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Abrechnung: Der Inhalt des umstrittenen Wiesinger-Buchs

Das neue Wiesinger-Buch rechnet nicht nur mit dem politischen Islam, sondern auch der Bildungspolitik allgemein ab.
Das neue Wiesinger-Buch rechnet nicht nur mit dem politischen Islam, sondern auch der Bildungspolitik allgemein ab. ©APA/ROBERT JAEGER
"Machtkampf im Ministerium" heißt das neue Buch der Wiener Lehrerin Susanne Wiesinger, das ihr wohl den Job als "Ombudsfrau für Wertefragen" im Bildungsministerium gekostet hat. Hier gibt es Auszüge aus dem Buch.
Islam-Kritikerin kritisiert Bildungspolitik
Politischer Islam an Schulen

Die im Untertitel angekündigte Schilderung davon, "Wie Parteipolitik unsere Schulen zerstört", nimmt aber nur wenige Kapitel ein. Der Rest erinnert stark an ihr erstes Buch "Kulturkampf im Klassenzimmer". Im Folgenden Zitate aus dem Buch:

Über das Bildungsministerium

"Das Bildungsministerium erscheint von den Problemen an den Schulen entkoppelt. Zwischen der Realität im Klassenzimmer und den theoretischen Überlegungen im Ministerium klafft eine Lücke, die immer größer wird."

"Im Ministerium arbeiten Menschen, die seit Jahren keinen Schulalltag erlebt haben, manche sogar überhaupt nie. Es dreht sich viel um Ressourcen, Parteipolitik, Verwaltung und Dienstrecht. Kinder und die Probleme, die sie in ihren Familien wie in der Schule haben, sind kaum Thema. Viele sind vor allem darauf bedacht, dem politischen Gegner keinen Erfolg zu ermöglichen und die Länder, also die Bildungsdirektionen, nicht zu verärgern."

Lehrer fehlen, Verwaltung wird aufgeblasen

"Am meisten hat mich verwundert, wie wenig Handlungsspielraum ein Minister und sein Kabinett haben, wie wenig die oberste Bildungsbehörde in diesem Land gestalten kann, wie wenig sie reformieren kann.(...) Die Folge dieser Ohnmacht sind oft überhastete Scheinreformen."

"Während in den Schulen an allen Ecken und Enden Personal fehlt, habe ich das Gefühl, die Verwaltungsapparate werden von Jahr zu Jahr größer. Dass dieses Gefühl größtenteils der Realität entspricht, bestätigten mir viele im Ministerium."

Über "Message Control"

"Selbst in Gesprächen mit Lehrern sollte ich nicht von der parteipolitischen Linie des Kabinetts (engste Mitarbeiter des Bildungsministers, Anm.) abweichen."

"Diese (Lehrer bei Schulbesuchen, Anm.) beklagten stets die fehlende Durchmischung, kritisierten die Deutschklassen und forderten einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle. Doch davon wollte das schwarze Kabinett nichts wissen, denn das passte nicht in ihr ideologisches Konzept."

Druck von Politik und Medien

"Meine Arbeit sollte ausschließlich die politischen Positionen der Volkspartei untermauern - das war jedenfalls mein Eindruck. (...) Ab dem Zeitpunkt, als klar war, dass ich bei diesem Spiel nicht mitmachen würde, fühlte ich mich unter Beobachtung."

"In unzähligen Gesprächen konnte ich erfahren, wie sehr sich Leiter und Lehrer unter Druck gesetzt fühlen, nicht über Missstände in unserem Schulsystem zu sprechen. Der Großteil der Medien wird dabei als Feind gesehen."

Über Parteilinien

"Alle hochrangigen Bildungspolitiker, mit denen ich seit der Veröffentlichung des Buches 'Kulturkampf im Klassenzimmer' gesprochen habe, sind, solange man mit ihnen privat spricht, inhaltlich nicht weit voneinander entfernt. Öffentlich vertreten sie dagegen oft andere Positionen, und zwar jene ihrer Partei."

"Früher gab es zwischen Rot und Schwarz, trotz aller ideologischer Gegensätze, in zentralen Fragen noch immer einen gesellschaftlichen Grundkonsens. Dieser ist zwischen Türkis und Rot komplett weggebrochen, es gibt ihn nicht mehr. (...) Es herrscht ein zunehmend aggressives Freund-Feind-Denken, das bis ins Lehrerzimmer reicht."

