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Wien kann nur 55 Prozent der Neuinfektionen nachvollziehen

Die Bundesländer müssen die Cluster nicht bekanntgeben.
Die Bundesländer müssen die Cluster nicht bekanntgeben. ©APA
Die Bundesländer gehen bei der Kommunikation mit Coronavirus-Clustern unterschiedlich um. Besonders Wien gibt nicht jeden Cluster bekannt, mittlerweile lassen sich nur noch rund die Hälfte der Infektionen nachvollziehen.

Im Umgang mit geballt auftretenden Infektionen mit SARS-CoV-2, die sich auf Cluster zurückführen lassen, gehen die Bundesländer unterschiedlich vor. Es gibt keine bundesweit einheitliche Richtlinie, inwieweit Clusterbildungen nach außen kommuniziert werden.

Stadt Wien gibt nicht jeden Cluster bekannt

Auffallend zurückhaltend ist in diesem Zusammenhang die Stadt Wien, die - wie der APA am Dienstag aus zuverlässiger Quelle bestätigt wurde - bewusst nicht jeden Cluster bekannt gibt. Für die leitende Epidemiologin der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), Daniela Schmid, ein gangbarer Weg. Es liege im Ermessen der Länder, jeden Cluster-Fall abzuwägen und zu entscheiden, ob man diesen "mit Getöse" publik macht oder eben nicht, meinte Schmid, die auch Sprecherin der Corona-Ampelkommission ist. Es hänge von den Umständen im Einzelfall ab, was an die Öffentlichkeit gehört.

In der Vorwoche - aktuellere Zahlen lagen Dienstagmittag noch nicht vor - hat sich in Wien nur bei 55 Prozent der Neuinfektionen die Quelle klären lassen. 20 Prozent waren auf Auslandsaufenthalte zurückzuführen, 31 Prozent ließen sich einem lokalen Cluster zuordnen. Vier Prozent konnten durch Screening-Aktivitäten identifiziert werden.

Cluster-Analyse wichtig um Ausbreitung zu stoppen

Wie Schmid Dienstagmittag im Gespräch mit der APA bekräftigte, kommt es dabei nicht auf den Umfang eines Clusters, sondern das Setting und den Ausgangspunkt an. Primär daraus lasse sich eine Risikoeinschätzung und eine mögliche Krisenbewältigung ableiten. Bei der Cluster-Analyse gehe es darum, den Ausgangspunkt möglichst genau zu beschreiben und das Risikoverhalten zu verstehen. Je eingehender man das Risikoverhalten kommuniziere, desto mehr Verständnis schaffe man für Präventivmaßnahmen, betonte die Expertin.

Mindestens 60 bis 70 Prozent aller Infektionen mit dem Coronavirus sollten sich idealerweise auf einen Cluster als Quelle zurückführen lassen, erläuterte Schmid. Falle dieser Wert unter 50 Prozent, werde es schwieriger, wirkungsvoll mit Präventivmaßnahmen zu arbeiten.

(APA/red)

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