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Wiener Sommertourismus um 82 Prozent eingebrochen

Vor allem deutsche Touristen buchten diesen Sommer weniger.
Vor allem deutsche Touristen buchten diesen Sommer weniger. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Der heimische Tourismus hat heuer im Sommerhalbjahr wegen der Corona-Pandemie einen herben Buchungsrückgang erlitten. Besonders hart hat es Wien mit einem Einbruch um 82 Prozent getroffen.

Der heimische Tourismus hat heuer im Sommerhalbjahr wegen der Corona-Pandemie einen herben Buchungsrückgang erlitten. Zwischen Mai und August gingen die Nächtigungen in den Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres im landesweiten Schnitt um 33 Prozent auf 39,5 Millionen zurück, wie aus vorläufigen Daten der Statistik Austria hervorgeht. Die Urlauberzahl brach infolge der Reisebeschränkungen um 43,2 Prozent auf 10,5 Millionen ein.

Corona-Krise: Wien verzeichnete Buchungsrückgang von 82 Prozent

Mehr als die Hälfte der Nächtigungen erfolgte durch ausländische Touristen. Deren Buchungen verringerten sich allerdings um 43 Prozent auf 23,8 Millionen. Mehr als zwei Drittel davon tätigten die Deutschen, deren Übernachtungen im bisherigen Sommerhalbjahr, das im Oktober endet, um gut 24,4 Prozent auf 16,5 Millionen sanken. Urlauber aus Österreich buchten von Mai bis August 15,7 Mio. Nächtigungen - das waren um 7 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode.

Besonders hart hat die Coronakrise Wien getroffen - mit einem Einbruch der Buchungen um 82 Prozent auf 1,2 Mio. Übernachtungen. Am glimpflichsten kamen bisher Kärnten mit einem Minus von 15 Prozent und in Summe 6,9 Mio. Nächtigungen, die Steiermark (mit minus 18 Prozent auf 4,4 Mio. Nächtigungen) und das Burgenland (mit minus 19 Prozent auf 1,3 Mio. Nächtigungen) davon.

Heftigere Rückschläge gab es in den restlichen Bundesländern - Niederösterreich bilanziert bisher mit minus 40 Prozent auf 2 Millionen Nächtigungen, Salzburg mit einem Minus von 33 Prozent (auf 7,2 Millionen), Oberösterreich mit Minus 32 Prozent (2,6 Millionen), Tirol mit Minus 29 Prozent (11,7 Millionen) und Vorarlberg mit Minus 25 Prozent auf 2,3 Millionen.

Der wichtigste Saisonmonat August verlief verhältnismäßig gut - die gebuchten Nächte gingen gegenüber dem Vorjahresmonat um nur 11,2 Prozent auf 17,9 Millionen zurück, die Zahl der Gäste um ein Fünftel (20,1 Prozent) auf 4,59 Millionen - aus dem Ausland kamen 2,57 Millionen Urlauber (minus 35,6 Prozent), aus dem Inland 2,01 Millionen (plus 15,6 Prozent). Vor allem die Österreicher buchten eifriger und sorgten für einen deutlichen Nächtigungszuwachs von 22,6 Prozent auf 6,6 Millionen - das waren um 1,2 Millionen mehr als im Vorjahresmonat. Noch stärker buchten unterm Strich nur die Deutschen - mit einem Plus von 2,8 Prozent bzw. 215.000 Nächtigungen auf 7,9 Millionen.

Nächtigungsplus im August in einigen Bundesländern

"Gäste aus Österreich und Deutschland haben im August den coronabedingten massiven Einbruch bei den Nächtigungen durch Gäste aus anderen Ländern teilweise kompensiert", so der Generaldirektor der Statistik Austria, Tobias Thomas.

Gleichzeitig sanken aber die Übernachtungen der Niederländer um 18,9 Prozent oder 274.900 auf knapp 1,2 Millionen und jene der Italiener um 58,1 Prozent oder rund 508.200 auf 366.500. Auch der Buchungsrückgang seitens der Schweizer/Liechtensteiner mit minus 19,4 Prozent auf 358.700 Nächte und der Tschechen mit minus 19,6 Prozent auf 312.600 Nächte war im August drastisch.