Parteipolitik im Klassenzimmer

"In unserem gegenwärtigen System geht es viel zu wenig um die Kinder. Es geht um politischen Einfluss, um Ideologie und Bürokratie. Der Arm der Parteipolitik reicht bis in die Konferenzzimmer der Schulen."

"Dass meine Arbeit von den Roten so umfassend wie möglich boykottiert werden würde, hatte ich befürchtet. Ausmaß und Vorgehensweise haben mich dann aber doch überrascht."

Über "Postenschacher"

"Zum Wettstreit der Ideologien kommt das Geschacher um Posten. Um Fragen, wie unsere Schulen für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen vorbereitet werden, geht es eigentlich nie. Es geht um Posten, Macht und die eigene Karriere."

"Die Unkritischsten mit den besten politischen Beziehungen haben oft die besten Chancen auf die Schulleiterstelle. Das macht sich natürlich auch in der Qualität bemerkbar. (...) Je parteitreuer man ist und je linientreuer alles aus der Bildungsdirektion mitgetragen wird, desto schneller steigt man auf und macht Karriere."

Über Konflikte zwischen Bund un Ländern

"Eine sehr große Kluft herrscht zwischen dem Kabinett im Bildungsministerium und den Bildungsdirektionen der Länder, besonders wenn sie parteipolitisch unterschiedlich 'gefärbt' sind. Dieses zunehmend feindselige Konkurrenzverhältnis ist eine der Hauptursachen für das organisatorische und inhaltliche Chaos an unseren Schulen. (...) Besonders ausgeprägt ist diese Auseinandersetzung zwischen dem Bund und der roten Bildungsdirektion in Wien."

Vorarlberg: Alles ablehnen, was vom Bund kommt

"Es sind sehr stark diese täglichen Machtkämpfe zwischen Bund und Ländern, die Schuld am bildungspolitischen Verfall haben. Bei kleinen Fragen 'dealt' man sich was aus, bei großen Aufgaben blockiert man einander."

"Egal ob das Bundesministerium rot oder schwarz ist - in meinen Augen lehnt Vorarlberg aus Prinzip und Überzeugung nahezu alles ab, was vom Bund kommt."

Über das Bildungssystem

"Wir müssen unsere Zugänge fundamental ändern, wenn wir den Kollaps unseres Bildungssystems verhindern wollen. Die Erfahrungen, die ich als Leiterin der Ombudsstelle im vergangenen Jahr gesammelt habe, und die Einblicke, die ich erhalten habe, haben meine Befürchtungen, wie es um unsere Schulen bestellt ist, leider noch übertroffen."

"Nach allen meinen Terminen kann ich eines mit absoluter Sicherheit sagen: Es gibt in ganz Österreich kaum eine Schule in einem Ballungsraum, die nicht mit beunruhigenden Sprachdefiziten zu kämpfen hat."

Kritik an muslimischen Schülern

"Die Deutschkenntnisse vieler türkischstämmiger Schüler sind schlecht, obwohl sie bereits in der dritten Generation in Österreich leben. Es gibt Probleme mit der Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht. Muslimische Schüler boykottieren von der Schule organisierte Aktivitäten und Ausflüge."

"Von Wien bis Vorarlberg: Die Mittelschule ist zur 'Restschule' des Landes verkommen."

"Früher hatte man vielleicht fünf Kinder mit auffälligem Verhalten in einer Klasse. Heute sind es manchmal bis zu fünfzehn."

Auch Eltern beteiligt

"In unseren Klassenzimmern spielt sich tagtäglich eine bildungspolitische Katastrophe ab. Die soziale Sprengkraft dieser jahrelangen eklatanten Fehlentwicklung wird leider nicht erkannt. So produzieren wir, so hart es klingen mag, eine ungebildete Schicht an Mindestsicherungsempfängern."

"Mit vielen Eltern gibt es prinzipiell zwei Probleme: Die einen kommen einfach gar nicht zu vereinbarten Terminen in die Schule, zeigen null Interesse, ignorieren alles. Die anderen sind zwar anwesend, doch sie sprechen so schlecht Deutsch, dass ein echter Austausch nicht möglich ist."

"Die Zeit des Nationalsozialismus im Unterricht (von Oberstufen, Anm.) durchzunehmen, ist für die Geschichtelehrer in manchen Klassen ein wahrer Spießrutenlauf. Eskalationen bei Besuchen des Konzentrationslagers Mauthausen sind oft nur die Spitze des Eisbergs."

(APA/red)

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