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Wien will "Klimaschutzgebiete" mit Neubauten ohne Öl und Gas in allen Bezirken

In den "Klimaschutzgebieten" dürfen Neubauten künftig nicht mehr mit Öl und Gas für Heizung und Warmwasser versorgt werden.
In den "Klimaschutzgebieten" dürfen Neubauten künftig nicht mehr mit Öl und Gas für Heizung und Warmwasser versorgt werden. ©Pixabay.com (Sujet)
Im Kampf gegen den Klimawandel setzt Wien nun im Gebäudebereich an: Die Stadt will bis Mitte 2020 "Klimaschutzgebiete" in allen Bezirken festlegen. Dort soll es dann bei Neubauten nicht mehr erlaubt sein, Warmwasser bzw. Heizungen mit Öl und Gas einzubauen. Damit sollen insgesamt 80 Prozent aller neu errichteten Wohnungen mit alternativen Energieträgern versorgt werden.

Planungsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) sprach am Mittwoch in einer Pressekonferenz von einem "europaweiten Meilenstein". Im Emissionsbereich seien Gebäude ein sehr wichtiger Hebel, erklärte die Ressortchefin. Denn sie gehören derzeit zu den größten Verbrauchern von fossiler Energie. Bei durchschnittlich 10.000 Wohnungen, die pro Jahr in der Hauptstadt entstehen, sollen dank Klimaschutzzonen 8.000 davon öl- und gasfrei sein. Damit spare man bis 2030 112.000 Tonnen CO2. "Das entspricht 1.000 Pkw-Fahrten zum Mond und retour oder 1,5 Millionen Pkw-Fahrten zum Brenner", sagte Hebein.

In vier Wiener Bezirken wird gestartet

Die Klimaschutzgebiete sind die praktische Umsetzung der im Vorjahr beschlossenen Bauordnungsnovelle. Darin ist festgeschrieben, Energieraumpläne für das beschlossene Öl- und Gasverbot zu entwickeln. Diese werden jetzt festgelegt. Gestartet wird mit den vier Bezirken Leopoldstadt, Landstraße, Neubau und Ottakring. Etappenweise folgen die restlichen Bezirke bis Mitte 2020. Die Verordnungen gelten jeweils mit Beschluss durch den Gemeinderat.

Heizung, Kühlung und Warmwasseraufbereitung müssen in den fixierten Zonen dann laut Verordnung entweder über Fernwärme oder über Alternativen wie Solarenergie, Biomasse oder Erdwärme erfolgen. Um Planungssicherheit für Bauträger zu gewährleisten, wird in den Klimaschutzgebieten auch eingezeichnet, wo welche Energiequellen zur Verfügung stehen, sagte der grüne Energiesprecher Peter Kraus. Für jene rund 20 Prozent an neuen Wohneinheiten, in denen weiterhin Öl und Gas erlaubt sind, gibt es laut Stadt übrigens nach aktuellem Stand keine geeignete Infrastruktur für die Nutzung umweltfreundlicher Energieträger.

Klimaschutzgebiete: Erste Schritte der Stadt gegen die Klimakrise

Eine radikale Umstellung für die Bauträger dürften die Klimaschutzgebiete allerdings nicht sein. Denn laut Bernd Vogl, Leiter der für Energieplanung zuständigen MA 20 (sie arbeitet die konkreten Zonenpläne aus, Anm.) beträgt der Anteil an Fernwärme im Neubau derzeit ohnehin schon rund 70 Prozent - wobei die Quote durchaus schwanke.

Hebein unterstrich, dass die öl- und gasfreien Wohnungen freilich nicht nur den freifinanzierten Bereich umfassten. Nicht zuletzt deshalb, weil in der neuen Bauordnung auch festgelegt wurde, dass bei Neubauprojekten künftig zwei Drittel aller Einheiten geförderte Wohnungen sein müssen.

Die Maßnahme sei ein wichtiger nachhaltiger Schritt im Kampf gegen die Klimakrise, meinte die Stadträtin. Und dieser entgegenzuwirken sei notwendig, verwies sie auf eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie, wonach Wien eine der am meisten vom Klimawandel betroffenen Metropolen Europas sei. "Bis 2050 könnte es hier um acht Grad wärmer sein", warnte sie vor gesundheitlichen Folgen vor allem für alte, kranke und geringverdienende Menschen.

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(APA/Red.)

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