Zehn ehemalige UCK-Rebellen in Haft

Serbische Polizeieinheiten haben am Freitag in dem an den Kosovo grenzenden südserbischen Ort Presevo zehn ehemalige Mitglieder der albanischen "Befreiungsarmee Kosovos" (UCK) festgenommen. Weitere News: Situation in Presevo "angespannt"

Den Verdächtigen werden Kriegsverbrechen und Gräueltaten an serbischen und anderen nicht-albanischen Zivilisten im Kosovo-Ort Gnjilane während des Krieges im Jahr 1999 angelastet.

 

Laut dem serbischen Innenminister Ivica Dacic verlief die Freitag früh gestartete und länger vorbereitete Aktion ohne Probleme. Die Polizeieinheiten hätten mit logistischer Unterstützung der Geheimdienste auf Grundlage einer Strafanzeige der serbischen Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen gehandelt, erklärte Dacic. Die Anführer der UCK-Gruppe aus Gnjilane seien jedoch nicht in Serbien und weiterhin auf der Flucht.

Der serbische Premier Mirko Cvetkovic sprach von einer “erfolgreichen Aktion”, die sich auf überprüfte und zuverlässige Informationen stütze. Gegenüber Verbrechen müsse man immer die selbe Haltung haben, unabhängig davon, in welchem Namen sie begangen wurden, betonte Cvetkovic. “Die Regierung demonstriert Entschlossenheit, alle Verbrechen zu bestrafen.”

Die Verbrechen in Gnjilane ereigneten sich nach dem Abzug der serbischen Sicherheitskräfte aus dem Kosovo. Konkret wird den Ex-UCK-Mitgliedern vorgeworfen, in der Periode von Juni bis Oktober 1999 159 serbische Zivilisten gekidnappt und mindestens 51 ermordet zu haben, erklärte Bruno Vekaric, der Sprecher der serbischen Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen. “Spezifisch” sei, dass die “Verbrechen auf äußerst brutale Art durchgeführt wurden”. In dieser UCK-Einheit aus Gnjilane waren etwa 100 Albaner aktiv, die mehrheitlich nicht aus dem Kosovo, sondern aus Südserbien und Mazedonien stammen.

Die UCK-Gruppe aus Gnjilane habe den Auftrag gehabt, die Serben aus der Region zu vertreiben. In einem Internat seien die Opfer “auf schrecklichste Weise gequält, missbraucht, ermordet” und Frauen vergewaltigt worden, berichtete der Belgrader Sender B-92. Die Täter hätten regelrechte “Experimente” durchgeführt. So sei etwa ausprobiert worden, durch wie viele Körper eine Kugel durchschlagen könne. Zahlreichen Opfern seien vor ihrem Tod Körperteile abgeschnitten worden. Alle Leichen seien zerstückelt und an verschiedene Orte verscharrt worden. Die begangenen Verbrechen könne man nicht einmal in Worte fassen, sagte Vekaric.

Die Serben aus dem Osten Kosovos, wo seit 1999 mehr als 100 Zivilisten gekidnappt und ermordet wurden, begrüßten die Festnahme der zehn mutmaßlichen Kriegsverbrecher. Nader Sadiku, der albanische Bürgermeister von Presevo, erklärte, dass sich alle, denen Kriegsverbrechen nachgewiesen würden, vor dem Gericht verantworten müssten.

Der aus dem Süden Serbiens stammende albanische Politiker Riza Halimi sagte hingegen, dass die Festnahmeaktion nicht zur Stabilität in den Gemeinden Bujanovac, Presevo und Medvedja beitrage. In den drei südserbischen Gemeinden Presevo, Bujanovac und Medvedja dicht an der Grenze zum Kosovo leben etwa 70.000 Albaner.

Bei einem von Belgrad nicht anerkannten Referendum im Jahr 1992 sprachen sich die Albaner für den Anschluss an den Kosovo aus. Im Jahr 2001 kämpfte die “Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac” (UCKPMB) mit militärischen Mitteln für die Realisierung dieses Ziels. Albaner bezeichnen die Region in Südserbien für gewöhnlich schlicht als “Ost-Kosovo”.

Die Erhebung der UCK im Jahr 1998 und die Niederschlagung der Unabhängigkeitsbewegung durch serbische Einheiten führten 1999 zum NATO-Krieg gegen Serbien, in dessen Rahmen das Land 78 Tage bombardiert wurde. Danach wurde der Kosovo unter UNO-Verwaltung (UNMIK) gestellt. Am 17. Februar dieses Jahres folgte die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo. Belgrad erkennt diese nicht an und betrachtet den Kosovo weiterhin als südserbische Provinz. Der Kosovo wurde bisher von 22 der 27 EU-Staaten, darunter Österreich, bzw. von 53 der insgesamt 192 UNO-Staaten anerkannt.

 

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