Zwischen Kitsch und Kunst: Jeff Koons ist Meister der ironischen Pop-Art

"Fet d'hiver" von Jeff Koons.
"Fet d'hiver" von Jeff Koons. ©EPA
Wieder läuft eine documenta in Kassel, und wieder stellt der US-Künstler Jeff Koons zur selben Zeit seine quietschbunten, ironisch-poppigen Kunstwerke in einer anderen Stadt aus. In Frankfurt widmen sich vom 20. Juni bis 23. September sowohl Schirn als auch Liebieghaus dem Werk des 1955 geborenen Künstlers.
Teure Kitsch-Kunst

In der Schirn geht es unter dem Titel “Jeff Koons. The Painter” um die Entwicklung des Malers. In der Ausstellung “Jeff Koons. The Sculptor” im Liebieghaus sind weltbekannte und auch neue Skulpturen zu sehen. “Außerdem werden in beiden Häusern Werke der neuen Serie ‘Antiquity’ zu sehen sein, in der sich Koons mit der antiken Bildsprache auseinandersetzt”, kündigten die beiden Museen an.

Am 9. Juni wird in Kassel die documenta (13) eröffnet. Schon 1992 – während der documenta IX – hatte Koons, der nicht zu der Kunstschau eingeladen war, im nordhessischen Bad Arolsen ein haushohes Hundebaby aufgebaut und es mit Blumen bepflanzt. Die gleiche Arbeit wurde später zum Wahrzeichen des Guggenheim Bilbao.

Jeff Koons im Interview

Sie haben eine neue Werkreihe angekündigt mit dem Titel “Antiquity”. Was darf man sich darunter vorstellen?
Koons: Antiquity ist eine Werkgruppe, die ziemlich direkt zeigen soll, wie schön es ist, Beziehungen und Verbindungen herzustellen. Biologie, Gene, DNA – das ist unsere wahre Natur, der Rest ist nur Erzählung. Es geht auf molekularer Ebene wie auch in zwischenmenschlichen Beziehungen darum, Dinge miteinander in Beziehung zu setzen, Bezüge herzustellen, Verbindungen zu schaffen. Die Werkreihe arbeitet diese Parallelität heraus.

Wie viel Koons steckt eigentlich in einem Koons? Ihre Arbeiten entstehen ja in einer Art Warhol’schen Factory.

Koons: Wenn Sie eine Idee haben, können Sie alles erschaffen, wenn Sie keine haben, nichts. Das Handwerkliche daran – das, was die Finger machen – ist leicht, wenn man weiß, was man will. Ich versuche, meinen Assistenten genau zu sagen, was sie tun sollen, so wie ich meinen Fingern sagen würde, was sie tun sollen. Letztlich geht es um die künstlerische Geste. Das muss nicht unbedingt eine physische Geste sein, es kann auch eine intellektuelle Geste sein.

Ihre Arbeiten erzielen sehr hohe Preise – und das seit Jahrzehnten. Was machen Sie mit dem vielen Geld, das Sie verdienen?

Koons: Die Zahlen, die da im Umlauf sind, beziehen sich auf den Sekundärmarkt. Der Künstler ist nur am Erstverkauf beteiligt, und diese Preise liegen weit unter dem, was später bei Auktionen erzielt wird. Das, was ich verdiene, reinvestiere ich in meine Kunst, und ich sammle Kunst. Ich bin niemand, der viel über Geld nachdenkt, aber ich genieße es, die Mittel zu haben, um machen zu können, was ich machen möchte.

In Kassel ist in diesem Jahr wieder eine documenta – ist es Zufall, dass Sie erneut eine Parallelausstellung haben, diesmal in Frankfurt?

Koons: Für mich ist es Zufall. Für andere ist es vielleicht keiner. Ich war noch nie bei einer documenta, ich war nur einmal am Rande dabei: In Arolsen habe ich eine Blumenskulptur gezeigt, “Puppy”, das war eine großartige Erfahrung. Aber ich habe nicht an der documenta teilgenommen und wenig davon mitbekommen.

Würden Sie gern mal nach Kassel eingeladen werden?

Koons: Ich habe nie darüber nachgedacht… Aber ja, würde ich gerne teilnehmen. Ich bin ein Künstler, der gern mit anderen Künstlern im Dialog steht. APA

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