Wiener Lobautunnel dürfte wohl nicht gebaut werden

Der Lobautunnel dürfte wohl nicht gebaut werden.
Der Lobautunnel dürfte wohl nicht gebaut werden. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Der geplante Lobautunnel unter der Wiener Lobau dürfte wohl nicht gebaut werden. Das Ministerium will entsprechende Berichte indes "weder dementieren noch bestätigen".

Der umstrittene Lobautunnel, der als Teil der Wiener Außenring-Schnellstraße vorgesehen war, wird offenbar nicht gebaut. Wie die Tageszeitung "Heute" am Dienstag berichtete, soll sich die von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) eingeleitete Projektevaluierung gegen einen Bau in dem Naturschutzgebiet ausgesprochen haben. Seitens des Ministeriums wollte man die Berichte aber "weder dementieren noch bestätigen".

Gewessler hatte im Sommer alle Neubauprojekte der Asfinag zumindest bis zum Herbst vorläufig auf Eis gelegt, um sie auf ihre Vereinbarkeit mit den Zielen des Regierungsprogramms zu überprüfen. In Wien und in Niederösterreich war hier die Außenring-Schnellstraße S1 mit dem Lobau-Tunnel und der Spange in die Seestadt Aspern betroffen. Umstritten ist vor allem der 8,2 Kilometer lange Tunnel unter der Donau und der Lobau, der nun offenbar so nicht kommt.

Zentrales Element der geplanten Wiener Außenring-Schnellstraße

Der Lobautunnel ist ein zentrales Element der geplanten Wiener Außenring-Schnellstraße. Dabei wäre die Lobau teilweise unterirdisch gequert worden.


Die Wiener Oppositionspartei FPÖ kritisierte das etwaige Ende des geplanten Baus. "Die kolportierte Rumpfvariante ohne Lobautunnel und Lückenschluss zwischen Groß Enzersdorf und Schwechat würde die tägliche Stauhölle für 200.000 Menschen im 22. Bezirk auf viele Jahre festschreiben, aber durch die fehlende Entlastung für A22 und A23 auch massive Schäden für die Wiener Wirtschaft nach sich ziehen", warnte der Verkehrssprecher Toni Mahdalik.

Ludwig will gegen Lobautunnel-Stopp klagen

Im Büro des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig (SPÖ) wollte man die Spekulationen am Dienstag vorerst nicht kommentieren. Man sei vom Bund noch nicht informiert worden, hieß es. Ludwig hat aber bereits zuletzt wiederholt betont, dass er rechtliche Schritte in die Wege leiten werde, falls die Umfahrung nicht gebaut wird. "Wir sind gewappnet. Aber ich gehe davon aus, dass es nicht leicht möglich sein wird, Verfahren mit einem Federstrich ungültig zu machen", ließ er dazu kürzlich im Gemeinderat wissen.

Freude bei Greenpeace und WWF

Die Umweltschutz-NGOs Greenpeace und WWF begrüßten hingegen die Pläne. "Eine Absage des Lobautunnels wäre die einzig richtige Entscheidung. Das Megaprojekt Lobau-Autobahn gefährdet einen unersetzlichen Lebensraum, schädigt das Klima und droht eine Verkehrslawine auszulösen. Die Zeit solcher fossiler Monsterprojekte ist endgültig abgelaufen", so Klara Maria Schenk, Klima- und Verkehrsexpertin bei Greenpeace in Österreich.

"Ein Stopp des Lobautunnels wäre ein wichtiges Signal für den Klima- und Bodenschutz. Gerade unter einem Naturschutzgebiet hat eine Autobahn nichts verloren. Es ist höchste Zeit, fossile Straßenbauprojekte zu stoppen und mit einer Öffi- und Rad-Offensive die Mobilitätswende einzuläuten", sagte Hanna Simons vom WWF.

Lobau-Autobahn: Der umstrittene Lückenschluss

Die geplante Wiener Nordostumfahrung ist Teil der Wiener Außenringschnellstraße S1 und damit des "Regionenrings" um die Bundeshauptstadt. Konzipiert ist sie als vierspurige Strecke mit 19 Kilometern Länge, die Schwechat und Süßenbrunn verbinden soll. Umstritten ist vor allem der 8,2 Kilometer lange Tunnel unter der Donau und der Lobau. Der südöstliche Teil der S1 (vom Knoten Vösendorf nach Schwechat) ist bereits seit 2006 in Betrieb.

Die Fortsetzung Richtung Nordosten entwickelte sich hingegen zum Marathon. Die Verfahren dauerten Jahre, immer wieder kam es zu Einsprüchen. Gegner des Projekts versuchten zudem bereits 2006, Probebohrungen mittels Besetzung zu stoppen. Aktuell campieren Klimaaktivsten an zwei Orten in der Donaustadt, an denen Arbeiten im Zusammenhang mit dem Megabauvorhaben anstehen.

2 Milliarden Euro Kosten

Die Kosten für die Nordostumfahrung werden von der Asfinag mit 1,9 Mrd. Euro beziffert. Im Zentrum des Projekts steht dabei jener Tunnel, der den Nationalpark in rund 60 Meter Tiefe unterqueren soll. Umweltschützer befürchten massive Auswirkungen auf Flora und Fauna. Die Stadt und die Asfinag beteuern hingegen, dass man weit unter dem Grundwasserstrom hindurchgräbt und keine Beeinträchtigung zu befürchten ist.

Im Zusammenhang mit der Nordostumfahrung sollen in Wien Anschlussstraßen entstehen, die keinesfalls weniger umstritten sind. Da ist etwa die Spange Aspern. Diese 4,6 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Knoten Raasdorf und dem Stadtteil Seestadt gehört noch zur S1. Das Projekt fällt damit wie die Umfahrung selbst in die Zuständigkeit des Bundes.

Mehr Straßen, mehr Verkehr

Von der Seestadt soll daran anschließend quer durch den Bezirk die Stadtstraße errichtet werden. Die 3,2 Kilometer lange Strecke soll die Südosttangente (A23, Anschlussstelle Hirschstetten) mit der S1-Spange verknüpfen. Gegner sprechen von einer Stadtautobahn. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat hingegen erst kürzlich im Gemeinderat versichert, dass diese Bezeichnung falsch sei. Er beteuerte, dass auf der 3,2 Kilometer langen Verbindung Tempo 50 gelten soll. Auch werde die Straße zur Hälfte untertunnelt sein. Der Rest werde tiefer gelegt und mit Lärmschutzwänden ausgestattet, hielt er fest.

Die Stadtstraße wird von den Kritikern vor allem deswegen ins Visier genommen, weil befürchtet wird, dass massiv Verkehr direkt von der S1 über die Tangente in Richtung Innenstadt geleitet wird. Im Rathaus wird hingegen argumentiert, dass die alten Ortskerne im 22. Bezirk damit vom Durchzugsverkehr entlastet werden. Wie Entlastung ohnehin eines der Hauptargumente für das Gesamtprojekt darstellt. 77.000 Autos sollen täglich auf der Südosttangente (A23) weniger unterwegs sein, wenn die Umfahrung kommt, sagen Stadt und Asfinag.

(APA/red)

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