Wiener Sängerknaben erstmals bei Bregenzer Festspielen

Bregenz - Draußen ein strahlender Sommertag - drinnen im Festspielhaus war Sonntagmittag beim zweiten Orchesterkonzert der Bregenzer Festspiele ein eher düster angehauchtes Programm mit zwei dem Kriegs- und Totengedenken gewidmeten Hauptwerken des polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) zu erwarten.

Immerhin war die Matinee der Anlass für das allererste Auftreten der Wiener Sängerknaben bei den Bregenzer Festspielen. Am gestrigen Samstagnachmittag wirkten sie in der Abteikirche Mehrerau auch bei der Festspiel-Festmesse mit. In der Sonntags-Matinee wurden Weinbergs Requiem sowie seine Symphonie Nr. 6 aufgeführt. Am Pult der Wiener Symphoniker stand wie schon im ersten Orchesterkonzert Vladimir Fedoseyev.

Das in den Jahren 1965 bis 1967 entstandene und erst 2009 in Liverpool uraufgeführte “Requiem für Sopran, Knabenchor, Chor und Orchester op. 96” hat keinen liturgischen Hintergrund, es verwendet für die dominierenden Vokalpassagen Texte aus Russland, Japan und Spanien (Federico Garcia Lorca). Das Werk kann inhaltlich und zeitlich als Weinbergs Antwort auf Benjamin Brittens “War Requiem (1962) interpretiert werden. Das groß dimensionierte und für alle Mitwirkenden anspruchsvolle einstündige “Requiem” spiegelt Kriegsschrecken und Friedenssehnsucht, der Orchesterpart wechselt zwischen tonalen und atonalen Passagen. In den russischen Gesangsabschnitten beeindruckten die Sopranistin Elena Kelessidi (die berührende Martha aus der “Passagierin”, Anm.), die von Gerald Wirth famos einstudierten Wiener Sängerknaben sowie der von Lukas Vasilek geleitete Prager Philharmonische Chor.

Riesig besetzt ist das Podium auch für Weinbergs fünfsätzige Symphonie Nr. 6 für Knabenchor und Orchester op. 79, die gleich nach ihrer Entstehung 1963 unter Kyrill Kondraschin in Moskau uraufgeführt worden ist. In diesem Werk korrespondieren ausgedehnte Vokalpartien mit rein instrumentalen Abschnitten, meditative mit aufgewühlten Passagen. Wie in vielen seiner Kompositionen steht auch in der “Sechsten” der Krieg im Mittelpunkt. Das sei ihm vom Schicksal auferlegt worden, nahm Weinberg auf den Weltkrieg, Judenverfolgungen und seine Inhaftierung unter Stalin Bezug. Das Zusammenwirken der Symphoniker mit den über 30 Wiener Sängerknaben führte zu einem beeindruckenden Gesamtergebnis. Der nach einer kurzen Pause der Ergriffenheit einsetzende Schlussbeifall galt gleichermaßen Maestro Fedoseyev, den Symphonikern und natürlich den Sängerknaben.

65. Bregenzer Festspiele vom 21. Juli bis 22. August,
Tickets und Informationen im Internet unter www.bregenzerfestspiele.com

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