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Whitney kam, sang - und blamierte sich nicht

Bieder, aber nicht peinlich: Whitney Houston in der Wiener Stadthalle.
Bieder, aber nicht peinlich: Whitney Houston in der Wiener Stadthalle. ©APA
Allen Unkenrufen im Vorfeld zum Trotz artete Whitney Houstons Wien-Auftritt keineswegs zur Freakshow aus. Einzig ihre Songs hatten reichlich Staub angesetzt, dafür punktete die Diva mit Selbstironie in einer nicht ausverkauften Stadthalle.
Bilder vom Auftritt in Wien

Der Boulevard hat sich seit Wochen eingeschossen: Ein Wrack namens Whitney Houston kommt nach Wien! Oder doch nicht? Am Mittwochabend stand die vom jahrelangen Drogenkonsum und vom prügelnden Ehemann gezeichnete US-Sängerin dann tatsächlich in der nicht ausverkauften Stadthalle. Der von manchen herbeigesehnte Skandal ist dabei ausgeblieben. Die 46-Jährige stolperte zwar mehrmals (im ersten Song sogar buchstäblich und später über technische Probleme), aber sie fiel nicht. Es war keine Freakshow, sondern bloß ein ganz normal langweiliges Konzert.

Houston begann die Show mit zwei Stücken vom aktuellen Album “I Look To You” (Sony) und ließ sich von einer für einen R&B- bzw. Soul-Act ungewöhnlich lärmenden Band begleiten. Dass die drei Backgroundsängerinnen stark in den Vordergrund gemischt waren (und streckenweise das Ruder übernahmen), schien zunächst eine Notmaßnahme zu sein. Aber der Star, der gerade wegen der kräftigen Stimme 170 Millionen Tonträger verkauft hat, kam nicht wirklich außer Atem. Auch gerülpst hat er nicht (wie angeblich zuvor in England geschehen).

Lange Ansagen, biedere Musik

Zum Erholen hatte Whitney Houston auch genug Gelegenheiten: Unzählige “I Love You Too”-Ausrufe in Richtung des Publikums, viele lange Ansagen und mehrere Umkleidepause – gefüllt mit belanglosen Darbietungen der Nebendarsteller (also der Band und der überflüssigen, weil nichts zum Gesamtkonzept beitragenden Tänzer) verkürzten die ohnehin nicht gerade üppige Spielzeit. Mitunter hatte man das Gefühl, dass man der Aufnahme eines Hörbuchs beiwohnte: Wenn Houston etwa mitten in einem Song eine ausschweifende Lobesrede über Michael Jackson hielt. Manchmal jedoch konnte die Sängerin durchaus mit (Selbst-)Ironie punkten, wenn sie etwa über ihre Schweißausbrüche referierte.

Die Songs selbst waren weder schlechter noch besser als früher. Im Vergleich zu wandlungsfähigen Konkurrentinnen wie Christina Aguilera wirkt Houstons Musik extrem bieder. Wie auch ihre Platten nicht zeitlos geblieben sind, ist die Tournee über weite Strecken eine Revue gealterter Sounds. Wenigstens versuchte die Diva nicht, Balladen “wie damals” zu singen. Die Vocals zu “Greatest Love Of All” kamen im aktuellen Arrangement ohne hohe Töne aus – besser so (weil das der Verfassung der Interpretin entgegenkam und zugleich weniger “kitschte” als im Original).

Willkommen in der Oldieparty

Das Dilemma liegt nicht in der Stimme (da gibt es viele andere, die mit gebrochenem Organ noch kreative Höchstleistungen schaffen) oder im Lebenswandel (da gibt es viele andere, die man deswegen als Helden verehrt), sondern im Material: Ein nicht enden wollender Standard-Gospel, gebettet zwischen “I Will Always Love You”, ist nun mal – wenn auch von den Fans als solcher gefeiert – kein Höhepunkt. Mit einem uninspirierten, runtergeholzten “I Wanna Dance With Somebody” war man dann endgültig in einer Oldieparty angelangt.

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