Amnesty: Alle elf Sekunden stirbt ein Mensch an Corona

In Ländern mit niedrigem Einkommen wird kaum gegen Corona geimpft.
In Ländern mit niedrigem Einkommen wird kaum gegen Corona geimpft. ©REUTERS
Amnesty International fordert die Regierungen und Unternehmen der reicheren Staaten auf, im Kampf gegen die Corona-Pandemie für einen "gleichberechtigten Zugang zu Impfstoffen" zu sorgen.

Noch immer gebe es "alle elf Sekunden einen Covid-19-Todesfall - meist in Ländern mit niedrigem Einkommen", betonte die Internationale Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, am Donnerstag in einer Aussendung der Menschenrechtsorganisation.

Kaum Impfstoffe für Länder mit niedrigem Einkommen

85 Prozent der Impfstoffdosen wurden laut Amnesty in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen verabreicht. Nur 0,3 Prozent der Dosen wurden in Ländern mit niedrigem Einkommen verimpft, so der Impfstoff-Tracker der "New York Times". "Der gleichberechtigte Zugang zu Impfstoffen ist ein grundlegendes Menschenrecht. Er darf nicht davon abhängen, wo ein Mensch lebt", betonte Amnesty.

Mindestens vier Millionen Menschen seien laut Johns-Hopkins-Universität bisher weltweit an Covid-19 gestorben. Diese Bilanz sei eine "Handlungsaufforderung für die Regierungen und Unternehmen der reicheren Staaten", betont Amnesty und fügt hinzu: "Wie viele Millionen müssen noch sterben, bis endlich das Wissen und die Technologien, um genügend Impfstoffe für alle zu produzieren, allgemein verfügbar gemacht werden?"

Zahl der Corona-Todesopfer weltweit weiterhin hoch

Obwohl viele reiche Länder gerade die Aufhebung der Corona-Beschränkungen ankündigen, seien die tödlichen Auswirkungen von Covid-19 immer noch Realität: "Die Zahl der Todesopfer in Lateinamerika ist nach wie vor hoch, während Indien und Nepal mit tödlichen Ausbrüchen konfrontiert sind und zu befürchten ist, dass die Gesundheitssysteme in Indonesien und im südlichen Afrika kurz vor dem Zusammenbruch stehen."

In vielen dieser Länder herrsche nach wie vor ein akuter Impfstoffmangel, der nur dadurch behoben werden könne, indem sowohl "unverzüglich Impfdosen weitergegeben als auch die Hindernisse beseitigt werden, die eine Ausweitung der weltweiten Produktion verhindern".

Die Staats- und Regierungschefs müssten sich weiterhin weltweit dafür einsetzen, "dass der Schutz des geistigen Eigentums an lebensrettenden Produkten zeitweise aufgehoben wird, und Pharmaunternehmen dazu bewegen, ihr Wissen und ihre Technologien zu teilen".

Meiste Todesfälle in Brasilien, Kolumbien und Russland

Mit Stand vom 6. Juli 2021 hatten in 33 Ländern mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens eine Impfstoffdosis erhalten, so Amnesty unter Berufung auf Zahlen von Our World In Data. Alle bis auf drei dieser Länder (Mongolei, Malediven und Bhutan) seien Länder mit hohem Einkommen.

Verglichen mit der Woche vom 11. Jänner 2021, als die Zahl der Todesfälle weltweit die Zwei-Millionen-Grenze überstieg, sei die Zahl der Menschen, die pro Woche in diesen Ländern starben, laut Weltgesundheitsorganisation von 51.614 auf 4.015 gesunken - ein Rückgang von 92 Sekunden. Weltweit sollen in der Woche vom 28. Juni insgesamt 53.861 Menschen an Covid-19 gestorben sein, also eine Person alle elf Sekunden.

Die zehn Länder mit den meisten Todesfällen in der vergangenen Woche seien Brasilien, Indien, Kolumbien, Russland, Argentinien, Indonesien, USA, Peru, Mexiko und Südafrika.

(APA/Red)

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