Michael Krammer: Seine Bilanz nach drei Jahren als Rapid-Präsident

Michael Krammer steht vor einer zweiten Amtszeit als Rapid-Präsident.
Michael Krammer steht vor einer zweiten Amtszeit als Rapid-Präsident. - © APA/Herbert Pfarrhofer
Rapid-Präsident Michael Krammer blickt auf seine ersten drei Jahre als Klubboss des Rekordmeisters zurück und gibt einen Ausblick auf die Ziele einer wahrscheinlichen zweiten Amtszeit.

Michael Krammer steht unmittelbar vor seiner zweiten Amtszeit als Rapid-Präsident. Der Telekom-Manager stellt sich am Montag im Rahmen der Ordentlichen Hauptversammlung im Allianz-Stadion seiner Wiederwahl bis 2019.

Davor sprach der 56-Jährige im APA-Interview unter anderem über seine Pläne mit dem Rekordmeister, die jüngsten sportlichen Misserfolge und die anstehende Ligareform.

Frage: In den vergangenen 20 Saisonen hat Rapid nur zwei Meistertitel geholt, den letzten vor acht Jahren. Woran liegt es, dass der Verein sein großes Potential nicht besser ausspielen kann?

Michael Krammer: Ich kann schwer über die Zeit vor 2013 reden. Wir sind 2013 mit einer total verjüngten Mannschaft in einer schwierigen Situation angetreten. Damals war unser Budget nicht einmal ein Drittel von jenem Salzburgs und auch deutlich unter jenem der Austria, und wir sind seither trotzdem dreimal Zweiter geworden. Das ist okay, wenn man sich den nominellen Kader und die Mittel anschaut.

Was können sich die Mitglieder von Ihrer Rede am kommenden Montag bei der Ordentlichen Hauptversammlung erwarten?

Es wird einen relativ kurzen Rückblick auf die letzten drei Jahre geben. Der Schwerpunkt wird auf dem Arbeitsprogramm der nächsten drei Jahre liegen, auf der Aufgliederung in sportliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele und mit welchen Projekten wir sie erreichen wollen.

Wie genau sehen diese Ziele aus?

Wir wollen 2019 unter den Top-50 der europäischen Klubs sein und wie bei der Hauptversammlung 2013 angekündigt bis 2023 zumindest drei nationale Titel holen. Da wird es nach den ersten drei titellosen Jahren schon ein bisschen eng, das gebe ich zu. Außerdem wollen wir die permanente Qualifikation für die Gruppenphase eines internationalen Bewerbs. Bei den wirtschaftlichen Zielen geht es um den nächsten Wachstumsschritt, bei den gesellschaftlichen Zielen um die Weiterentwicklung bei der Fankultur oder im Marketing.

Auf der Hauptversammlung werden noch einmal die eindrucksvollen Budgetzahlen präsentiert. Wie sehr schmerzt es, dass die wirtschaftlichen Erfolge von der sportlichen Misere überlagert werden?

Ich hoffe, dass das, was in den letzten drei Jahren passiert ist, schon bis zu einem gewissen Grad gewürdigt wird. So schlecht ist die Bilanz nicht. Wir haben in 17 Monaten ein neues Stadion gebaut, über 8.000 neue Mitglieder gewonnen, zuletzt einen Rekordgewinn in der Bundesliga-Geschichte eingefahren und haben auch Topwerte, was die Beliebtheit des Klubs betrifft. Wir wissen, dass wir derzeit nicht der große Favorit auf den Titel sind, aber wir arbeiten nicht nur für das hier und heute, sondern auch für die Zukunft. Wir wollen ein Fundament bauen, um nachhaltig erfolgreich zu sein.

Rapid-Präsident Krammer: Wo sich bei der Ligareform Skepsis breit macht

Der wirtschaftliche Erfolg geht aber nicht mit dem sportlichen Erfolg einher – muss sich das auch das Präsidium ankreiden lassen?

Es gibt Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Für das Management im sportlichen Bereich ist der Geschäftsführer Sport zuständig. Das Präsidium ist dafür nicht zuständig, aber in letzter Konsequenz verantwortlich. So gesehen muss man sich dieser Diskussion stellen. Wenn wir der Meinung sind, dass sich die Dinge nicht mehr positiv für den Verein entwickeln, sind wir verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, und das haben wir zuletzt auch gemacht.

Wie wichtig ist es auch für das Präsidium, dass der neue Geschäftsführer Sport eine erfolgreiche Arbeit abliefert?

Das ist eine ganz entscheidende Frage, denn beim Geschäftsführer Sport handelt es sich um eine Schlüsselposition. Es wird einen intensiven Auswahlprozess geben, deswegen lassen wir uns auch Zeit. Im besten Fall schaffen wir es heuer, spätestens aber im Februar 2017.

Wird Rapid wie bei der Bestellung von Trainer Damir Canadi auch im Zusammenhang mit der Ernennung des künftigen Geschäftsführer Sport das Gespräch mit Vertretern der organisierten Fanszene suchen?

Es ist definitiv nicht richtig, dass wir das bei Canadi gemacht haben, und das wird auch beim Geschäftsführer Sport nicht so sein. Die Kandidaten müssen sich einem Personalausschuss stellen, der aus Vertretern des Präsidiums besteht und von der einen oder anderen Person mit fußballerischem Background ergänzt wird. Außerdem werden wir wahrscheinlich auch einen Personalberater einbeziehen, da auf dieser Position auch Kompetenzen abseits der fußballspezifischen gefragt sind.

Für Rapid steht demnächst noch eine weitere wichtige Entscheidung an – jene der Ligareform. Wie stehen Sie zu diesbezüglichen Plänen, dass der Sieger des unteren Playoffs um einen Europacupplatz mitspielen kann?

Ich sehe das skeptisch, aber das werden wir noch intern besprechen, die Entscheidung fällt dann bei der Bundesliga-Hauptversammlung am 9. Dezember. Ansonsten sind wir bei der Reform der höchsten Liga nicht skeptisch, sehr große Bedenken haben wir aber nach wie vor bei der 2. Liga wegen der Vermischung von Profi- und Amateur-Fußball.

(APA, Red.)

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