FPÖ-Wahlkampffinale am Stephansplatz: Glockenläuten, Regen und Gegendemo

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Zum FPÖ-Wahlkampffinale gab es eine Gegendemonstration
Zum FPÖ-Wahlkampffinale gab es eine Gegendemonstration - © VIENNA.at
Die Wiener FPÖ lud Donnerstagabend zum Abschluss ihres Wien-Wahlkampfs in die Innenstadt. Das Großevent mit HC Strache wurde nicht nur vom anhaltenden Nieselregen gestört – eine Gegendemonstration war ebenfalls im Gange. VIENNA.at war vor Ort.

Die FPÖ-Wahlkampfveranstaltung warf am Donnerstag ab 16 Uhr ihre Schatten voraus: Vor der Wiener Hauptuni hatten sich die Gegner des FPÖ-Chefs zu einer Demonstration versammelt, die unter dem Motto “Strache vertreiben – Flüchtlinge bleiben” durch die Schottengasse und die Herrengasse in Richtung Graben zog.

OGR-Gegendemo zum FPÖ-Wahlkampfabschluss

Die “Offensive gegen rechts”, die sonst auch rund um den umstrittenen WKR-Ball Jahr für Jahr Gegendemonstrationen organisiert, hatte zu der Protestkundgebung aufgerufen, um zu zeigen, dass “Flüchtlinge herzlich willkommen in Wien sind, rassistische und hetzerische Selbstbeweihräucherung hingegen nicht”, wie es im Vorfeld hieß.

Am Graben war dann für die Demonstranten, die vielfach mit Luftballons mit durchgestrichenem Strache-Konterfei und Transparenten auftraten und “Alerta Antifascista” skandierten, Schluss. Eine Polizeisperre sorgte dafür, dass die Gegner der Freiheitlichen nicht zur Bühne vordringen konnten, wo zunächst die “Haus- und Hofband” der FPÖ, die John Otti Band, das Publikum unterhielt.

John Otti Band und Johann Gudenus am Stephansplatz

Bekannte Songs wurden gecovert, wobei auf verschiedene musikalische geschmäcker mit einem breiten Spektrum an Darbietungen Rücksicht genommen wurde – von einem Udo Jürgens-Medley inklusive “Aber bitte mit Sahne” über “Narcotic” von Liquido und den Donauwalzer bis hin zu “Engel” von Rammstein war alles vertreten. Und auch die Wahlkampf-Hymne der FPÖ, “Bleib’ mei Heimat, du mein Wien”, durfte natürlich nicht fehlen. Hunderte Menschen warteten trotz des anhaltenden Regens vor dem Stephansdom auf den großen Auftritt von FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache. Blaue Luftballon-Girlanden spannten sich über den Platz, zahlreiche FPÖ-Anhänger mit Strache-Schals und auch Jacken hatten sich versammelt, auch Hunde in FPÖ-Montur wurden gesichtet. Österreich-Fahnen und Regenschirme wurden nach Aufforderung im Takt der Musik geschwenkt.

Doch zunächst hieß es warten – denn ab 17:45 stand zunächst eine Rede von Rathaus-Klubchef Johann Gudenus auf dem Programm, der gegen 18:00 Uhr von der jüngst zur FPÖ gewechselten Ursula Stenzel abgelöst wurde, bevor Strache kurz nach 18:15 Uhr selbst am Wort war.

Gudenus fungierte praktisch als Einheizer, um für Strache Stimmung zu machen: “Wir sind das Volk”, meinte er. “Unsere friedliche, demokratische Oktoberrevolution findet statt am 11. Oktober.” Dann sei “Schluss mit dieser rot-grünen Fremdherrschaft über Wien”, so sein “Versprechen”.

Stenzel warnte vor falscher Scham beim FPÖ-Wählen

Danach hielt City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, die von der ÖVP zur FPÖ gewechselt war, flankiert von zwei ihrer als “Löwinnen” gewandeten Untersützerinnen eine regelrechte Brandrede für den FPÖ-Kandidaten. Sie plädierte für einen Machtwechsel in Wien. Dazu wählte sie meteorologische und kämpferische Gleichnisse: Wien brauche einen Klimawandel, “das rot-grüne Tief gehört weggefegt”. Nach den Erfolgen in Oberösterreich wolle man in der Bundeshauptstadt “die zweite Raketenstufe zünden” und Strache “vom Stephansplatz ins Rathaus katapultieren”.

Sie empfahl den unschlüssigen Wählern, die es vielleicht mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren könnten, FPÖ zu wählen, sich ihres Kreuzerls nicht zu schämen, denn die FPÖ sei eine “bürgerfreundliche Partei mit großer sozialer Kompetenz”. Dass ihr Mut für ihr Bekenntnis zur FPÖ gelobt werde, verbat sie sich – sich zur FPÖ zu bekennen, sei eine Selbstverständlichkeit.

Danach war es so weit: Parteichef Heinz-Christian Strache betrat unter Jubelrufen die Bühne und beschwor in einer rund einstündigen Rede einmal mehr “das blaue Wunder” einer möglichen FPÖ-Mehrheit. Kritik des FPÖ-Chefs wurde noch einmal in aller Deutlichkeit an all jenen laut, unter denen die Wienerinnen und Wiener zu leiden hätten. Das “Aussackeln” der Bürger durch “staatliche Raubritter” wurde ebenso beanstandet wie seine Vorliebe für “anständige” Ausländer betont wurde. Auch an Anmerkungen zur “Völkerwanderung” der Flüchtlinge fehlte es nicht. “Tauschen wir diese Politiker aus, bevor diese Politiker die eigene Bevölkerung austauschen”, so Strache.

Glockengeläut und Demonstranten-Rufe bei Strache-Rede

Die “Ausgrenzung” der FPÖ durch die “Gutmenschen” wurde beklagt und betont, die Freiheitlichen seien “für alle anständigen Menschen mit Charakter da”. Nun biete sich die historische Chance, Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) in die “Politpension” zu schicken, eine Veränderung in Wien zu erreichen und die Stadt sicherer und gerechter zu machen. “Wir wollen nicht erleben, dass am 11. Oktober dieser rot-grüne Leidensweg verlängert wird”, sagte Strache.

“Wir werden es gemeinsam schaffen. Ich spüre es.” Diese Worte wurden teils vom Glockengeläut des Wiener Stephansdoms überlagert und blaues Konfetti in Richtung des Publikums geschossen. Doch nicht nur die Pummerin wetteiferte mit Straches Rede – wiederholt wurden von der Absperrung am Graben her die vereint skandierenden Stimmen der Strache-Gegner laut, die “Hoch die internationale Solidarität” und “Nieder mit der FPÖ!” forderten. Dem begegnete Strache mit erhöhter Lautstärke seiner Rede.

Die Angaben über die Zahl der Teilnehmer bei Wahlkampfveranstaltung und Gegendemostration divergierten übrigens erheblich: Laut Polizei waren es 500, laut FPÖ über 6.000, die den Stephansplatz besuchten. Bei der Gegendemonstration zählte die Exekutive 350 bis 400 Personen, alles verlief friedlich, hieß es.

Hitlergrüße beim Strache-Event?

Detail am Rande: Im sozialen Netzwerk Twitter tauchten im Anschluss an die Veranstaltung Bilder von Besuchern in Strache-Fan-Gewandung auf, die den Hitlergruß gezeigt haben sollen, als sie dem FPÖ-Chef zujubelten.

Den genauen Ablauf des FPÖ-Events am Stephansplatz und der Gegendemo finden Sie hier zum Nachlesen in unserem Live-Ticker.

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