Wo bleiben die FFP2-Masken?

©APA/BARBARA GINDL
Gastkommentar von Johannes Huber. Ab Montag war eine Verpflichtung für Testverweigerer vorgesehen. Sie ist nicht zustande gekommen. Mehr denn je wäre sie jedoch für alle gefragt.

"Wenn wir nicht jetzt Maßnahmen ergreifen, haben wir im März die Katastrophe", warnt Bundesrettungskommandant Gerry Foitik. Grund: Mit "B.1.1.7" breitet sich gerade eine Mutation aus, die wesentlich ansteckender ist als das herkömmliche Coronavirus. Womit ein altes Drama von vorne beginnen könnte: Zwei Fälle heute sind morgen vier, übermorgen acht, bald darauf 16, 32, 64 und so weiter und so fort.

Das kann so schnell gehen, dass die paar Tausend, die erst geimpft sind, keinen Schutz für die gesamte Gesellschaft darstellen. Andererseits muss man natürlich berücksichtigen, dass wir uns in einem "Lockdown" befinden. Clusterbildungen sind damit gebremst, große Superspreading-Events weniger wahrscheinlich. Genug ist das jedoch nicht. Daher drängt Foitik auf eine Verschärfung der Maßnahmen und zum Beispiel eine FFP2-Maskenpflicht.

Hatten wir das nicht schon einmal? Klar. Im Dezember beschloss die Regierung ein Zwei-Klassen-Programm: Wer sich testen lässt, sollte ab kommendem Montag eine Woche lang größere Freiheiten genießen. Alle anderen sollten keine Lokale besuchen dürfen und im Übrigen eine FFP2-Maske tragen müssen. Gedacht war das als Anreiz, an sogenannten Massentests teilzunehmen bzw. als Strafe, sich diesen zu entziehen.

Dazu gekommen ist es bekanntlich nicht. SPÖ, FPÖ und Neos haben angekündigt, diese Form des Freitestens im Bundesrat zu blockieren und so haben ÖVP und Grüne ihren Plan fallengelassen. Das ist gut und schlecht zugleich: Eine FFP2-Maske hält mehr Viren ab als ein Mund-Nasen-Schutz, der im schlimmsten Fall aus einem zu lange nicht gewaschenen Stück Baumwolle besteht. Genau genommen ist das also etwas, womit man Leute nicht bestrafen kann; es handelt sich vielmehr um eine sinnvolle Maßnahme.

Schlecht ist, dass jetzt nicht einmal mehr all jene eine solche Maske tragen werden, die sich schon länger keinem Test mehr unterzogen haben. Es wäre notwendiger denn je. Irgendwie hat sich trotz aller Warnungen von Foitik und anderen Experten noch nicht in Österreich herum- und zur Regierung hinaufgesprochen, wie ernst die Lage ist: Der Hut brennt, also her mit einer generellen FFP2-Maskenpflicht!

Wir haben noch immer über 100 bestätigte Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Ideal wären laut Thomas Czypionka vom Institut für Höheren Studien weniger als sieben. Dann wären die Entwicklungen kontrollierbar und dann würde es vor allem auch einen Spielraum im Hinblick auf neue Infektionswellen geben; man könnte frühzeitig handeln.

Genau das geschieht in der Schweiz: Dort rechnet man aufgrund der Mutation fix mit einer dritten Welle und hat daher schon beschlossen, Lokale bis Ende Februar zuzulassen. Gesundheitsminister Alain Berset hofft, dass es so gelingt, das Schlimmste zu verhindern. Und was tun wir? Abwarten und schauen, was kommt.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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