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Zeremoniemeister Roman Svabek: "Der Opernball hat immer zwei Gesichter"

Roman Svabek, seines Zeichens Tanzlehrer und Tänzer "aus Leidenschaft".
Roman Svabek, seines Zeichens Tanzlehrer und Tänzer "aus Leidenschaft". ©Vienna.at/Lukas Krummholz
Er ist verantwortlich für die Eröffnung des berühmtesten Balls der Welt: Zeremoniemeister Roman Svabek erzählte uns im Interview von den Herausforderungen, den Hoppalas, dem "aufgebauschten Kommerz" und den schönsten Seiten des Wiener Opernballs.
Beim Interview in der Tanzschule Svabek

Seit 2008 hat die Tanzschule Svabek die Gesamtverantwortung für die Eröffnung des Wiener Opernballs inne. Wir baten Zeremoniemeister Roman Svabek zum Gespräch und bekamen einen kleinen Einblick hinter die Kulissen des größten Ballsaals der Welt.

Roman Svabek im Interview

Der Wiener Opernball rückt näher – sehen Sie dem Ball gelassen entgegen, oder kommt langsam die Nervosität?

Es wird schon langsam nervöser … Gelassen sehe ich dem Ball nie entgegen, dann wäre ich aber auch nicht in meinem Element. Man braucht die Anspannung, damit es auch wirklich gut wird.

Wann ist es für Sie „wirklich gut”?

Wenn die Stimmung des Komitees auf die Ballgäste überspringt und jeder mit einem breiten Lächeln den Ballabend genießt.

Woher kommen jedes Jahr die neuen Ideen für die Eröffnung?

Ich bin ja Gesamtverantwortlicher für die Eröffnung, also nicht nur die Balleröffnung an sich gehört dazu, sondern auch die Koordination drum herum. Das Ballett, der ganze Ablauf, … Ich versuche, immer etwas Neues zu machen. Natürlich, der Walzer wird nicht neu erfunden, und auch der Einzug am Opernball kann nicht neu erfunden werden – die eröffnenden Paare müssen ja hereinkommen, und mehr als „gehen” ist uns noch nicht eingefallen … fliegen könn’ ma ja noch nicht. In Zusammenarbeit mit Ballett und Musikern entwickeln sich dann die Ideen. Welche Schritte passen dazu? Gibt es vielleicht etwas aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, das man modern interpretieren könnte? Oder macht man es ganz durcheinander? – vor zwei Jahren haben wir das Komitee komplett durcheinander walzern lassen, so als wären es 100 Fleckerl-Paare gewesen. Zugegeben, das war schon ein High-Risk Manöver (lacht). Man weiß vorher nämlich nicht, wie es tatsächlich funktionieren wird, weil man einfach nicht den Platz zum Üben hat.

Wie viele Proben hat das Komitee denn wirklich in der Wiener Staatsoper, bevor es los geht?

Insgesamt proben wir nur fünf Stunden. Davon im Saal selbst rund 50 Minuten. Das reicht grad mal für zwei Durchgänge – und dann muss das passen! Ergo die Nervosität …

Was sind die größten Hoppalas, die bei der Eröffnung passieren können?

Ich würde es „unglückliche Umstände” nennen. Also zum Beispiel, wenn auf den Stufen eine Dame der anderen auf das Kleid steigt, hängen bleibt, stehen bleibt. Und dann entsteht beim Einzug natürlich eine Lücke. Das schaut dann aus wie eine „Blockabfertigung”. Aber sowas kann natürlich passieren. Oder der Kreislauf … letztes Jahr hat es eine Debütantin brettlgrad’ auf die Nase gehaut – kann auch passieren.

Welche Voraussetzungen braucht es, um den Opernball zu eröffnen?

Man muss im Alter zwischen 17 und 24 Jahren sein und Linkswalzer können. Also nicht nur Kenntnisse haben, sondern der muss wirklich sehr gut funktionieren. Denn wir haben pro Jahr 300 bis 500 Anmeldungen. Heuer hatten wir zum Beispiel sehr viele Paare aus dem Ausland, die wir leider nicht alle nehmen können. Da muss man wirklich unterscheiden: Können die den Walzer wirklich, Ja oder Nein? Der Ball hat im Ausland in den letzten Jahren wieder den Stellenwert bekommen, dass die Leute denken: „Es ist cool, nach Wien zu fahren und dort den Opernball zu eröffnen.”

