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Wien Museum: Kunst und Wahn in Wien

Peter Altenberg in einem Porträt von Gustav Jagerspacher
Peter Altenberg in einem Porträt von Gustav Jagerspacher ©Wien Museum
"Madness & Modernity" ist keine weitere Überblicksdarstellung zum Fin de Siecle, sondern eine fokussierte Schau, die mit wenigen Objekten den Umgang der Wiener Gesellschaft mit "Nervosität", "Geisteskrankheit" und "Kunst" schildert.

Kunsthistorikerin und Kuratorin Sabine Wieber, die in Glasgow lehrt, erinnerte daran, dass neben Freuds “Seele” immer auch das körperliche Leiden an sich zur Debatte stand. Zur Jahrhundertwende sei es durchwegs schick gewesen, an einer “Nervosität” zu leiden, “geisteskranke Verwandte versteckte man aber”.

Neben Freuds Couch und legendärem Perserteppich, auf dem seine Patienten lagen – laut Museumschef Wolfgang Kos “das aufgeladenste Objekt der Schau” – widmet sich die Schau den Großprojekten von Steinhof bzw. Mauer-Öhling. Als Antwort auf massive Kritik am Zustand der Psychiatrie waren die beiden großzügig angelegten Areale seinerzeit Renommierprojekte gewesen. Steinhof etwa bestand aus dem elitären, nur Privatpatienten zugänglichen Sanatorium, andere Pavillions waren den staatlich eingewiesenen Patienten vorbehalten.

Diverse Schiele-Porträts, ein Kokoschka-Porträt über den Patienten Ritter von Janikowski, das 1911 zu heftiger Kritik am Malstil Kokoschkas führte, erinnern daran, wie sehr damals vermeintliche “Madness” bedrohliches Gesprächsthema der Wiener Gesellschaft, wie auch Thema in der Porträtkunst war. Aus dem Technischen Museum konnte ein Modell der Otto-Wagner-Anlage “Am Steinhof” herbei geschafft werden, ein Werbeplakat für das Sanatorium wirbt mit Heilung gegen “Hypochondrie, Morphinismus, Kokainismus und Alkoholismus”.

Peter Altenberg, Schriftsteller und allseits bekannte schräge Figur der Wiener Kulturszene, war öfters dort zu Gast: Briefe aus Steinhof, aber auch Porträts über Altenberg, angefertigt von Gustav Jagerspacher, zeigt die für Wien leicht adaptierte Schau ebenso, wie berührende Gouachen Josef Karl Rädlers, der – eine Seltenheit für die Zeit vor dem ersten Weltkrieg – zarte Bilder aus dem Patientenalltag in den Psychiatrischen Anstalten schuf.

Die in mehreren Räumen untergebrachte Schau ist in heller Farbe und mittels manchmal freistehender Holzkonstruktionen unterteilt. Videoaufnahmen aus dem Narrenturm, ein elegisch wirkender Video-Rundgang durch Steinhof, wie auch diverses von der Wiener Werkstätten angefertigtes Mobiliar runden das “britische Gastspiel” (Kos) ab, dem Wien bereits in früheren Zeiten aufgrund diverser Forschungsarbeiten zu Wien um 1900 einiges zu verdanken hat.

“Madness & Modernity”
Wien Museum (4., Karlsplatz)
Laufzeit: 21. Jänner bis 2. Mai 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag/Feiertag 10.00 bis 18.00 Uhr
Führungen: Sonntag und Feiertag 11.00 bzw. 16.00 Uhr
Web: http://www.wienmuseum.at/

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