Wiener Festwochen gerade noch vor Lockdown zu Ende

Die Wiener Festwochen gingen gerade noch vor dem Lockdown zu Ende.
Die Wiener Festwochen gingen gerade noch vor dem Lockdown zu Ende. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Am Freitagabend gingen die Wiener Festwochen gerade noch rechtzeitig vor dem Lockdown-Start am Montag zu Ende. Mit "Eraser Mountain" von Toshiki Okada ging das letzte Event über die Bühne.
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Das nennt man Punktlandung: Bevor das Land ab Montag wieder in einen allgemeinen Lockdown geht, haben die Wiener Festwochen, die heuer pandemiebedingt ohnehin als Festmonate ihr Programm zeitlich strecken mussten, noch ihre allerletzte Premiere über die Bühne gebracht. Einzig: Wer Freitagabend bei "Eraser Mountain" von Toshiki Okada und seiner Gruppe chelfitsch darauf gehofft hat, ordentlich gesättigt in die kulturlose Zeit zu gehen, wurde schwer enttäuscht.

Wiener Festwochen gerade noch vor Corona-Lockdown beendet

Kaputt gegangene Waschmaschinen, zu denen ihre Besitzer plötzlich eine innige Beziehung entwickeln, die Frage des Wahlrechts für Zeitreisende und ein buntes Sammelsurium an Dingen bildeten die Eckpunkte dieser enervierend langsamen Performance, bei der die sechs Protagonisten sich buchstäblichen ihren Weg durch das Gerümpel auf der Bühne in der Halle G des Museumsquartiers bahnen mussten. Zugegeben: Das vom Künstler Teppei Kaneuji gestaltete Setting hatte eingangs einen gewissen (optischen) Reiz, doch verpuffte dieser alsbald in der drögen Gesamtstimmung.

"Eraser Mountain" regte nicht zum Nachdenken an

So wurden zwischen unzähligen Tennis- und Volleybällen, einfachen Holzkonstruktionen, großen wie kleinen Rohren und allerlei weiterem Krimskrams im ersten Abschnitt die bereits erwähnten Waschmaschinen verhandelt, während die Figuren behutsamen Schrittes ihre Bahnen zogen. Eine Stunde und einen ins Futuristische kippenden Kostümwechsel später ging es ansatzlos um Zeitreisen, wobei die Wahlmöglichkeit der dazu fähigen Menschen eher einer aktuellen politischen Diskussion über Geflüchtete und ihre Rechte glich. Wirklich zum Nachdenken regte all das aber nicht an.

Essenzielles in herumliegenden Gegenständen

Die Hoffnung, dass etwas Essenzielles mit all den herumliegenden Gegenständen passieren und ein Bezug zu den philosophischer werdenden Texten hergestellt werden wird, war zu diesem Zeitpunkt wohl schon komplett erloschen - ganz sicher jedenfalls bei der gar nicht so kleinen Anzahl an Personen, die dem Geschehen bereits den Rücken gekehrt hatten. Der Rest wurde noch Zeuge von kleinen, performativen Installationen, die mittels Video eingefangen wurden, bevor schlussendlich für viele Dinge ein neuer Platz gesucht wurde. Und dann? Nichts.

Wenn Okada, der mit seinen Werken schon mehrfach bei den Festwochen zu Gast war, im Programmheft davon spricht, dass "Eraser Mountain" ein Theater "mit Dingen", "für Dinge" und "der Dinge" ist, muss man ihm beipflichten. Der Mensch wirkte hier (auf wie vor der Bühne) eher Fehl am Platz, die Bezüge wollten sich nicht erschließen, und die Mischung aus darstellender sowie bildender Kunst ging zu keinem Zeitpunkt auf. Was Okada damit bezwecken will, erschließt sich vielleicht auch nur dem leblosen Zielpublikum. Nach äußerst mühsamen und viel zu langen zweieinhalb Stunden war der Spuk jedenfalls vorbei und freundlicher, aber endenwollender Applaus die durchaus gnädige Reaktion.

(APA/Red)

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