X - Kritik und Trailer zum Film

Der tiefe Süden der USA, das Jahr 1979 - beste Voraussetzungen für einen klassischen Horrorfilm, in diesem Falle für "X" von Ti West. Der Regisseur lässt darin ein Filmteam Unterkunft auf einem abgelegenen Bauernhaus beziehen, um dort einen Porno zu drehen. Die beiden alten Gastgeber wissen allerdings nicht, was Regisseur R.J., Tontechnikerin Lorraine sowie Schauspieler Jackson Hole und die Stripperinnen Maxine und Bobby-Lynne vorhaben. Anfangs läuft alles normal, bis die Nacht hereinbricht, und die Gastfreundschaft des Ehepaares in ihr gewalttätiges Gegenteil umschlägt.

Der amerikanische Indieregisseur Ti West scheint zu wissen, dass eine von Jugend besessene Gesellschaft nicht nur vor dem Älterwerden Angst hat, sondern auch davor, sich der Tatsache zu stellen, dass auch ältere Menschen immer noch Bedürfnisse haben. Sein Slasher-Horrorfilm "X", der einer Bande Low-Budget-Pornofilmern folgt, schafft es, lustig, nachdenklich und schmuddelig zu sein. Ab Donnerstag im Kino.

X - Kurzinhalt zum Film

Wir schreiben das Jahr 1979. Der Schauplatz ist das gottesfürchtige Texas. Sechs unternehmungslustige, junge Amateure (darunter Mia Goth, Martin Henderson, Kid Cudi und Brittany Snow) wollen einen billigen Porno drehen, der sie alle reich machen soll. Aber sobald die Bande am Drehort, einer abgelegenen Farm, angekommen ist, wird sie von dem knusprigen, alten Howard (Stephen Ure) mit mürrischem Misstrauen begrüßt. Er scheint ungefähr 100 Jahre alt zu sein und winkt mit einer Schrotflinte. Der alte Mann bittet um Diskretion und erwähnt beiläufig, dass es seiner Frau, die in Hitchcock-Manier aus dem Fenster starrt, nicht gut gehe.

Mit anderen Worten, wirklich alles schreit danach, dass die Truppe so schnell wie möglich da raus sollte. Der Trailer deutet bereits auf eine Geschichte hin, in der diese wahnsinnige alte Dame aus dem Dunkeln kriecht und schließlich in ein Blutbad verwickelt wird, sodass es keine wirkliche Überraschung gibt, wenn die Dinge schief laufen - Alligatoren inklusive. Überraschend ist jedoch die Rolle, die sie in den Themen des Films spielt. Pearl, die einst eine schöne Tänzerin war, sehnt sich auch jetzt noch nach der zärtlichen Berührung ihres Ehemannes, aber der kann wegen seines schlechten Herzens keinerlei Erregung riskieren. Sie ist sexuell frustriert und hasst die jungen, nackten Dinger, die provokant vor ihr herumhüpfen.

X - Die Kritik

Die englische Schauspielerin Mia Goth, die ihr Filmdebüt in Lars von Triers "Nymphomaniac" (2013) gab, spielt beide: die junge Pornodarstellerin Maxine, und die alte Pearl, gruselig versteckt unter einer Tonne von Make-up. Wenn man nicht wüsste, dass sie es ist, man würde es nicht glauben. Aber dieser Konflikt zwischen Alt und Jung ist das Herz von "X", was von Goths Doppelrolle widergespiegelt wird.

Der amerikanische Filmemacher Ti West ("The Innkeepers - Haus des Schreckens"), der seit fast zehn Jahren keinen Horrorfilm mehr gedreht hat, denkt über Dinge wie Sex und Gewalt, Jung und Alt nach. Das Aufeinanderprallen dieser Gegensätze fließt in die schwüle, unterdrückte Kulisse seines Films mit ein und macht die Zeit, in der "X" spielt, zu mehr als nur einem Zufall. Es gibt ganz bewusst Spuren von "Blutgericht in Texas" (1974), "Psycho" (1960), "The Shining" (1980), und "Der Horror Alligator" (1980), um nur einige zu nennen.

Am Ende des Tages ist "X" aber ein Film, der auch für diejenigen gut funktioniert, die nicht ein paar Semester Filmstudium hinter sich haben. Es ist ein fröhlich schmuddeliger, blutiger Liebesbrief an alte Horrorfilme, der gleichzeitig neue Ideen mit einwebt und ein paar experimentelle Schnörkel hat. Wann sieht man schon zwei verschrumpelte, alte Körper, die sich lieben, auf der Leinwand? Das Prequel zum Film, "Pearl" genannt, ebenfalls mit Mia Goth in der Hauptrolle, ist anscheinend bereits im Kasten.

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(APA/Red)

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