Der Wiener Opernball: Aufgebauschter Kommerz?

Es gibt immer wieder die Kritik, dass der Wiener Opernball mittlerweile ein „aufgebauschtes Kommerz-Ereignis” ist. Wie sehen Sie das?

Da kenne ich Bälle, die schlimmer sind! Der Opernball ist und war immer ein aufgebauschter Ball. Das kann man nicht abstreiten – schließlich sollte er von jeher nach außen die Botschaft tragen: „Österreich ist lebendig, Österreich hat Kultur.” Aber wir haben es geschafft, das gut 20 Prozent der Besucher mittlerweile zur jungen Gruppe unter 30 Jahren zählen. Das war schon ein Erfolg für uns. Die Tanzfläche wird jedes Jahr voller und voller, und keiner will nachhause gehen. Wir könnten den Ball verlängern! Daher denke ich, dass der Ball immer zwei Gesichter hat: Das eine voller Trubel, das man vielleicht aus den Medien kennt, mit der „Prominenz”, die eben kommt. Und das andere sind die Leute, die nur wegen dem Ball dort sind und dort einfach tanzen und Spaß haben wollen. Sicher, der Hype und die wirtschaftlichen Aspekte sind da – aber er ist schlussendlich ein Ball für Ballgeher.

Seit wann mischt die Tanzschule Svabek dabei mit?

2008 haben wir übernommen, 2009 war unser erster Opernball. Man muss bedenken, dass es ja ein Jahr Vorbereitungszeit gibt, wir arbeiten zehn Monate daran, dass der Ball „aufs Stichwort” funktioniert.

Wie war das mit dem Wechsel von der Tanzschule Elmayer auf die Tanzschule Svabek?

Also: Der Ball wurde immer von mehreren Tanzschulen gemacht. Der Herr Mühlsiegel hat ab 2000 herum die Choreographie gemacht, und die Proben fanden in der Tanzschule Elmayer und in der Tanzschule Mühlsiegel statt. Dann wollte der Herr Mühlsiegel aber in Pension gehen nach 27 Jahren Opernball-Choreographie. Daher wurde eine zweite Schule gesucht. Anfangs war ja noch nicht die Rede davon, dass die Tanzschule Elmayer nicht mehr mitmachen sollte. Nur gab es dann ein mediales Tam-Tam vom Herrn „Benimm-Papst”, mit einigen bösen Worten … Woraufhin der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender gesagt hat: „Nein, so nicht.” Schließlich hat man sich von der Tanzschule Elmayer getrennt. Und dann kam ich ins Spiel. Auf Wunsch der Staatsoper habe ich ein neues System entworfen. Im Hintergrund haben wir den Ball komplett neu erfunden. Das war wirklich eine Herausforderung!

“Alles Walzer” dreidimensional

Was sind jetzt die größten Herausforderungen bei der Organisation?

Schon zu Beginn die Frage: Wohin wollen wir diesmal mit dem Opernball gehen? Was können wir anders machen? Dann kommen die Paare, die sich bewerben – auch keine leichte Aufgabe. Und dann die Entscheidung, welche Stimmung wir mit dem Ball erschaffen möchten. Zum Beispiel: Wen lassen wir heuer „Alles Walzer” sagen? Wir haben es schon die Kinder vom Ballett sagen lassen, die Musiker, die Debütanten selbst … darauf warten die Leute auch immer mit Spannung. Hinzu kommen die Perspektiven: In der Staatsoper hat man den Blick von oben, den hat man etwa in der Hofburg nicht. Da muss man dreidimensional denken – Deckenkamera, Logen, Parkett. Sprich, es muss sich überall etwas tun. Können wir das wirklich mit den Paaren umsetzen? Den Zusehen etwas Neues bieten? Das ist immer mein großes Ziel: Etwas schaffen, das man sonst auf keinem anderen Ball sieht.

Und werden Sie selbst Zeit haben, den Opernball zu genießen, oder sind Sie laufend eingespannt?

Ich habe den Ball schon früher privat genossen, und ich genieße ihn auch heute. Das war mitunter ein Grund, warum ich überhaupt zum ersten Mal in die Tanzschule gegangen bin: Ich wollte den Opernball eröffnen. Im Endeffekt habe ich wegen der Arbeit den Ball dann doch nie eröffnet – dafür darf ich jetzt in der ersten Reihe stehen.

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