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Wiener Student in Ägypten in Haft: Amnesty fordert Freilassung

Ahmed Samir Santawy wurde am 1. Februar als vermisst gemeldet.
Ahmed Samir Santawy wurde am 1. Februar als vermisst gemeldet. ©APA/AFP
Amnesty International hat in einem globalen Appell die ägyptischen Behörden am Mittwoch aufgefordert, den Wiener Studenten Ahmed Samir Santawy sofort und bedingungslos freizulassen.
Wiener Student in Ägypten in Haft

Der 29-jährige Student der Central European University in Wien sei am 1. Februar bei einem Familienbesuch in Ägypten von den Behörden festgenommen und bei einem Verhör durch die NSA, eine Spezialeinheit der Polizei, geschlagen worden, kritisierte die Menschenrechtsorganisation in einer Aussendung.

Forschung zu Frauenrechten

"Ahmed Samir Santawy ist ein gewaltloser politischer Gefangener - er geriet lediglich wegen seiner Forschung zu Frauenrechten und zur Geschichte der reproduktiven Rechte ins Visier der Behörden", erklärte Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. Die Sicherheitskräfte hätten ihm seinen Angaben zufolge die Augen verbunden und ihn mit der Faust in den Kopf- und Magenbereich geschlagen. Gefragt worden sei er von den NSA-Angehörigen zu seinem Studium und seinen mutmaßlichen Verbindungen zu einer regierungskritischen Facebook-Seite.

Derzeit befinde sich der Wiener Student im Liman-Tora-Gefängnis im Süden von Kairo und habe keinen Zugang zu seiner Familie und seinen Rechtsbeiständen. Nach seiner Verhaftung am 1. Februar habe Ahmed Samir Santawy fünf Tage lang als "verschwunden" gegolten, so Amnesty. Erst am 6. Februar habe die Staatsanwaltschaft in Ägypten eine 15-tägige Untersuchungshaft gegen Ahmed Samir Santawy verhängt, bis die Ermittlungen wegen haltloser Terrorismusvorwürfe abgeschlossen seien. Diese Untersuchungshaft könne immer wieder verlängert werden und werde von den Behörden in Ägypten oft gegen gewaltlose politische Gefangene verwendet, kritisierte Amnesty.

"Absurde Anklagen" laut Amnesty

Ahmed Samir Santawy sei in Ägypten mit völlig absurden Anklagen konfrontiert", sagte Schlack weiter. Da er ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten werde, bestünde Sorge um seine Gesundheit und sein Wohlergehen, insbesondere angesichts der Verbreitung des Coronavirus und der unzureichenden medizinischen Versorgung in den Gefängnissen in Ägypten. Außerdem habe er in der Vergangenheit unter gesundheitlichen Problemen gelitten, die sich im Gefängnis wieder verschärfen könnten.

In den vergangenen Jahren seien in Ägypten Tausende Menschen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (SSSP) festgenommen und in verlängerter Untersuchungshaft festgehalten worden, während Ermittlungen wegen unbegründeter Terrorismus-Vorwürfe und anderer Anklagen gegen sie eingeleitet wurden, so Amnesty in der Aussendung weiter. Immer wieder werde dabei auch die absolute gesetzliche Höchstgrenze von zwei Jahren für Untersuchungshaft überschritten. Manchmal würden den Festgenommenen behördenkritische Social-Media-Posts zum Vorwurf gemacht.

(APA/red)

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