ZiB erhält gute Noten

Die ORF-Fernsehnachrichten bekommen gute Noten vom Innsbrucker Institut für Medienanalysen MediaWatch. Ein Plus: Weniger Politiker-Sprechblasen, mehr Gewichtungen. | Fernsehprogramm!

„Zeit im Bild“-Sendungsverantwortlicher und ORF 2-Infochef Stefan Ströbitzer zeigt sich im Interview mit der APA denn auch zufrieden mit den Änderungen in der Fernseh-Information. „Die ’Zeit im Bild’-Reform im April hat voll gegriffen. Die inhaltliche und journalistische Erneuerung der ’ZiB’-Sendungen ist auf einem extrem guten Weg“, so Ströbitzer.

Gewichtung

Während die Beiträge in der „Zeit im Bild 1“ früher „gleichwertig und in Einheitslänge wie auf einer Perlenschnur aufgereiht“ waren, gehe es nun „in Richtung mehr Tiefe zu den wichtigen Tagesthemen“. Auch eine aktuelle Studie gibt den Nachrichtenmachern des ORF positives Feedback. Studioanalysen, Liveschaltungen und Erklärgrafiken werden demnach gut angenommen. Die Doppelmoderation sowie die Zusammensetzung der Moderatorenpaare wird von zwei Drittel der Zuseher begrüßt. „Ich glaube, dass wir unseren Auftrag, öffentlich-rechtliche Nachrichten zu machen, die kritisch distanziert gegenüber den Mächtigen sind, sehr gut erfüllen. Wir haben da gutes Feedback vom Publikum, und wir sind schließlich der Anwalt des Publikums.“

Wichtig ist Ströbitzer dabei aber auch, „dass wir es trotz der Abschaffung der ’Zeit im Bild 1’-Durchschaltung geschafft haben, das Publikum im wesentlichen zu halten. Natürlich sind es jetzt ein bisschen weniger als vor dem 10. April, aber bei den Marktanteilen liegen wir noch immer um die 50 Prozent“.

Auch das „zweite Ziel“, nämlich gemeinsam mit der „ZiB 20“ einen besseren Marktanteil hinzulegen und ähnlich hohe Reichweiten zu erzielen wie vorher, sei erreicht worden. „Vorher hatte die ’Zeit im Bild 1’ zwischen 56 und 60 Prozent Marktanteil, jetzt kommen „ZiB 1“ und „ZiB 20“ zusammengerechnet auf 58 bis 62 Prozent Marktanteil.“ Und die „ZiB 2“ befinde sich auf Vorjahresniveau, wenn man den Hype rund um die Nationalratswahl abzieht.

Dass die Fernsehnachrichten des ORF heute kritischer sind als unter dem früheren Chefredakteur Werner Mück, will Ströbitzer, der vor seinem Wechsel auf den Küniglberg Infochef beim ORF-Radio Ö3 war, nicht näher kommentieren.

Viel mehr als „das sagen viele“ ist ihm dazu nicht zu entlocken. „Karl Amon und ich sind angetreten, um in der Fernsehinformation Meinungsvielfalt und möglichst viel journalistische Freiheit zuzulassen. Das geht aus unserer Sicht am besten, wenn es auf der einen Seite klare Sendungsverantwortliche für die einzelnen Formate gibt, und auf der anderen Seite die größtmögliche Fachkompetenz in den Fachressorts vorhanden ist. Damit haben wir den Zustand hergestellt, den es in jedem vernünftigen Medium gibt. Diese Struktur ist nicht teurer oder aufgeblähter, es gibt jetzt nur klarere Verantwortung.“

Kritik von der Politik liege in der Natur der Sache. „Es gibt einen gewissen natürlichen Interessensgegensatz zwischen den Subjekten der Berichterstattung und den Berichterstattern. Das ist nicht außergewöhnlich aufregend. Ja, Interventionen gibt es. Jeder Händler preist seine Ware. Pressesprecher, Parteisekretäre, Politiker handeln mit ihren Botschaften und hätten die gerne in allen Medien und damit auch im ORF untergebracht.

Die machen ihren Job, und wir machen unseren Job. Wir prüfen auf Informationsgehalt und Relevanz und dann wird gesendet, was relevant ist“, erklärt Ströbitzer. „Das ’Moltofon’ ist in der ’Donnerstagnacht’ noch in Betrieb, was ich gesehen hab. Bei mir war es nie in Betrieb, und es wurde auch nicht durch ein ’Gusifon’ abgelöst.“ Und trotz etlicher öffentlicher Ausritte des BZÖ gegen die ORF-Information „wird auch diese Partei von uns behandelt wie jede andere“.

Dass die O-Töne der Politiker in den Fernsehnachrichten des ORF weniger Raum einnehmen, folgt laut Ströbitzer einem klaren internationalen Trend in der Politik-Berichterstattung. „Die klassische Rolle einer Hauptabend-Nachrichtensendung verändert sich. Früher informierten sich viele über das tägliche Geschehen erstmals in der ZiB. Heute wissen die meisten Menschen schon grob, was los war. Wenn sie dann am Abend etwas mehr Zeit haben, wollen sie wissen, wie ein Ereignis zu bewerten ist. Das geht nur durch Infografiken, Visualisierungen und erklärende Gespräche.

Ich bin ein starker Verfechter des Gesprächs, weil es die natürliche menschliche Kommunikationsform ist. Wenn informierte Fachredakteure zu einem Thema eine Einschätzung geben, wird dem auch vertraut. Da wir keine zusätzliche Sendezeit haben, kann das aber nur zulasten anderer Inhalte gehen und daher ist der O-Ton-Anteil in der ZiB ein bisschen zurückgegangen.“

Wo Ströbitzer selbst politisch steht? „Ich habe heuer das Parteibuch gewechselt und bin von der Ö3-Gemeinde in die ’Zeit im Bild’-Gemeinde gewechselt. Das ist aber die einzige ’Partei’, der ich mich sehr zugehörig fühle. Ansonsten versuche ich zu allen Parteien ein gleich kritisch-distanziertes Verhältnis zu haben und glaube, dass man mich auf Grund meiner bisherigen Arbeit in keine Schublade stecken kann.“

Die nächsten Vorhaben: „Wir sind im Newsroom mitten in der zweiten Ausbauphase. Wir vervollständigen das Studio mit Vidiwalls, so dass wir mit Ausnahme von ’Im Zentrum’ und ’Club 2’ alle Sendungen der Fernsehinformation wieder aus dem Newsroom senden können. ’Hohes Haus’, ’Pressestunde’ und der ’Runde Tisch’ kehren in den Newsroom zurück und kommen damit optisch in die Welt der ’Zeit im Bild’-Familie. Das wird im ersten Quartal 2008 über die Bühne gehen, ist aber keine Reform der Fernsehinformationssendungen, sondern hilft uns, Kosten zu senken und Synergien zu nutzen. Die ’ZiBs’ werden nicht verändert, sondern lediglich optisch perfektioniert. Der Newsroom allerdings wird zum multifunktionalen Informationsstudio, in dem bis zur großen Sondersendung an Wahltagen oder bei Großereignissen alles stattfinden kann.

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