prognose: Intensiv-Überlastung
Wo die Politik falsch lag

Im Detail geht das Covid-Prognosekonsortium von einem weiter steigendem Bedarf an Spitalsbetten für Covid-19-Patientinnen und -Patienten vor allem im intensivmedizinischen Bereich (ICU) aus. Was die Infektionen mit SARS-CoV-2 betrifft, sehen die Experten eine beginnende Stagnation auf hohem Niveau.

Epidemologisches Geschehen: Rückgang der Neuinfektionen nötig

Ein weiterer Rückgang der Neuinfektionen ist aber dringend notwendig, um das epidemiologische Geschehen in den Griff zu kriegen.

Die Expertinnen und Experten nehmen in ihrer wöchentlichen Vorschau an, dass die Sieben-Tage-Inzidenz (Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner, Anm.) nicht mehr signifikant steigen wird. Am heutigen Mittwoch war sie bei 1.108 zu liegen gekommen. In der laufenden Kalenderwoche 47 (22. bis 28. November) "ist ein Höhepunkt der vierten Epidemiewelle (...) wahrscheinlich", ist der Expertise des Konsortiums zu entnehmen.

Aktuelle Inzidenzen von Unsicherheit geprägt

Auch Abwasseranalysen und Mobilitätsdaten würden auf eine Stagnation des Infektionsgeschehens hindeuten, heißt es dort. Das Prognosekonsortium gibt allerdings zu bedenken: "Aufgrund der hohen Belastung bzw. teilweiser Überlastung von Testinfrastruktur, Meldesystem und Kontaktpersonenverfolgung sind die aktuell gemeldeten Inzidenzen jedoch mit Unsicherheit behaftet. Entsprechend muss diese Prognose im Falle erheblicher Nachmeldungen in den nächsten Tagen neu evaluiert werden."

Krankenhaus-Auslastung: Zeitverzug zwischen Infektion und Hospitalisierung

Was die Auslastung der Krankenhäuser anlangt, verweisen die Expertinnen und Experten auf den "Zeitverzug zwischen Infektionserwerb und Hospitalisierung". Aufgrund dessen sei "in den nächsten 14 Tagen noch nicht mit einer Entspannung in den Spitälern zu rechnen und ein weiterer Anstieg des ICU-Belags wahrscheinlich".

Dieser könnte dann in der ersten Dezember-Woche "abflachen bzw. leicht zurückgehen", deutet das Prognosekonsortium an, warnt jedoch zugleich vor vorzeitigem Aufatmen auf Seiten der Verantwortungsträger: die mögliche Abflachung erfolge "auf sehr hohem, teilweise systemkritischem Belagsniveau von über 600 belegten Intensivbetten".

So hoch ist die Wahrscheinlichkeit für systemkritische Auslastung

Konkret beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent im ICU-Bereich in einer Woche - am 1. Dezember - in Österreich erreicht wird, 30 Prozent. Deutlich höher liegt die Wahrscheinlichkeit in Oberösterreich (90 Prozent), Vorarlberg (85 Prozent), Salzburg (70 Prozent), Niederösterreich (60 Prozent) und Kärnten (45 Prozent). Am geringsten ist die Wahrscheinlichkeit in der Steiermark (fünf Prozent) und in Wien (zehn Prozent).

Deutlich mehr als 600 schwere Covid-19-Fälle mit intensivmedizinischem Behandlungs- und Pflegebedarf hält das Covid-Prognosekonsortium am kommenden Mittwoch - derzeit gibt es 578 ICU-Patientinnen und -Patienten - für absolut realistisch. Im Mittelwert geht das Gremium von 659 Versorgungsbedürftigen aus, das Überschreiten der 700er-Grenze ist nicht ausgeschlossen. Die meisten Intensivpatientinnen und -patienten werden mit bis zu 150 in Oberösterreich befürchtet, Zuwächse sind in fast allen Bundesländern anzunehmen. Auf Normalstationen ist am 1. Dezember im Mittelwert mit über 2.500 Covid-19-Kranken zu rechnen, schlimmstenfalls könnten es mehr als 2.900, davon allein über 500 in Oberösterreich sein.

Geringste Inzidenz in Wien

Hinsichtlich der Infektionszahlen wird am kommenden Mittwoch für Österreich eine Sieben-Tage-Inzidenz von 760 bis 1.250 Fällen je 100.000 Einwohner erwartet. Die geringste Inzidenz dürfte Wien - zwischen 477 und 785 -, die höchste Vorarlberg - zwischen 1.122 und 1.850 - aufweisen.

In den derzeitigen Hochinzidenz-Ländern Salzburg und Oberösterreich darf auf einen Rückgang von derzeit 1.795,0 bzw. 1.656,2 auf unter 1.300 gehofft werden, womöglich könnte die Inzidenz bei knapp über 1.000 zu liegen kommen. Steigen dürfte sie dagegen in Kärnten, wo sie im worst case auf über 1.700 klettern könnte.

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(APA/Red)

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