Wiener Klavierbauer Bösendorfer feiert 185 Jahre

Festkonzert im Brahms Saal des Wiener Musikvereins
Festkonzert im Brahms Saal des Wiener Musikvereins
Es ist sich bei Bösendorfer knapp ausgegangen. Nicht mit dem angestrebten Turnaround - ob man den schaffen wird, lässt sich erst mit Ablauf des Geschäftsjahres sagen. "Wir sind aber gut unterwegs", versicherte Geschäftsführer Brian Kemble im Wiener Musikverein. Dort werden am Dienstagabend bei einem Festkonzert das 50.000. Instrument sowie der 185. Geburstag des Wiener Klavierbauers gefeiert.


“Die Nummer 50.000 ist erst vor einer Woche fertig geworden”, seufzte Kemble erleichtert und berichtete von seinen ärgsten Albträumen: “Sie haben das Opus 50.000 angekündigt – und können es nicht präsentieren…”

Natürlich ist der Flügel mit der Opusnummer 50.000, der am Abend mit tänzerischer Begleitung feierlich enthüllt wird, ein ganz besonderes Klavier: Zwei Instrumente im neo-klassischen Stil, die für die Weltausstellung 1867 in Paris gebaut wurden, haben dafür Pate gestanden. Eines wurde vom berühmten dänischen Architekten Theophil Hansen entworfen, das zweite von Anton Grosser. Das mit handgefertigten und als Hommage an den Goldenen Saal des Musikvereins mit vergoldeten Karyatiden versehene Instrument wird am Abend beim Festakt bespielt. “Wäre es nicht so schwer, würde ich es am liebsten gleich mitnehmen”, scherzte Pianist Jan Jiracek von Arnim, der beim Festkonzert u.a. als Liedbegleiter von Daniel Serafin fungieren wird. Für das “flüssige Bernstein” (so Serafin über den Bösendorfer-Sound) müsste man allerdings ziemlich flüssig sein: Das Unikat mit der Nummer 50.000 wird für 550.500 Euro angeboten.

Der erste Teil des Abends wird auf jenem Flügel (Modell 280) gespielt, auf dem Maria Mazo das Finale des Wiener Beethoven Wettbewerbs gewonnen hat. Die junge Russin, die am Abend selbst den ersten Satz von Beethovens “Appassionata” spielen wird, zeigte sich nicht nur von den Bösendorfer-Instrumenten begeistert, sondern freute sich auch über ihren neuen Flügel, der ihr vor drei Tagen in München ins Haus geliefert wurde. Neben Valentina Lisitsa, Carlo Grante und dem Janoska Ensemble ist auch Marialy Pacheco angekündigt. Sie soll mit modernem lateinamerikanischen Jazz die Vielseitigkeit des Instruments beweisen.

Den Hauptpart des Abends bestreitet aber der bekannteste Bösendorfer-Botschafter: Der 86-jährige Wiener Pianist Paul Badura-Skoda wird Schubert spielen und die Festrede halten. “Ich bin mit dem Bösendorfer-Klang aufgewachsen”, erzählte er. “Es ist nicht das lauteste Klavier, aber sein typisches Singen ist etwa ideal für Schubert.” In seiner viele Jahrzehnte umfassenden Karriere habe sich die Klangqualität nicht geändert, meinte er: “Gott sei Dank! Es ist noch immer der gute, alte, historische österreichische Bösendorfer-Klang.” Badura-Skoda ist nach Wilhelm Backhaus der zweite Träger des Bösendorfer-Rings. Schon 1978 zur 150-Jahr-Feier hat er den Ring getragen. “Und heute Abend bringe ich ihn wieder mit.”

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