Affenpocken-Ausbreitung: Experte zeigt sich verwundert

In mehreren europäischen Ländern wurden Affenpocken-Fälle festgestellt.
In mehreren europäischen Ländern wurden Affenpocken-Fälle festgestellt. ©APA/Barbara Gindl (Symbolbild)
Der Pandemie-Experte Peter Horby (Universität Oxford) hat Verwunderung über die Affenpocken-Ausbreitung gezeigt.
Schweden: Gemeingefährliche Krankheit
Symptome und Übertragung
Affenpocken fast in Österreich

Es handle sich um eine "ungewöhnliche Situation", da das Virus außerhalb von West- und Zentralafrika übertragen werde, sagte Horby der BBC. Es gebe "offenbar ein Element der sexuellen Übertragbarkeit", sagte Horby und verwies darauf, dass das Virus vor allem bei schwulen oder bisexuellen Männern festgestellt worden sei.

Mehrere Affenpocken-Fälle in Großbritannien bestätigt

In Großbritannien wurden bisher 20 Fälle von Affenpocken bestätigt. Auch in anderen Ländern wie Deutschland, Spanien, Frankreich, Schweden, Australien und den USA wurden Fälle festgestellt, in Österreich gab es bisher noch keinen Nachweis des Virus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zu einer rigorosen Nachverfolgung aller Kontakte von Betroffenen aufgerufen. Kliniken und Bevölkerung müssten für die Symptome sensibilisiert werden.

Auftreten von Affenpocken

Affenpocken treten hauptsächlich in West- und Zentralafrika auf und nur sehr selten andernorts, was die gegenwärtigen Ausbrüche ungewöhnlich macht. Seit Anfang Mai werden zunehmend Fälle in Europa festgestellt. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. Die Krankheit verläuft in der Regel mild. Bei Affenpocken handelt es sich um eine seltene Viruserkrankung, die von Tieren - vermutlich vor allem von Nagetieren - auf Menschen übertragen werden. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind selten, aber bei engem Kontakt möglich.

Affenpocken-Folgen?

Britische Mediziner haben sich besorgt über mögliche Folgen der Affenpocken auf die ärztliche Versorgung von Geschlechtskrankheiten sowie Kinderwunschbehandlungen geäußert. Ärzte und Pfleger, die mit Infizierten in Kontakt kommen, müssten sich isolieren, sagte Claire Dewsnap, Chefin des Fachverbands British Association for Sexual Health and HIV, am Samstag der BBC.

Nicht speziell auf Affenpocken-Virus zugeschnittener Impfstoff

In London würden Kliniken keine "Walk-in-Behandlung" mehr anbieten, berichtete der Sender: Patienten müssten also im Voraus anrufen und ihre Symptome schildern, bevor sie einen Termin erhalten. Einige Mitarbeiter hätten bereits eine Pockenimpfung erhalten. Auch wenn der Impfstoff nicht speziell auf das Affenpocken-Virus zugeschnitten ist, soll er einen gewissen Schutz bieten - vor allem gegen schwerere Erkrankungen.

Dewsnap sagte, die Infektionen würden den Druck auf das ohnehin schwer belastete Personal noch erhöhen. "In Hinsicht auf Infektionen und Konsequenzen für Betroffene bin ich nicht besorgt", sagte die Verbandschefin. "Aber ich bin besorgt um unsere Möglichkeit, gute Dienste für sexuelle Gesundheit sowie Zugang für alle aufrechtzuerhalten und gleichzeitig diese neue Infektion zu bewältigen."

Sie forderte mehr finanzielle Unterstützung. "In den vergangenen zehn Jahren ist die Finanzierung durch das öffentliche Gesundheitsbudget erheblich zurückgegangen." Dadurch gebe es nun weniger Personal und weniger Möglichkeiten, Patienten zu behandeln.

(APA/Red)

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