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Wiener Mafia-Mord: "Dritter Mann" soll Mithäftling verprügelt haben

Der "dritte Mann" wurde im Dezember nach dem Wiener Mafiamord festgenommen.
Der "dritte Mann" wurde im Dezember nach dem Wiener Mafiamord festgenommen. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Der "dritte Mann" des Wiener Mafia-Mords muss sich am 11. Juni vor Gericht verantworten. Er soll nach seiner Festnahme einen Mithäftling ins Krankenhaus geprügelt haben.
"Dritter Mann" nicht mordverdächtig
"Dritter Mann" mit gefälschten Dokumenten
Schüsse in der Wiener Innenstadt
Fotos vom Tatort

Der sogenannte “dritte Mann”, der im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Mafia-Mord in der Wiener Innenstadt vom 21. Dezember 2018 ursprünglich der Mittäterschaft verdächtigt wurde, muss sich am 11. Juni wegen schwerer Körperverletzung am Landesgericht verantworten. Das teilte Gerichtssprecherin Christina Salzborn am Montag auf APA-Anfrage mit. Dabei geht es aber nicht um die Schießerei am Lugeck.

Verdächtiger soll Mithäftling spitalsreif geschlagen haben

Inkriminiert ist ein Zwischenfall, der sich nach der Festnahme des Mannes in der Justizanstalt Josefstadt abgespielt hat. Der 29-Jährige soll am 15. Jänner im Zuge einer Auseinandersetzung einen Mithäftling spitalsreif geschlagen haben. Der Betroffene erlitt einen mehrfachen verschobenen Nasenbeinbruch und weitere Knochenbrüche im Gesichtsbereich, darunter Frakturen der medialen und lateralen Orbitawand, Platzwunden und Hämatome.

Was die Schießerei betrifft, die den mutmaßlichen Mafioso Vladimir R. (32) das Leben gekostet hat, wurde von der Staatsanwaltschaft bereits zu Jahresbeginn der dringende Tatverdacht fallen gelassen, der 29-Jährige hätte den Killer, der sich unmittelbar nach der Tat ins Ausland abgesetzt hatte, vor das Lokal gelockt, in dem er sich mit Vladimir R. und dessen 23 Jahre altem Begleiter zum Mittagessen verabredet hatte. Dabei ist es geblieben. Hinsichtlich des Mordanschlags wird dem Mann lediglich falsche Zeugenaussage und der Gebrauch fremder Ausweise vorgeworfen – er soll bei den polizeilichen Ermittlungen inhaltlich unrichtige Angaben gemacht und sich unter falschem Namen deklariert haben.

Europaweite Fahndung nach 29-Jährigen

Gegen den 29-Jährigen liegt ein Auslieferungsersuchen der serbischen Strafverfolgungsbehörden vor. Nach dem Mann war europaweit wegen Suchtgifthandels gefahndet worden. Über die beantragte Auslieferung wird erst nach der rechtskräftigen Erledigung der Verhandlung im Juni entschieden.

Unterdessen ist der Begleiter von Vladimir R., der ebenfalls angeschossen und mehrfach getroffen wurde, bereits nach Serbien zurückgekehrt, bestätigte Salzborn einen Bericht des Gratisblatts “Heute” (Montag-Ausgabe). Der 23-Jährige, der unter anderem einen Streifschuss am Kopf davongetragen hatte, aber bereits vor dem Jahreswechsel das Spital verlassen konnte, war Anfang Jänner gegen gelindere Mittel enthaftet worden. Nach ihm hatten die serbischen Behörden wegen illegalen Waffenbesitzes gefahndet.

23-Jährige will ausgeliefert werden

Nachdem er Anfang März abschließend zu der Schießerei befragt wurde, stimmte der 23-Jährigen einem vereinfachten Auslieferungsverfahren zu. Als die Durchführung des serbischen Verfahrens gewährleistet war, konnte er Österreich verlassen. “Er hat zugesichert, sich bis 15. April den serbischen Behörden zu stellen”, teilte Salzborn mit. Der Mann soll sich bereits in Serbien in Haft befinden.

Serbischen und montenegrinischen Medienberichten zufolge soll der 23-Jährige ein Sohn des einstigen Bosses der montenegrinischen Mafia in der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad sein. Sein Vater und ein älterer Bruder sind bei Mordanschlägen 1999 in Novi Sad bzw. 2015 in Belgrad ums Leben gekommen. Auch der 23-Jährige und der in Wien erschossene Vladimir R. sollen dem mafiösen Kavacki-Clan angehört haben, der seinen Namen einem Stadtviertel von Kotor – eine Handels-und Hafenstadt an der montenegrinischen Adria-Küste – verdankt. Der Clan führt seit Jahren einen regelrechten Krieg mit dem ebenfalls nach einer Kotor-Siedlung benannten Skaljarski-Clan. Die eine Bande soll der anderen Ende 2014 rund 200 Kilo Kokain gestohlen haben, das in einer Wohnung im spanischen Valencia gebunkert war. Blutige Abrechnungen, zuerst in Valencia, danach in Montenegro und in Serbien waren die Folge. Dutzende Personen sind seither eines gewaltsamen Todes gestorben.

(APA/red)

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