Welser-Möst wird 50

Schon bisher mischte Franz Welser-Möst auch von seinen Wirkungsstätten in Zürich (wo er lange Musikchef der Oper war) und Cleveland (wo er bis 2018 Chefdirigent des renommierten Orchesters bleiben wird) kräftig im heimischen Musikgeschehen mit und wurde auch immer wieder für wichtige Posten gehandelt.

Ab September wird er als Generalmusikdirektor an der Wiener Staatsoper, wo er u.a. als Dirigent des “Ring des Nibelungen” nachhaltige Spuren hinterlassen hat, eine Schlüsselfunktion übernehmen, und auch beim nächsten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am Pult stehen. Am 16. August feiert der gebürtige Linzer seinen 50. Geburtstag, kurz danach dirigiert er das Cleveland Orchestra in Grafenegg (20. August, Schubert und Strauss) und St. Florian (21. August, Bruckners Achte).

Der 1960 geborene Franz Möst hatte schon im Linzer Musikgymnasium mit dem Komponisten Balduin Sulzer einen Musiklehrer, der entscheidende Weichen für die Karriere des jungen Talents stellte. Ursprünglich wollte er Geiger werden, die Folgen eines Autounfalls verbauten ihm diesen Weg. Sulzer erkannte die außergewöhnliche Begabung des jungen Studenten und beauftragte ihn, Probearbeiten zu übernehmen. Aus dem Schülerorchester entstand das Jeunesse-Orchester, welches bis 1985 sehr erfolgreich von Franz Welser-Möst – den zweiten Nachnamen wählte er als Reverenz an seine oberösterreichische Heimat – geleitet wurde und das erste Orchester war, mit dem der junge Dirigent seine musikalischen Erfahrungen als Leiter sammelte.

Welser-Möst gab 1985 sein Debüt bei den Salzburger Festspielen, ein Jahr später hob die internationale Karriere mit dem Debüt-Konzert beim London Philharmonic Orchestra an, dessen Musikdirektor er in Folge von 1990 bis 1996 wurde. In den USA dirigierte er erstmals 1989 beim Saint Louis Symphony Orchestra. An der Zürcher Oper stand er erstmals 1992 (Richard Strauss’ “Rosenkavalier”) am Pult und brachte als Musikdirektor (ab 1995) 27 Neuproduktionen hervor. Unter seiner Leitung erhielt das Zürcher Orchester die Auszeichnung “Orchester des Jahres 2000/01” in der Umfrage der Zeitschrift “Opernwelt”. 2005 übernahm er die neue Stelle des Generalmusikdirektors, aus dieser schied er im Sommer 2008 jedoch aus, um sich den Vorbereitungen für Wien widmen zu können.

2002 übernahm der Dirigent, der mit praktisch allen großen Orchestern zusammengearbeitet und in allen Metropolen der Musikwelt dirigiert hat, das Cleveland Orchestra, im selben Jahr wurde er von der Musikzeitschrift “Musical America” zum “Conductor of the Year 2003” gewählt. Die kommende erste Staatsopern-Saison des neuen Direktors Dominique Meyer wird Franz Welser-Möst nicht nur als Musik-Chef, sondern auch als Dirigent prägen. Bei vier von sechs Neuproduktionen wird er selbst am Pult stehen: bei der Eröffnungspremiere von Paul Hindemiths “Cardillac” ebenso wie bei “Don Giovanni”, “Le Nozze di Figaro” und Leos Janaceks “Katja Kabanova”.

Der mitunter noch immer bubenhaft wirkende 50-Jährige kümmert sich auch um den Dirigiernachwuchs: In Salzburg sorgt er vor wenigen Tagen als Jurymitglied für die Vergabe des “Young Conductors Award” an David Afkham. Dieser ist erst 27. Die Generationsablöse ist bereits im Gang.

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