"Wiederfinden von Fröhlichkeit": Rote Nasen besuchten syrische Flüchtlinge

Rote Nasen Clowndoctors bei syrischen Flüchtlingen in Jordanien
Rote Nasen Clowndoctors bei syrischen Flüchtlingen in Jordanien ©APA/MARTIN LIFKA (Sujet)
Während in Österreich eine "Flüchtlings-Verteilungsdebatte" stattfindet, hat Jordanien allein seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien rund 1,2 Millionen Menschen aufgenommen. Die Roten Nasen haben die Asylwerber besucht, dabei kam es zu rührenden Szenen.
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“Normalerweise” sind die “Roten Nasen” in österreichischen Spitälern und Pflegeeinrichtungen unterwegs. Bei mehr als 70.000 “Visiten” haben sie bisher rund 2,8 Millionen Menschen mit ihren Clownteams besucht. Die Mitbegründerin der Organisation und Geschäftsführerin, Monica Culen, startete mit ihrem Team im Jahr 2003 aber auch “Rote Nasen Clowndoctors international”. In zehn Staaten wurden Rote Nasen-Organisationen aufgebaut. Doch gleichzeitig wurden auch Notfalleinsätze und die dafür geeigneten Teams auf internationaler Ebene gebildet.

Die Roten Nasen besuchen Flüchtlinge

Monica Culen im Gespräch: “Der erste Einsatz war bereits 1999 im Kosovo-Krieg. International waren wir dann ab 2005 in Palästina. 2011 und 2012 nach Erdbeben in Neuseeland. 2013 haben wir dann das ‘Emergency Smile’-Programm organisiert. Es hatte seinen ersten Einsatz in Kamerun. Seit 2011 haben wir ein laufendes ‘Rote Nasen’-Programm im Westjordanland und Ostjerusalem. Seit 2012 war ich mehrfach im arabischen Raum. Im März dieses Jahres konnten wir in Amman Kontakte knüpfen.”

Es sei schnell klar gewesen, dass man für die syrischen Flüchtlinge in Jordanien eine Einsatz auf die Beine stellen müsste. “Wir haben mir dem jordanischen Gesundheitsministerium Kontakt gehabt. Die Flüchtlinge aus Syrien haben riesige psychische Probleme. Sie sind traumatisiert. Aber es hat sich herausgestellt, dass sie zumeist keine direkte psychologische Hilfe annehmen. Das ist kein Thema für sie, bevor sie nicht so schwer krank sind, dass sie ins Spital kommen. Da lag es nahe, es über unsere Clowndoctor-Organisation zu versuchen.”

Das Gespräch mit den Kindern suchen

“Emergency Smile”-Koordinatorin Karola Sakotnik, Mitbegründerin der österreichischen Organisation, startete daraufhin mit Konzeption und Planung des Einsatzes. “Wir bildeten drei Teams. Drei palästinensische “Rote Nasen Clowndoctors” sowie je einer bzw. eine aus Österreich, der Slowakei und Tschechien bereiteten sich vor.” Am 10. Oktober ging es nach Amman. Der Einsatz dauerte bis 30. Oktober. Insgesamt rund 4.000 Kinder und ihre Angehörigen wurden auf diese Weise angesprochen.

“Wir haben täglich Schulen in Flüchtlingslagern wie das Azraq Camp oder das Emirate Jordan Camp in der Nähe der syrischen Grenze besucht. Zusätzlich waren wir in Gemeindezentren für Flüchtlinge und schließlich im King Hussein Cancer Center sowie in einem SOS-Kinderdorf”, erzählte Karola Sakotnik. Während die Einsätze in der Krebsklinik in der jordanischen Hauptstadt bzw. in den Schulen, wo man von Klassenzimmer zu Klassenzimmer ging, eher dem auch sonst üblichen Muster der Rote Nasen-Clowneinsätze entsprach, wurden für die Gemeindezentren Theaterstücke mit Teilnahme des Publikums konzipiert.

“Clownarbeit hilft ohne Sprache”

Sofort waren die Teams allerdings mit spezifischen Rahmenbedingungen ihres Publikums konfrontiert, auf die man sich erst einstellen musste. Die “Emergency Smile”-Organisatorin: “Wir sind ja gewohnt, in gemischten Teams zu arbeiten. Aber dort gibt es in den Schulen eine klare Trennung zwischen Mädchen und Buben.” So war es nicht möglich, bei den Einsätzen in Kooperation mit den arabisch sprechenden palästinensischen Clowns auf volle sprachliche Kommunikation abzustellen. “Aber binnen zehn Minuten hat sich gezeigt, dass Clownarbeit natürlich auch ohne Sprache funktioniert.”

Der hierarchische Aufbau der Gesellschaft, rigide Vorschriften, wie man sich in der Öffentlichkeit zu verhalten hat und andere Bedingungen verursachen bei den syrischen Flüchtlingen in Jordanien für Hemmungen, ihre Emotionen zu zeigen, ihre Traumatisierungen offenzulegen. Karola Sakotnik: “Aber als wir nach den Einsätzen in den Schulen ins Auto gestiegen und durch die Lager zum Ausgang gefahren sind, standen plötzlich die Kinder am Rande der Straße, auch jene, die nicht dabei gewesen waren, und haben unsere Lieder gesungen. Und die Mütter haben dazu geklatscht.” Wie ein Lauffeuer hatte sich das “Wiederfinden von Fröhlichkeit” weiterverbreitet.

Berührende Szenen beim Besuch

Eine der berührendsten Erfahrungen machten die Rote Nasen Clowndoctors in einem Gemeindezentrum in Amman. Die “Emergency Smile”-Koordinatorin: “Dort waren Kinder mit ihren Müttern. Die Frauen waren zumeist voll verschleiert. Sie fürchten die Verfolgung durch die syrische Geheimpolizei. Eine Frau mit Gesichtsschleier hat mit einem Handy die ganze Show gefilmt – und selbst Tränen gelacht.” Dabei merke man gerade bei den syrischen Frauen die schweren Traumatisierungen von Gewalterfahrungen, Flucht und Vertreibung. Und bei den Kindern? “Wenn sie Flugzeuglärm hören, sieht man die Angst in ihren Gesichtern”, berichtete Karola Sakotnik.

Derzeit planen Rote Nasen Clowndoctors International einen weiteren Einsatz in Jordanien für Jänner 2015. Weiters soll in dem Land – ähnliche wie in Palästina – eine nachhaltig agierende Organisation von Clowndoctors aufgebaut werden. Monika Culen: “Wir wollen dort ein Ausbildungszentrum ‘Middle East’. Wir wollen im Jänner bereits mit dem Screenen von Kandidaten beginnen. Es müssen natürlich darstellende Künstler sein, die auch als Clowns arbeiten wollen. Wir brauchen aber noch die Finanzierung.” Damit könnte man auch ganz Jordanien mit einer Bevölkerung von 6,5 Millionen Einwohnern – der Rest auf elf Millionen Menschen entfällt auf palästinensische Flüchtlinge, Syrer und Iraker – helfen.

Alles zu den Roten Nasen.

(APA)

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