Wiener Student seit einer Woche in Ägypten in Haft

Der 29-Jährige befindet sich in einem ägyptischen Gefängnis.
Der 29-Jährige befindet sich in einem ägyptischen Gefängnis. ©APA/AFP/MOHAMED EL-SHAHED
Ein Student der Central European University (CEU) in Wien wurde am 1. Februar in Ägypten verhaftet. Der 29-Jährige wollte über die Semesterferien zu seiner Familie zurückkehren. Ihm wird die Verbreitung von Fake News unterstellt.

Ahmed Samir Abdelhay Ali, ein Master Student an der Central European University (CEU) in Wien, ist am 1. Februar 2021 von der Polizei in Kairo festgenommen worden. Der 29-Jährige kehrte für die Ferien nach Ägypten zu seiner Familie zurück und wurde dort zu einem Verhör vorgeladen. Er galt eine Woche lang als verschwunden und sei in dieser Zeit mehrmals verlegt und gefoltert worden. Das berichtet die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) am Montag in einer Aussendung.

Inzwischen konnte er wieder lokalisiert werden und Kontakt zu seinem Anwalt aufnehmen, so die ÖH. Ihm werde der Beitritt einer terroristischen Organisation, die Veröffentlichung von Fake-News und die Erstellung eines Fake-Profils zur Verbreitung von Fake-News unterstellt. Seine Haftstrafe sei auf 15 Tage mit der Option auf Verlängerung für unbestimmte Zeit festgesetzt. "Es kann nicht sein, dass andere Staaten grundlos österreichische Studierende festnehmen, sie foltern und auf unbestimmte Zeit inhaftieren", so Sabine Hanger, Vorsitzende der ÖH.

Die italienische Nachrichtenagentur ANSA hatte bereits am Freitag von der Festnahme des CEU-Studenten berichtet. Sie zitierte auch den Rektor der Universität, Michael Ignatieff, der seine "sofortige Freilassung und seine sichere Rückkehr zu seiner Familie und seinen Studien" gefordert hatte.

Menschenrechtslage in Ägypten besorgniserregend

Die Menschenrechtslage in Ägypten sei besorgniserregend. Umso mehr setze sich die ÖH bei den heimischen und ausländischen Behörden für die Freilassung des Betroffenen ein, heißt es in der ÖH-Aussendung. Der Referent für internationale Angelegenheiten Antonio Nedić sagte dazu: "Die Verhaftung von Ahmed ist ein Beispiel für eine Systematik von Bedrohung und Einschüchterung durch die ägyptischen Behörden, die sich gegen Forscher_innen und wissenschaftliche Arbeiten richtet."

Es sei nicht das erste Mal, dass ein Student in Ägypten festgenommen wurde, in den letzten Jahren wären vermehrt Berichte diesbezüglich eingegangen. "Erst vor einem Jahr wurde Patrick George Zaki, ein ägyptischer Student an der Universität von Bologna während seiner Ferien in Ägypten von der Polizei in Haft genommen, in der er sich bis heute befindet", so Nedić weiter. Zaki würden dieselben Vergehen unterstellt. Auch seine Haftstrafe wurde ursprünglich auf 15 Tage gesetzt. Die italienische Abgeordnete Laura Boldrini von der Demokratischen Partei und ehemalige Kammerpräsidentin sprach in Zusammenhang mit der Festnahme Ahmed Samirs von einem "neuen Fall Zaki". Die ÖH fordert gemeinsam mit der CEU Student Union die sichere Rückkehr von Ahmed nach Wien, damit er sein Studium weiter fortsetzen kann. "Dass österreichische Studierende in fremden Ländern ohne Rechtsgrund festgenommen und festgehalten werden, ist ein untragbarer Zustand. Die Menschenrechte sind universal gültig und müssen durchgesetzt werden. Daher ist es uns ein Anliegen, diese Causa an die Öffentlichkeit zu bringen", betonte Hanger.

Grüne fordern von Ägypten Freilassung von CEU-Studenten

"Ich fordere von Ägypten die sofortige Freilassung von Ahmed Samir Abdelhay Ali, Master-Student an der Central European University in Wien. Wie es scheint, hat er nichts anderes getan als das, wozu jeder Mensch auf dieser Welt ein unveräußerliches Recht hat - frei seine Meinung zu äußern", sagte die außenpolitische und Menschenrechtssprecherin der Grünen, Ewa Ernst-Dziedzic, am Montag laut einer Aussendung.

Die Grün-Poitikerin äußerte sich zum Fall des Studenten, der während eines Besuchs bei seiner Familie in Kairo verhaftet wurde. Sie schließt sich damit dem Appell der Österreichischen Hochschüler*innenschaft (ÖH) an.

In den "Folterkellern" Ägyptens

Die menschenrechtliche Situation in Ägypten bereitet Ernst-Dziedzic "schon lange Sorgen". Seit der Machtübernahme von Abdel Fatah al-Sisi sei sie jedoch unerträglich geworden: "Der autokratische Herrscher ließ tausende Menschen ins Gefängnis werfen, nur weil sie seinem Regime die Gefolgschaft verweigern."Nun reiche der lange Arm der ägyptischen Machthaber bis nach Österreich und lässt einen in Wien studierenden Soziologiestudenten"in den berüchtigten Folterkellern Ägyptens verschwinden. Das dürfen wir nicht zulassen, es braucht hier rasche Aufklärung", erklärt Ernst-Dziedzic.

(APA/red)

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