Wieder neue Besprechung der Evaluierungskommission rund um den Fall Natascha

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In den letzten Tagen ging es rund in Presse und Bevölkerung. Alles und jeder spekulierte um einen eventuellen Mittäter im brisanten Fall Kampusch. Deswegen sieht sich die im Innenministerium angesiedelte Evaluierungskommission gezwungen für Mittwoch eine nächste Zwischenbesprechung einzuberufen.
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Nach den Interviews in den vergangenen Tagen, um Kommissions-Leiter Ludwig Adamovich den Rücken zu stärken, wolle man kurz Resümee ziehen, sagte Mitglied Rudolf Keplinger, Chef des Landeskriminalamts Oberösterreich, zur APA. Der Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident war nach medialen Stellungnahmen zu einer möglichen Mehrtätertheorie und der Gefangenschaft Kampuschs jüngst in die Kritik geraten.

Klarstellen wollte man laut Keplinger, dass die Kommission geschlossen hinter Adamovichs Aussagen steht. Dieser habe dabei stets auf offene Fragen hinweisen wollen, nicht auf einen akuten Verdacht, so Keplinger über dessen Angaben zu möglichen Komplizen von Natascha Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil. “Nur das ist es, was Herr Adamovich sagen wollte, dass es nicht auszuschließen ist”, erklärte er. “Wenn ich ihn interpretieren darf.” Daraus sei natürlich in der Folge davon auszugehen, dass eine Gefahr bestehen könnte. Was die Kommission damit sagen wolle: “Dass man nicht einfach mit Ermittlungen aufhören kann”, aber “kein Grund für Personenschutz”.

“Weil er in den gestrigen Tagen an den Grenzen zur Untergriffigkeit angegriffen worden ist, haben wir uns entschlossen, so jetzt müssen wir deutlich machen, dass Herr Adamovich für die Kommission gesprochen hat”, erläuterte Keplinger den Schritt, dass mehrere Kommissions-Mitglieder an die Öffentlichkeit getreten seien. “Von Anfang an wurde eigentlich vereinbart, es kann jeder seine Meinung haben, aber die Kommissions-Meinung präsentiert Herr Adamovich. Herr Adamovich hat die Öffentlichkeitsarbeit gemacht.” Die Kern-Botschaft der Expertengruppe laut dem LKA-Leiter: “Es sind schlicht noch Fragen offen.” Diese betreffen, wie von Adamovich bereits mehrmals betont, den Ablauf der Entführung, der Gefangenschaft und die Möglichkeit von Mitwissern und -tätern.

“Oft können natürlich Fragen nicht mehr beantwortet werden, aber man muss es versuchen”, betonte Keplinger. “Solange nicht alles ausgeschöpft ist.” Und genau dies treffe auf den Fall Kampusch zu. Dass seitens der Kommission oder Adamovich je von einem konkreten Verdacht gesprochen wurde, sei nicht der Fall: “Ich habe mir bewusst dann seine unterschiedlichen Zitate in den Medien noch einmal angesehen”, so der LKA-Chef.

Zu den besonders umstrittenen Aussagen von Adamovich in einem Zeitungsinterview, in dem dieser unter anderem erklärte, dass die Zeit ihrer Gefangenschaft für Kampusch womöglich “allemal besser war als das, was sie davor erlebt hat”, wollte Keplinger nicht Stellung nehmen: “Ich möchte jetzt nicht wirklich einzelne Aussagen von Herrn Adamovich kommentieren”, meinte er. “Da möchte ich nichts dazu sagen.” Nur der Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident könne wissen, wie diese Aussage gemeint war und ob er richtig interpretiert worden sei.

Keplinger erläuterte erneut die Funktion der unabhängigen Evaluierungskommission, die selbst keine Erhebungen im Fall Kampusch durchführt, sondern diesbezüglich an die Zuständigen nur Empfehlungen abgibt. “Jetzt wurden wir installiert, auch um die Ermittlungen des Bundeskriminalamts zu begleiten, weil wir den Akt gut kennen”, so der LKA-Chef zur zweiten Einberufung im Jänner. Erstmals wurde die Expertengruppe im Februar 2008 installiert, um Ermittlungsvorgänge generell zu optimieren und etwaige Pannen in der Causa Kampusch zu klären.

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