Bank Austria: Wirtschaftswachstum verliert an Tempo

Ein UniCredit-Bank-Austria-Ökonom erwartet einen BIP-Anstieg um 4,9 Prozent - bezogen auf das Gesamtjahr 2021..
Ein UniCredit-Bank-Austria-Ökonom erwartet einen BIP-Anstieg um 4,9 Prozent - bezogen auf das Gesamtjahr 2021.. ©APA/ROLAND SCHLAGER (Symbolbild)
Das österreichische Wirtschaftswachstum verliert wegen anhaltenden Lieferengpässen, hohen Corona-Infektionszahlen und auslaufenden Nachholeffekten an Tempo.

Im Oktober hatte sich die Konjunkturstimmung kurzfristig aufgehellt. In den kommenden Monaten werde sich der Aufschwung der Wirtschaft zwar voraussichtlich fortsetzen, doch das Erholungstempo werde spürbar nachlassen, so Chefökonom Stefan Bruckbauer in einer Aussendung zum neuesten UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator am Montag.

Folge von besserer Arbeitsmarkt-Lage

Die verbesserte Lage am Arbeitsmarkt und eine anhaltend hohen Nachfrage im Dienstleistungssektor hatten im Oktober zu einem temporären Anstieg des Konjunkturindikators auf 5,2 Punkte geführt. Im September lag der Indikator noch bei 4,6 Punkten. Die internationalen Rahmenbedingungen für die heimische Industrie trübten sich im Oktober hingegen weiter ein. Auch die Stimmung in der Bauwirtschaft hatte nachgelassen.

In den kommenden Monaten werden die etwas abnehmende Nachfrage und die anhaltenden Lieferprobleme das Wirtschaftswachstum in der Industrie weiter bremsen. Auch am Bau kämpft man mit Lieferengpässen und Personalmangel, die die weitere Entwicklung trotz voller Auftragsbücher beeinträchtigen werden. Bruckbauer rechnet mit einer Angleichung der Entwicklungstrends der einzelnen Wirtschaftssektoren auf ein niedrigeres Erholungstempo. Die jüngste Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und die Einführung der 2G-Regelung werden das Wirtschaftswachstum vor allem im Dienstleistungssektor spürbar bremsen. Besonders gefährdet seien das Gastgewerbe, der Tourismus und die körpernahen Dienstleistungen, so Bruckbauer.

Ökonom geht von BIP-Plus aus

Aufgrund des starken Wachstums über den Sommer rechnet der UniCredit-Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl für das Gesamtjahr 2021 mit einem BIP-Anstieg um 4,9 Prozent. Die heimische Wirtschaftsleistung habe bereits zum Vorkrisenniveau aufgeschlossen, so Pudschedl. Im Oktober war seine BIP-Prognose für 2021 noch bei 4,0 Prozent gelegen. Die Erwartung für 2022 bleibt unverändert bei 5,1 Prozent.

Bei der Inflation sei der Höhepunkt "angesichts der hartnäckigen angebotsseitigen Lieferprobleme für viele Rohstoffe und Vormaterialien sowie der weiterhin starken Nachfrage" momentan noch nicht erreicht, sagte Pudschedl. Der erwartete Rückgang des Ölpreises im Jahresverlauf 2022 dürfte jedoch eine Wende des Inflationstrends bewirken. Im Jahresdurchschnitt rechnet der Ökonom derzeit sowohl für 2021 als auch 2022 mit einer Teuerung von 2,6 Prozent, die Prognoserisiken hätten sich jedoch klar nach oben verschoben.

Premiere bei Arbeitslosenquote

Auch die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag nach der kräftige Erholung über den Sommer Ende Oktober bei 7,4 Prozent und damit erstmals nicht mehr über dem Durchschnitt des Vorkrisenjahres 2019. Für das Gesamtjahr 2021 rechnet Pudschedl mit einer Arbeitslosenquote von durchschnittlich 8,1 Prozent. Über den Winter würden das langsamere Wirtschaftswachstum und zusätzliche Belastungen durch verschärfte Corona-Maßnahmen den rückläufigen Trend der Arbeitslosigkeit voraussichtlich unterbrechen, mit der erwarteten Entspannung der Infektionslage im Frühjahr werde die Arbeitslosenquote aber wieder sinken. Für das Gesamtjahr 2022 erwartet der Ökonom eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent.

(APA/Red)

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