Akademikerball in Wien: Hintergründe und Informationen zur Veranstaltung

Von Nina Tatschl
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Der Akademikerball in Wien sorgt jährlich für Aufregung
Der Akademikerball in Wien sorgt jährlich für Aufregung - © APA/HERBERT NEUBAUER
Der Akademikerball (früher: WKR-Ball) in Wien sorgt jedes Jahr für Aufregung. Wir haben die Hintergründe und die Informationen zur Veranstaltung in der Hofburg.

Der WKR-Ball wurde 2013 in “Akademikerball” unbenannt. Es handelt sich jedoch weiterhin um die gleiche Veranstaltung. Die Abkürzung WKR leitet sich von “Wiener Korporationsring” ab und bezeichnet den Zusammenschluss der farbentragenden Hochschulkorporationen. Zweck des Balles war und ist (auch nach der Umbenennung) laut eigenen Angaben “die Vertretung gemeinsamer Interessen, vor allem ein gemeinsames Vorgehen in allen rein hochschulpolitischen Fragen”.

WKR-Ball bzw. Akademikerball: Die Hintergründe

Der WKR selbst wurde am 18. Jänner 1952 durch die Unterzeichnung des “WKR-Abkommens” gegründet. Dabei wurden folgende Grundsätze festgemacht: Der “Akademikergrundsatz”, der “Ehrenstandpunkt”, der “Grundsatz des traditionsgemäßen, korporativen Zusammenschlusses”, das “Bekenntnis zum angestammten Volkstum im Rahmen der abendländischen Kulturgemeinschaft” sowie der “Grundsatz der geregelten, pflichtgemäßen Körperertüchtigung”.

Die Tänzer bei der Eröffnung des Akademikerballes

Ein weiterer Zweck des WKR ist laut Eigendefinition ein “einheitliches, gemeinsames und öffentlich repräsentatives Auftreten der Mitgliedskorporationen im akademischen Rahmen”. Dabei lehnt man offiziell “jede parteipolitische Stellungnahme und Betätigung als Arbeitsgemeinschaft ab”.

Seit dem Gründungsjahr 1952 veranstaltete der Wiener Korporationsring alljährlich einen Ball. Anfangs im Konzerthaus, übersiedelte man 1987 in die Wiener Hofburg. 2013 wurde der Ball in “Akademikerball” umbenannt. Der Hintergrund der Veranstaltung blieb jedoch der gleiche.

“Burschenschaften” am Ball

Der Akademikerball hat 21 Mitgliedsorganisationen, davon großteils schlagende Verbindungen (Verbindungen, die den Fechtkampf ausüben. Dabei entstehen Verletzungen, die als “Schmisse” bezeichnet werden. Anm. d. Red.). Der Vorsitz wechselt immer am Beginn des Sommersemesters in alphabetischer Reihenfolge der Korporationen.

Seit der Gründung der ersten Universitäten in Europa im 12. Jahrhundert gibt es Studentenverbindungen, “Burschenschaften” existieren seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Nicht alle Verbindungen sind zwar zwangsläufig deutsch-national ausgerichtet, häufig bekennen sie sich alle zur “deutschen Nation”. Das bringt mich sich, dass ihnen der Vorwurf des rechtsextremen bis hin zum nationalsozialistischen Gedankengut anhängt.

Umstrittene Persönlichkeiten am Ball in Wien

Von Verbindungsseite betont man jedoch immer wieder, dass derartige Organisationen etwa in Zeiten des Nationalsozialismus verboten waren. Für negative Schlagzeilen am Ball sorgten jedoch des öfteren rechtsextreme Redner bei Veranstaltungen mancher Verbindungen.

Darunter etwa Markus Beisicht, Patrik Brinkmann, Filip Dewinter, Alexander Dugin, Matthias Faust, Bruno Gollnisch, Enrique Ravello oder die rechtsradikale französische Politikerin Marie Le Pen, die in ihrer Heimat für die Teilnahme an dem “widerlichen Ball für Nostalgiker des 3. Reichs” kritisiert wurde.

HC - Strache am Akademikerball

In Österreich häufte sich die Kritik nach der Rede von FPÖ-Klubobmann Heinz-Christian Strache am Akademikerball, der die Demonstrationen gegen den Ball mit der Verfolgung der Juden verglichen hatte. Später revidierte er in einem ORF-Interview diese Aussage und rechtfertigte sich damit, dass er “den Vergleich nicht direkt” gezogen habe.

Umbenennung zu Wiener Akademikerball

Am 1. Februar 2013 wurde der WKR-Ball in “Wiener Akademikerball” umbenannt. Hintergrund war, dass die Hofburg BetriebsgesmbH beschlossen hatte, die Hofburg nicht mehr für den viel kritisierten Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) zur Verfügung zu stellen. Die Veranstalter und die FPÖ bemühten sich um eine Fortführung und waren damit erfolgreich.

Als “Wiener Akademikerball” wird die Veranstaltung von der Wiener FPÖ (und nicht mehr vom Wiener Korporationsring) organisiert und darf auch in der Hofburg stattfinden. Die Hofburg-Betreibergesellschaft begründete diese Entscheidung mit den Worten: “Wir stehen allen im österreichischen Parlament vertretenen Parteien offen. Wir sind ein Haus der Republik.”

Die Kritiker des Balles

Das Medieninteresse war anfangs noch gering, in den vergangenen Jahren kam es aber immer häufiger zu Protesten. Kritiker werfen dem WKR vor, ein rechtsextremes Vernetzungstreffen zu organisieren. 2013 wurden die Proteste so lautstark, dass die Betreibergesellschaft Bälle des WKR in der Wiener Hofburg untersagte. Das Bündnis “Jetzt Zeichen setzen!” jedes im Vorfeld mehrere Protestveranstaltungen. Aufregung gab es nach des Ausschreitungen bei den Demonstrationen im Jahr 2014.

Der Akademikerball in Wien findet trotz der Kritik am 29. Jänner 2016 in der Hofburg statt. Auch in diesem Jahr sind Protestaktionen geplant.

(Quelle: APA/ORF / Bilder: APA)

(NTA)

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