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Wohliges "Sahne"- Bad in Zeiten der Krise

©Rosenstolz.de
Bis unter die Decke voll war am gestrigen Sonntagabend die Stadthalle, als das deutsche Popschlager-Duo Rosenstolz zur gepflegten Seelenmassage mit hoher Dosis Kitsch rief. "Nur was weh tut, ist auch gut", singt Anna R. Na alsdann.

Mal ehrlich: Eigentlich sollte die Welt doch schon ein besserer Ort sein. Zumindest, wenn es nach den Jugendträumen jener gegangen wäre, die heute als Angestellte in der dritten Reihe dabei zusehen müssen, wie die Chefs die Wirtschaft ruinieren. Und die daher wohl nicht mal mehr einen billigen Kredit dafür bekommen werden, den Rest der Erwerbstätigkeit über ihre Verhältnisse zu leben. Was liegt angesichts solcher Unwohlsein-Probleme näher, als sich mit jenen menschlichen Fragen zu beschäftigen, die eher wohlige als kalte Schauer auslösen? Und da ist man bei Rosenstolz am richtigen Ort. “Wie hoch lebt das Land, wie tief ist das Meer, wie weiß der Sand?”, fragt Anna R. Das wollten gestern in der Stadthalle viele Frauen dringender wissen als ihre respektiven Begleiter.

Seit 1991 arbeiten Rosenstolz zusammen, seit rund einem Jahrzehnt mit großem Erfolg. Derzeit begrüßt ihr Hit “Gib mir Sonne” allvorabendlich die Fans der deutschen Telenovela “Anna und die Liebe”, und es klingt jedesmal wie “Gib mir Sahne”. Beim Konzert musste man lange auf die Sonne bzw. “Sahne” warten. Denn die vielen kleinen Kinder, die Rosenstolz als Schmeichelduo aus dem Formatradio kennen und nun wohl als erstes Popkonzert ihres Lebens sahen, werden wohl überrascht gewesen sein: Anna R. und Peter Plate zogen eine lange und abwechslungsreiche Show ab, die in die Neue Deutsche Welle, in die Disco, das Cabaret und auch in jene Art von Etablissement führte, die auch in diesem Jahrtausend von den Medien noch verkniffen “Szenelokal” genannt wird. Dort singen Anna R. und Plate, die von einer vielköpfigen Band unterstützt wurden, eine “Dilettantenversion” von “Schlampenfieber”.

Für eine derartig vielfältige Clubtour des Selbstvergessens muss man mal die richtige Garderobe finden. Anna R. zog sich mehrmals um und war u.a. in einer Art Brautkleid auf einer Schaukel zu sehen. Plate trat in Jeans und Gilet auf, letzteres ließ er sich von einer Backgroundmusikerin ausziehen. Dass der schrille und blecherne Sound über den ganzen Abend nicht zum Besten stand, machte einen Akustikteil rund um “Wie weit ist vorbei?” zum angenehmsten Teil für die Ohren. Dass Rosenstolz hingegen mit Texten, die sich dem ehrlichen Gefühl und dem Gegenteil von Denken (“Manchmal ist das einzige was zählt/Dass ich nicht nachdenke/Sondern vergesse”) widmen, zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands wurden, wirft die Frage auf, wie tief das wogende Meer an Menschen denn eigentlich ist. Oder auch, wie viel Prosecco benötigt wird, um die lauernde Peinlichkeitsgrenze nicht so deutlich zu sehen. “Lala lalalalala”, sangen alle zusammen, und wollten damit auch nicht aufhören, als die Band schon zum nächsten Lied drängte.

Doch gegen Ende regnete es Glitzerkonfetti, das Publikum jubelt. Und am Nachhauseweg singt man “Wann kommt die Sahne?”

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