Wiener Bäckerei Ankerbrot leidet unter Coronakrise - bleibt vorerst in Favoriten

Ankerbrot leidet unter der Coronakrise.
Ankerbrot leidet unter der Coronakrise. ©APA/Ankerbrot (Sujet)
Der Wiener Großbäckerei Ankerbrot macht die Coronavirus-Pandemie zu schaffen. Das 130 Jahre alte Traditionsunternehmen will seine 130 Filialen und 1.300 Mitarbeiter trotz Krise halten, kürzt aber seine Investitionen. Die Produktion wird nicht von Favoriten nach Simmering verlegt.

"Der Rückgang der Kundenfrequenz wegen Ausgangssperren und Homeoffice trifft uns sehr schwer", berichtete Ankerbrot-Geschäftsführer Walter Karger Mittwochnachmittag im Gespräch mit der APA.

Coronavirus-Pandemie zeigte sich schon 2020 in Unternehmensbilanz

"Wir gehen davon aus, dass irgendwann wieder Normalität zurückkehrt, dass Frequenz zurückkehrt, dass alle Filialstandorte gerechtfertigt sind", betonte der Firmenchef.

In der Unternehmensbilanz hinterließ die Pandemie gleich im ersten Jahr deutliche Spuren. Der Umsatz der Gruppe brach 2020 gegenüber dem Jahr davor von 115 auf 95 Mio. Euro ein. Ankerbrot war damit - nach zwei Jahren der Erholung - wieder in den roten Zahlen. "Wir sind über alles ungefähr um 20 Prozent zurückgefallen", so Karger. Neben dem Verkauf über die Zweigstellen vertreibt Ankerbrot Semmerl & Co auch über die Tochtergesellschaft Linauer an Gastronomie und Hotellerie - ein Geschäft, das vorerst komplett weggebrochen ist -, beliefert aber auch den Lebensmittelhandel. "Der hat sich relativ stabil entwickelt", so der Firmenchef.

Doch die starken Umsatzeinbußen infolge der Schließung der Kaffee-und Gastronomiebereiche in sämtlichen Filialen über einen sehr langen Zeitraum sowie die fehlenden Einnahmen aus dem Bereich Gastronomie und Hotellerie konnten über den Lebensmittelhandel nicht aufgefangen werden.

Durchschnittlich 40 Prozent weniger Kunden bei Ankerbrot

In die Filialen kommen derzeit im Schnitt um 40 Prozent weniger Kunden. Die Lockdown-Disziplin der Menschen hat offensichtlich nachgelassen: "Dramatisch war das in der ersten Welle, da sind wir in der Kundenfrequenz um bis zu 80 Prozent zurückgefallen, das war wirklich schlecht", erinnerte sich Karger. Bis März 2020 seien die Umsätze noch über jenen des Vorjahres gelegen. Dann kam Corona.

Jetzt bleibt Ankerbrot mit ihrer Zentrale und Produktion vorerst in Favoriten und streicht den vor zwei Jahren geplanten kompletten Neubau des Standortes in Simmering.

Das Grundstück in Favoriten, auf dem Ankerbrot derzeit noch mit Firmensitz und Produktion aktiv ist, gehört längst einem neuen Eigentümer. Die Großbäckerei hatte Mitte 2019 angekündigt, dort noch drei bis fünf Jahre zu bleiben, also bis längstens 2024. An dem Standort in der Absberggasse sind aktuell 400 Mitarbeiter beschäftigt, rund die Hälfte davon in der Produktion, der Rest in Verwaltung (100 Arbeitnehmer) und Logistik.

Wiener Großbäckerei ändert Umzugspläne

Die geplante Teilverlagerung der Fertigung von Wien ins niederösterreichische Werk in Lichtenwörth bei Wiener Neustadt wird wie angekündigt durchgezogen. Die genaue Dimension des Ausbaus dort stehe aber noch nicht fest, so Karger. Das werde in den kommenden Monaten ausgearbeitet. "Baubeginn wird heuer sicher nicht sein, davor brauchen wir noch die genaue Planung und die Ausschreibung - wir müssen auch abwarten, wie sich die gesamte Situation entwickelt und stabilisiert." Von dem niederösterreichischen Standort aus soll der Lebensmittelhandel beliefert werden.

Ankerbrot will dann "versuchen, so vielen Mitarbeitern aus Favoriten wie möglich eine Arbeitsplatz in Lichtenwörth anzubieten", betonte Karger unter Verweis auf wertvolles Know-how, das nicht verlorengehen solle. Es werde auch der Einsatz von Shuttlebussen von Wien nach Niederösterreich angedacht.

Parallel dazu ist Ankerbrot auf Standortsuche in Wien - für das "Headoffice" der Ankerbrot und auch die Versorgung der Filialen. Entsprechende Möglichkeiten würden in enger Kooperation mit der Wirtschaftsagentur der Stadt Wien ausgelotet. "Am liebsten würde ich in Favoriten bleiben", so Karger. Die Großbäckerei wurde dort 1891 gegründet.

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(APA/Red.)

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