Australiens Teilnehmer Guy Sebastian im Interview: Conchita war ganz speziell

Guy Sebastian tritt für Australien beim ESC 2015 an.
Guy Sebastian tritt für Australien beim ESC 2015 an. - © APA
Australiens Song Contest-Vertreter Guy Sebastian setzt im Vorfeld des Musikwettbewerbs in Wien auf Understatement: “Ich kann halt nur so gut singen wie möglich”, gab er sich im Interview bescheiden und drückte seine große Bewunderung für Conchita Wurst aus.

Der Eurovision Song Contest wird in Australien seit 1983 übertragen – aber haben Sie ihn vor Ihrer Nominierung je gesehen?

Guy Sebastian: Das habe ich – vielleicht nicht jedes Jahr. Aber ich bin damit groß geworden. Das ist einfach ein großes Ding in Australien – wir machen Eurovision Partys und Trinkspiele. Das größte Mal war im vergangenen Jahr – klarerweise wegen Conchita. Die war unglaublich mit ihrer Performance, das hat mir echt das Hirn weggeblasen. Ich wusste von nichts und habe anfangs nur den Song gehört, der klang wie ein James-Bond-Lied. Und dann gehen auf einmal die Lichter an und ich dachte: Wow! Die Schnecke hat einen Bart! Das hat es nochmal um so viel cooler gemacht – ich habe das geliebt!

Hat der Song Contest in Australien eher ein cooles oder ein Trashy-Image?

In Australien ist das einfach ein großer Spaß, etwas, das man nicht so riesig ernst nimmt. Da hast Du verrückte Mädels, die Butter stampfen und zugleich hast Du richtig gute Sänger. Und zugleich geht es natürlich schon auch sehr um den Wettbewerb – aber wir Australier sind konkurrenzfähig, auch wenn wir weit weg sind (lacht).

Haben Sie ihren Beitrag “Tonight Again” eigens für den Song Contest geschrieben?

Ja. Sie haben mir gesagt: Wir brauchen bis Ende der Woche einen neuen Song. Und ich war zu der Zeit für ein Konzert in Hawaii. Ich hatte also 72 Stunden Zeit, als ich wieder daheim war. Dann habe ich vier, fünf geschrieben, und der letzte ist es mit “Tonight Again” geworden. Ich habe dann meine Band geholt und wir haben ihn in der Zeit aufgenommen und das Video gedreht. Wir haben ihn gerade noch rechtzeitig eingereicht. Es geht bei dem Song darum, dass man das Morgen, seine Sorgen und Probleme vergessen soll und ganz im Moment bleibt. Das ist im wesentlichen die Botschaft von “Tonight Again” – und darum geht’s doch auch beim Song Contest.

Kann der Song Contest für Sie auch der Durchbruch in Europa sein?

Mein bisher größter Erfolg war das Lied “Battle Scars”. Das war der zweitgrößte Hit in der australischen Geschichte, hat sich aber auch in den USA über eine Million mal gut verkauft. Und auch in einigen europäischen Ländern – ich glaube Norwegen und Island (lacht). Aber ich hoffe, der Song Contest ist eine gute Einführung in meine Musik und die Leute interessieren sich auch danach dafür.

Waren Sie zuvor schon in Österreich?

Ich liebe Europa und bin total gerne hier. Ich war vergangenes Jahr ganz nahe an Österreich, als ich alleine mit dem Auto auf einer Fototour durch Bayern war, weil ich auch einige Wohltätigkeitssachen in Australien mache, darunter Fotoausstellungen. Ich war also in Neuschwanstein und den ganzen anderen Schlössern und habe mich verliebt. Dann habe ich mir vorgenommen, die nächste Tour nach Österreich zu unternehmen – und nun sitze ich hier!

Haben Sie vom Österreich-Vertreter beim ESC, den Makemakes, schon gehört?

Österreich hat natürlich große Fußstapfen zu füllen. Sie zeigen aber schön, das Talent, das es in Österreich gibt. Conchita war etwas ganz Spezielles, während die Makemakes nun zeigen, welche Singer-Songwriter dieses Land auch hat. Das schaut also gut aus. Und dann haben sie auch noch alle drei Bärte!

Sie werden nicht nur der erste, sondern auch der letzte Australier sein, der beim Song Contest teilnimmt – es sei denn, Sie gewinnen…

Es gibt also keinerlei Druck, wie schön (lacht). Und ich wusste das nicht – sie haben mir das nicht gesagt. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass wir für alle Zeiten draußen sind, wenn ich verliere. Ich habe dann mein Management angerufen und gesagt: Stimmt das, dass wir auf alle Zeiten beim Song Contest dabei sind, wenn ich gewinne? Und die Australier sind so leidenschaftlich. Die Leute sind ausgeflippt, als die Nachricht kam, dass wir teilnehmen können. Aber ich habe mir eigentlich noch keine Gedanken über meine Platzierung gemacht – wer weiß, wer für Australien stimmt? Ich kann halt nur so gut singen wie möglich.

Haben Sie sich schon eine Choreografie überlegt?

Nicht wirklich. Wahrscheinlich werden wir irgendwas mit einem Satelliten machen. Es soll witzig und einfach sein. Die Mädels im Hintergrund werden also eher Souldance machen und nicht mit dem Hintern wackeln. Vielleicht mache ich das (lacht).

(APA)

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