Wien-Attentäter erhielt vor Anschlag Hilfe bei Waffenkauf

Wien war im November 2020 mit einem Anschlag konfrontiert.
Wien war im November 2020 mit einem Anschlag konfrontiert. ©APA/ROLAND SCHLAGER (Symbolbild)
Die Ermittlungen zum Terroranschlag vom November des Vorjahres in Wien befinden sich in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium. Laut Staatsanwaltschafts-Sprecherin Nina Bussek und Polizei-Chef-Ermittler Michael Lohnegger ist die Einzeltätertheorie bestätigt, der Attentäter wurde aber im Vorfeld mental - aber auch beim Waffenkauf unterstützt.
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Sieben Beitragstäter sind in U-Haft, ihnen drohen lange Freiheitsstrafen.

Drei rund um den Anschlag Beschuldigte wurden - etwa weil sie IS-Propagandamaterial weitergaben - bereits wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt, zwei davon sind schon verurteilt. Derzeit wird noch gegen 30 weitere Beschuldigte intensiv ermittelt. Gegen vier Personen werde im Zusammenhang mit der Beschaffung von Waffen und Munition ermittelt, wobei sich eine in Strafhaft, zwei in U-Haft befinden würden. Dass sich die vierte Personen auf freiem Fuß befindet, hat laut Bussek rechtliche Gründe. So habe man etwa nicht feststellen können, ob der Beschuldigte überhaupt in Kenntnis davon war, wofür die Waffen gekauft wurden.

Wien-Attentäter soll psychische Hilfe bekommen haben

Den sieben Beitragstätern drohen für die Unterstützung 20 bis 30 Jahre bzw. sogar lebenslange Freiheitsstrafe - also eine ebenso harte Strafe wie sie der Täter ausgefasst hätte. Denn es wird laut Bussek angenommen, dass sie in Kenntnis des Tatplanes des Attentäters gehandelt haben. Drei sollen dem Attentäter beim Waffenkauf (etwa auch durch Herstellung von Kontakten) geholfen haben, vier weitere dürften ihn psychisch unterstützt haben.

Die zuständige Staatsanwältin wird in absehbarer Zeit ihren Abschlussbericht an die Staatsanwaltschaft Wien übermitteln - sobald die Auswertung der zahlreichen sichergestellten Datenträger beendet ist. Derzeit wird laut Bussek auch noch auf ein Sachverständigengutachten über die mögliche Radikalisierung eines Beschuldigten gewartet.

Staatsanwaltschafts-Sprecherin über Zeit seit Anschlag in Wien

Seit dem Tag des Anschlags arbeite man "durchgehend auf Hochtouren", betonte Bussek. So seien von der Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit dem Anschlag 20 Festnahmeanordnungen erlassen worden, 150 Telefonüberwachungen, 30 Hausdurchsuchungen und etwa 25 optische und akustische Überwachungen durchgeführt worden. Laut Lohnegger gab es aber auch Ermittlungsschritte, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Attentat standen, etwa zu anderen Delikten. Aus diesem Grund habe die Polizei insgesamt 32 Personen festgenommen und 46 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Mehr als 340 Personen seien als Zeugen einvernommen worden.

Als so gut wie gesichert gilt laut Lohnegger auch, dass der Täter seinen sieben Kilometer langen Weg in die Innenstadt gänzlich alleine und zu Fuß genommen hat. Dies habe man durch den Einsatz von Diensthunden feststellen können. Erstmals durch eine Videoaufzeichnung wahrgenommen worden sei er um 19.30 Uhr auf dem Schwedenplatz. Für die Polizei handle sich zudem um den flächenmäßig größten Tatort, den es je in Wien gegeben hat.

Hotline wurde nach Terroranschlag in Wien ins Leben gerufen

Auch die nach dem Terroranschlag eingerichtete Hotline sei eine große Unterstützung bei den Ermittlungen gewesen, betonte Lohnegger. Mehr als 1.000 Hinweise seien dort eingegangen. Auf der zur Verfügung gestellten Upload-Plattform seien an die 1.900 Stunden Videomaterial eingelangt.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bezeichnete in einer Aussendung die Bilanz der Ermittlungen als "beeindruckend". Polizei und Staatsanwaltschaft setzten damit auch ein klares Zeichen: "Auch wer keinen Anschlag unmittelbar begeht, aber an Planungen mithilft oder an anderen terroristischen Machenschaften beteiligt ist, muss mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen und es wird rigoros ermittelt."

(APA/Red)

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