Wien hat für Barbra Streisand Bedeutung

Bei ihrer kommenden Europa-Tournee erstmals in Wien aufzutreten hat für Barbra Streisand eine „besondere Bedeutung“. Denn „die Familie meines Vaters stammte aus Österreich“.

Ihr Name war ursprünglich Streusand, sagte der Film- und Musikstar am Montagabend bei einer Telefonpressekonferenz vor Journalisten aus Europa. Und in Wien gebe es auch noch „viele Mehlspeisen- und Schokolade-Geschäfte – das liebe ich“, sagte Streisand mit einem Lachen.

Sie kenne Wien aus der Zeit, als sie „Yentl“ gedreht hat, schilderte die zweifach Oscar-gekrönte Schauspielerin und Sängerin, die am 21. Juni vor Schloss Schönbrunn hier erstmals auftreten wird. „Die Stadt ist wunderschön und ich liebe Gustav Klimt, dessen Bilder ich im Belvedere angesehen habe. Auch die Brueghel-Bilder im Kunsthistorischen Museum habe ich besucht. Während der Dreharbeiten zu ’Yentl’ bin ich über das Wochenende nach Wien geflogen, nur um diese Bilder zu sehen.“

Ganz überwunden habe sie ihr Lampenfieber, das sie während fast ihrer ganzen Karriere begleitet hat und das zu ihrem (temporären) Rückzug von den großen Konzertbühnen im Jahr 2000 beigetragen hatte, auch nach der erfolgreichen US-Tournee im Vorjahr noch nicht. „Wenn ich kein Lampenfieber hätte, wäre ich während meiner Karriere viel öfter aufgetreten“, so Streisand. Sie fühle sich „sehr unwohl“ bei Auftritten, „die Angst besiegt mich einfach. Ich mag es nicht einmal, auf meiner eigenen Geburtstagsparty zu sprechen!“ Sie habe jedoch im Kampf gegen die Aufregung Fortschritte gemacht und „fühle die Liebe des Publikums“.

Bei den Auftritten in den USA habe sie gemerkt, dass es „nicht so schwierig“ gewesen sei – „da dachte ich, ich gehe nach Europa“, wo sie bisher einzig in Großbritannien aufgetreten ist. „Es scheint unglaublich, dass ich in all diesen Jahren nie in Europa gespielt habe“, so Streisand. „Aber besser spät als nie!“ Bei den Auftritten in Europa wird sie die US-Show adaptieren und viele Songs spielen, die sie bei den US-Auftritten ausgelassen hat, aber einmal in Europa spielen will. Begleitet wird sie von einem 58 Mann-Orchester aus New York. Ein in den USA umstrittenes Showelement über US-Präsident George W. Bush wird sie in Europa vielleicht auch zeigen – „das könnte lustig sein. Ich glaube, er ist rund um die Welt nicht sehr populär“, so die politisch stark engagierte Sängerin.

Trotz einer Verkühlung begegnete Streisand, mit 50 Gold-, 30 Platin- und 13 Multiplatinum-Alben die meistgekaufte Sängerin der Musikindustrie, den internationalen Journalisten freundlich und ohne Starallüren. Dies erklärte sie mit ihrer Biografie: Sie sei „sehr arm aufgewachsen“ und habe bis sie dreizehn Jahre alt war im Wohnzimmer des kleinen Appartements geschlafen, das ihre fünfköpfige Familie in Brooklyn bewohnt hat. Ihr Bett fungierte tagsüber als Couch („wir hatten nie eine Couch“), und als Puppe verwendete sie einen Thermophor. Statt aufs College zu gehen habe sie verschiedene Jobs angenommen – u. a. als Babysitterin und als Kassiererin in einem chinesischen Restaurant – um Schauspielen zu können. Und auch zu singen hat sie begonnen, um das Geld für die Schauspielschulen zu verdienen.

„Ich bin sehr froh über diese Umstände. Das führt dazu, dass man das Leben schätzt und Dinge liebt, die man früher nicht hatte“. Streisand schätze ihren Erfolg „nun mehr als je zuvor“ – aber sie liebe ihn nicht. „Ich habe den Prozess geliebt, berühmt zu werden. Aber das Berühmtsein nicht. Man verliert seine Anonymität, man kann nicht die Straße runter gehen und ein normaler Mensch sein, ohne verfolgt zu werden“, so Streisand. Paparazzi hätten bei ihr aber kein leichtes Spiel: „Ich gehe nicht viel aus, mein Bild bekommen sie nicht. Ich mag das ganze Theater nicht. Ich bin eine sehr private Person, ich liebe es, zu Hause zu bleiben“.

Dieses Zuhause baut sie seit fünf Jahren selbst auf: „Ich baue ein Haus, und das hat schon so lange gedauert wie ’Yentl’ zu drehen. Es wird eine nette Abwechslung sein, einmal eine Pause davon zu haben und dann zurückzukehren und es wieder zu genießen“, so Streisand. Sie mache viel selbst und habe auch die Oberaufsicht über den Bau ihres Hauses – „wenn ich einmal blinzle, passiert ein Fehler“, seufzt sie. „Dieses Haus zu bauen ist wie einen Film zu drehen“, sagte Streisand auf die APA-Frage, ob es auch bald wieder einen Film mit ihr geben werde. „Danach werde ich entweder bei einem Film Regie führen oder ein Buch schreiben.“

Mit der heutigen Musik kann sie nichts anfangen. „Ich höre zu Hause keine Musik. Ich kann über die heutige Musik nichts sagen. Sie repräsentiert die heutige chaotische Zeit, in der wir leben – vor allem in diesem Land“, den USA. In Europa wolle sie vor allem Antiquitäten kaufen – „ich liebe schöne Dinge“.

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