Zweieinhalb Jahre Haft für Wiener Autoraser

Die Raserei durch Wien hat Konsequenzen: Zweieinhalb Jahre unbedingte Haft.
Die Raserei durch Wien hat Konsequenzen: Zweieinhalb Jahre unbedingte Haft. ©Pixabay.com (Sujet)
Am Mittwoch ist ein Autoraser am Wiener Landesgericht zu zweieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Er gefährdete auf der rasanten Fahrt durch mehrere Bezirke zahlreiche Menschen.
Raser versuchte Polizisten zu überfahren

Er war am 16. März 2021 auf der Flucht vor der Polizei mit bis zu 145 km/h durch mehrere Bezirke gebraust. Dabei ignorierte er an mehreren Kreuzungen rote Ampeln, achtete nicht auf den Gegenverkehr und Vorrangregelungen, und bei einem Anhalteversuch der Polizei fuhr er auf einen 26-jährigen Beamten los, der im letzten Moment zur Seite springen konnte.

Die Fahrt ging schließlich in Döbling zu Ende, als der 28 Jahre alte Lenker verkehrsbedingt nicht mehr weiter konnte und ihn ein Polizist mit gezückter Dienstwaffe zum Aussteigen aufforderte. In weiterer Folge stellte sich heraus, dass der Mann gar keinen Führerschein besaß und erst im vorangegangenen November aus dem Gefängnis entlassen worden war.

Wiener Raser erstmals mit 19 verurteilt

Erstmals war der Angeklagte im Alter von 19 verurteilt worden, drei weitere Verurteilungen - durchgehend wegen Suchtgift-Delikten - folgten. Mehrfach musste der selbst Suchtmittelabhängige die über ihn verhängten Strafen nicht antreten, weil ihm sein Verteidiger Philipp Wolm einen Therapieplatz zur Behandlung seiner Sucht vermittelte und bei der Justiz mit Erfolg einen Strafaufschub durchboxte.

Wenige Monate nach einem längeren Gefängnisaufenthalt borgte sich der 28-Jährige den Pkw eines Bekannten aus, um "ein paar Sachen zu erledigen", wie er nun Richterin Caroline Csarmann erklärte. Dabei geriet er zufällig in eine Verkehrskontrolle der Polizei, worauf er aufs Gaspedal trat statt anzuhalten. Es habe sich um eine "Kurzschlussreaktion" gehandelt, er habe "Schwierigkeiten" befürchtet, machte der Mann dazu vor Gericht geltend.

Möglicherweise hatte der Raser Drogen im Wagen und blieb deshalb nicht stehen - Augenzeugen sahen jedenfalls, wie er während der Fahrt ein Packerl aus dem Seitenfenster schmiss. Beim Versuch, der ihn verfolgenden Polizei zu entkommen, fuhr der Mann vom neunten über den 20. bis in den 19. Wiener Gemeindebezirk, wobei es im Kreuzungsbereich Gunoldstraße - Muthstraße um ein Haar zu einer Kollision mit einem anderen Verkehrsteilnehmer kam, der vorschriftsmäßig mit seinem Pkw unterwegs war.

Wiener Polizei konnte kaum mithalten

"Wir sind mit unserem Fahrzeug fast nicht nachgekommen", schilderte einer der an der Verfolgungsjagd beteiligten Polizisten als Zeuge. Der Angeklagte habe derart aufs Tempo gedrückt, dass er befürchtete, ihn aus den Augen zu verlieren: "Unsere Autos schaffen nur 140, 145."

Einmal musste der 28-Jährige vor einer Ampel anhalten, weil sich vor ihm eine Fahrzeugkolonne gebildet hatte. Das nutzte eine Funkstreifenbesatzung, um auszusteigen und sich dem Fahrzeug zu nähern. Ein junger Beamter positionierte sich vor dem Wagen und rief dem Fahrer "Stopp, Polizei! Bleiben Sie stehen!" zu. "Er hat dann die Hände vom Lenkrad genommen und die Hände gehoben", erinnerte sich der betreffende Beamte. Im selben Moment schaltete allerdings die Ampel wieder auf Grün, worauf der Mann die Hände senkte und losstartete. "Hätte ich es nicht mehr geschafft, zur Seite zu springen, hätte er mich z'samm'gführt. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre", gab der 26 Jahre alte Polizist zu Protokoll.

"Das war Wahnsinn", meinte die Richterin am Ende der Verhandlung. Sie betonte, der Raser sei mit der gegenständlichen Anklage noch passabel davongekommen, da die Staatsanwaltschaft nicht versuchten Mord angenommen habe. Der 28-Jährige akzeptierte nach kurzer Rücksprache mit Verteidiger Wolm die Strafe. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

(APA/Red.)

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