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Wiener Gerichtsmedizin: Keine Obduktionen mehr

In den Räumlichkeiten der Abteilung für Gerichtliche Medizin (DGM) der MedUni-Wien werden ab Anfang kommenden Jahres keine Obduktionen mehr vorgenommen.

Nach dem Wegfall von drei Viertel dieser Prozeduren, die bisher von der Stadt Wien in Auftrag gegeben worden waren, ist die Aufrechterhaltung dieser Aktivitäten betriebswirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigt, erklärte MedUni-Wien-Rektor Wolfgang Schütz am Dienstag.

“Wir haben bisher pro Jahr rund 2.000 Obduktionen gehabt. Ab dem 1. September hat die Stadt Wien drei Viertel davon abgezogen. Es verbleiben bei uns nur noch die gerichtlich beauftragten Obduktionen, also um die 450. Von der Stadt Wien haben wir für den Betrieb pro Jahr rund 250.000 Euro bekommen. Für eine gerichtlich beauftragte Obduktion haben wir 560 Euro Kostenersatz verrechnet”, sagte Schütz. Die Gemeinde hatte bisher die sanitätsbehördlichen Leichenöffnungen zur Feststellung der Todesursache an der Abteilung in Auftrag gegeben. Diese sollen nun aber offenbar an Spitalspathologien stattfinden.

Was noch hinzukam, so Schütz: Der Ministerrat hat vergangene Woche eine neue Gebührenordnung für die sanitätsbehördlichen Obduktionen mit einem Kostenersatz von nur 150 Euro pro Fall verabschiedet. Das würde die Finanzsituation der Wiener Gerichtsmedizin noch mehr verschärfen. Fazit: Die angestellten Gerichtsmediziner und Sachverständigen werden die Obduktionen nur noch an nicht-universitären Krankenhäusern in Wien in den Pathologien durchführen.

Der Rektor: “Lehre und Wissenschaft sind gesichert. Wir haben bisher aus Mitteln, die uns der Bunde für den Lehr- und Forschungsbetrieb gegeben hat, das Defizit finanziert. Jetzt können wir nicht mehr.” Auf die Misere hätten die fünf Rektoren der österreichischen Universitäten mit gerichtsmedizinischen Einrichtungen bereits im Mai hingewiesen. Ein Defizit bezüglich der Aufklärung von Todesursachen in Österreich sei aber nicht zu erwarten, da die Vorgaben für die Durchführung von Leichenöffnungen generell ja in Kraft blieben.

Die Wiener Gerichtsmedizin (Medizinerjargon: “die Sensengasse”) ist rund 200 Jahre alt. Sie gehörte ehemals zu den renommiertesten derartigen Einrichtungen weltweit.

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