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"Was sagen. Was tun": Neue Kampagne zu Zivilcourage bei Partnergewalt

Das Nachbarschaftsprojekt "StoP" bietet zahlreiche Aktionen an.
Das Nachbarschaftsprojekt "StoP" bietet zahlreiche Aktionen an. ©VIENNA.at
Am Mittwoch hat das Nachbarschaftsprojekt StoP eine neue Bewusstseinskampagne zu Zivilcourage bei Partnergewalt gestartet. Das Motto lautet "Was sagen. Was tun".

"Was sagen. Was tun" - So das Motto der neuen Bewusstseinskampagne zu Zivilcourage bei Partnergewalt. Es handelt sich dabei um eine Kampagne des Projektes "StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt" in Wien. Mit der Kampagne will man Nachbarn ermutigen, bei häuslicher Gewalt und Partnergewalt Zivilcourage zu zeigen.

Kampagnen-Spot erstmals in Wien gezeigt

Anlässlich des Kampagnenauftakts wurde erstmals auch der neue Spot veröffentlicht. hier wird gezeigt wie Zivilcourage bei Partnergewalt aussehen kann. Zu sehen sind die beiden Schauspieler Wolfgang Fifi Pissecker und Alena Baich. Regisseur war Markus Riedl.

Für Wolfgang Fifi Pissecker fängt Zivilcourage bereits sehr früh an. "Wir haben nicht nur Menschenrechte, sondern auch Pflichten", so Pissecker. Diese Pflichten sind unter anderem auf einander zu achten. Sowohl er als auch Alena Baich bezeichnen es als Ehre, bei dem Spot dabei sein zu dürfen. Mit dem kurzen Film soll nicht nur gezeigt werden, was man machen kann, sondern auch das Thema wieder mehr ins Bewusstsein bringen und enttabuisieren.

Im Rahmen der Kampagne werden bereits zahlreiche Aktionen durchgeführt. Unter anderem gibt es Männer- und Frauenstammtische. Ziel für die kommende Zeit ist es auch, die Männerstammtische noch mehr auszubauen und weitere Partnerorganisationen zu finden. Das gesamte Programm ist hier nachzulesen.

Wien: 5.347 Kinder werden jährlich Zeugen von häuslicher Gewalt

"In dem Moment, wo ich nicht hinschaue, legitimiere ich die Gewalt", sagte die stellvertretende Margaretner Bezirksvorsteherin und Mitinitiatorin des Projekts, Nikola Furtenbach (Grüne). Zumindest 5.347 Kinder seien in Wien im Jahr 2018 Zeugen von häuslicher Gewalt geworden - "und das sind nur die dokumentierten Fälle", die Dunkelziffer sei noch viel höher. Tätern müsse klar sein, dass Gewalt von den Nachbarn und Bekannten nicht stillschweigend hingenommen wird.

Ursprünglich stammt das Konzept der aktuellen Kampagne aus Deutschland, wo es mittlerweile in vier Städten, darunter Hamburg, erfolgreich eingesetzt wird. Der Austausch bei regelmäßig stattfindenden "Männer- und Frauentischen" soll etwa eine niederschwellige Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. Innerhalb eines wachsenden Netzwerks aus Nachbarn und Institutionen will man sich gemeinsam für ein gewaltfreies Miteinander einsetzen. Mittlerweile gibt es laut den Organisatoren schon 30 Partnerinstitutionen.

Angelegt ist das Projekt im Bezirk vorerst auf drei Jahre, langfristiges Ziel sei es, die Initiative auf ganz Wien auszuweiten. Zukünftig sollen noch mehr Organisationen und Interessierte für "StoP" erreicht und gewonnen werden, wünschen sich die Initiatorinnen. Gerne würde man etwa die Feuerwehr und auch Kirchen einbinden. Insbesondere wolle man verstärkt die männliche Zielgruppe ansprechen - da sei noch viel zu tun, so Rösslhumer. "Die 'Männertische' sollen auch dazu dienen, dass sich Männer mit ihren Problemen auseinandersetzen", sagte Gerd Sandrieser vom Krankenanstaltenverbund (KAV), einer der Koordinatoren der Treffen. Diese seien ein wichtiger Schritt, um ein modernes Männerbild zu vermitteln - viele Männer seien es nicht gewöhnt, Emotionen zu zeigen.

Zivilcourage: Gründe, warum Nachbarn nicht eingreifen

Bei häuslicher Gewalt sind zu meist Frauen die Opfer. Viele von ihnen schweigen sehr lange. Nachbarn haben daher eine entscheidende Rolle. Sie wissen meist viel und können auch viel tun. Die Erfahrung zeigt, dass viele Nachbarn gerne etwas tun wollen, jedoch nicht wissen, was sie genau tun sollten. Es gibt zahlreiche Gründe, warum Nachbarn nicht eingreifen. So kann es sein, dass Nachbarn, wenn sie Polizei rufen, Angst haben, weil sie nicht wissen, was dabei oder danach passiert. Außerdem glauben viele Menschen, dass es zu gefährlich sei, sich persönlich einzumischen. Manche Nachbarn haben bereits eingegriffen und dabei negative Erfahrungen gemacht oder wurden verunsichert, weil die Reaktion der Opfer anders als erwartet verlief.

Die Befürchtungen sind legitim und berechtigt. Doch gerade hier gilt, dass je mehr Information und Wissen über Methoden der Zivilcourage verbreitet werden, desto sicherer fühlen sich Nachbar beim Eingreifen.

Das können Nachbarn tun

Die Kampagne rät zu folgenden Möglichkeiten, was Nachbarn tun können.

  • Sie hören hin. Sie schauen hin. Sie achten darauf, was genau passiert.
  • Nachbar*innen können den Fernseher leiser drehen oder ganz ausschalten, wenn Schreie aus der Nachbarwohnung oder im Haus zu hören sind und agieren.
  • Sie unterbrechen die Gewalt, indem sie an der Nachbarstür oder Haustür klingeln und etwas sagen oder nach etwas fragen
  • Sie rufen die Polizei 133 oder Euro-Notruf 112
  • Sie informieren sich, was sie als Nachbar oder Nachbarin tun können.
  • Sie rufen z.B. bei der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555 an, wenn sie sich unsicher sind, was sie tun können.
  • Sie können sich auch bei der Polizei unter der Service Nummer: 059 133 unverbindlich erkundigen, was sie tun können.
  • Sie rufen andere Nachbar*innen an, um nicht alleine zu sein.
  • Sie aktivieren andere Nachbar*innen, auch wachsam zu sein.
  • Sie überlegen gemeinsam mit anderen Nachbar*innen, was sie tun können.
  • Sie nehmen eine klare Haltung gegen jede Form der Gewalt ein.
  • Sie konfrontieren Täter - aber achten vorher auf den Selbstschutz/Bauchgefühl.
  • Sie informieren und überzeugen Täter, sich professionelle Hilfe zu holen.
  • Sie bieten Betroffenen konkrete Unterstützung an.
  • Sie informieren Betroffene, wo sie Hilfe bekommen können.
  • Sie signalisieren der Betroffenen und ihren Kindern, dass sie nicht alleine ist/sind.
  • Nachbar*innen können aktiv bei den StoP-Aktivitäten mitmachen.
  • Nachbar*innen können bei den Frauen- und Männertischen in Wien-Margareten teilnehmen, mitgestalten und dabei ihre Erfahrungen, Ideen und Initiativen mit anderen teilen und umsetzen.
  • Nachbarn können Verbündete bzw., sogenannte "Bystander" gegen Partnergewalt werden.

(Red)

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