Ungeachtet der tristen Gesamtsituation erzielten einige wenige Bundesländer im August sogar ein Nächtigungsplus gegenüber dem Vorjahr - das Burgenland (plus 6,8 Prozent), die Steiermark (plus 4,1 Prozent) und Kärnten (plus 2,2 Prozent). Diese Entwicklung stützten laut Statistik Austria die verstärkten Buchungen seitens der inländischen Urlauber. Demgegenüber sah es jedoch in Wien mit einem Buchungseinbruch von 71,5 Prozent verheerend aus. Alle übrigen Bundesländer verzeichneten ebenfalls spürbare Nächtigungsrückgänge - in Vorarlberg waren es minus 0,5 Prozent, in Tirol minus 7,1 Prozent, in Salzburg minus 10,6 Prozent, in Oberösterreich minus 11,4 Prozent und in Niederösterreich minus 18,4 Prozent.

Jobverluste im Tourismus in Wien besonders hoch

Der coronabedingte Einbruch der Nächtigungen hat in der bisherigen Sommersaison Wien besonders stark getroffen, weil die ausländischen Gäste weggeblieben sind. Kärnten hingegen profitierte, da mehr Österreicher Urlaub in dem seenreichen Bundesland machten. Das spiegelt sich auch in der Jobstatistik wieder. In Wien fielen besonders viele Tourismus-Arbeitsstellen weg, in Kärnten am wenigsten, wie eine Wifo-Studie zeigt.

Die Aussichten für die Wintersaison 2020/21 sind auch alles andere als rosig. Das Wiederaufflammen von Corona sowie damit verbundene Reisebeschränkungen lassen sinkende Gästezahlen befürchten, so das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einer am Montag veröffentlichten Untersuchung zu Beschäftigungsverlusten im Tourismus. Auch sei nicht zu erwarten, dass die Inlandsnachfrage die ausfallenden Gäste aus dem Ausland im selben Ausmaß kompensieren kann wie im ersten Coronasommer.

"Im Städtetourismus kämpfen viele Betriebe ums Überleben - für Wien wird etwa ein Rückgang der Nächtigungen um 75 Prozent für das Jahr 2020 erwartet", so die Ökonomen. "Dämpfte bislang die Möglichkeit zur Kurzarbeit den Anstieg der Arbeitslosigkeit, so sind bei einem Ausfall der Nächtigungen in diesem Ausmaß Kündigungen, aber auch Insolvenzen kaum zu verhindern."

Die von der Regierung verhängten Coronabekämpfungsmaßnahmen haben im Tourismus puncto Jobabbau am meisten angerichtet. Im März 2020 entfiel etwa die Hälfte des gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungseinbruchs (minus 181.775) auf das Beherbergungs- und Gaststättenwesen (minus 90.757). Mit Beginn der Sommersaison verringerte sich der Jobabbau im Tourismus merklich, dennoch lag der Beschäftigungsstand im August um 10,5 Prozent (minus 24.935) unter dem Vorjahresniveau.

Im Beherbergungswesen (Hotels, Pensionen usw.) fielen die Beschäftigungsverluste regional sehr unterschiedlich aus. In Wien wurden in der Branche gegenüber August 2019 verhältnismäßig am meisten Jobs abgebaut (-17,6 Prozent), auch Niederösterreich (-13,2 Prozent) und Tirol (-10,1 Prozent) litten stark unter dem Ausfall ausländischer und auch inländischer Gäste. Kärnten kam dank der regen Inlandsnachfrage mit einem Jobabbau von 1,7 Prozent am glimpflichsten davon.

Auch in der Gastronomie ging es den Angestellten in Wien im Sommer am schlechtesten. In der Hauptstadt ging die Beschäftigung in dem Sektor im August um 18,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück, gefolgt von Salzburg mit minus 11,8 Prozent und Niederösterreich mit minus 10,7 Prozent.

Auch zahlreiche andere Branchen haben die Krise noch lange hinter sich gelassen. In Friseur- und Kosmetikstudios etwa lag der Stand der unselbstständig Beschäftigten im August um 3,6 Prozent unter Vorjahr. Im Freizeit- und Kulturbereich - etwa Bibliotheken, Wettbüros, Museen, Theater, Fitnesscenter - gab es um 6,3 Prozent weniger unselbstständige Jobs. Der Baubereich dagegen verzeichnet seit dem Sommer deutliche Beschäftigungszuwächse.

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(APA/Red)

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