Was ist eigentlich drin im Punsch? - Experten fordern genaue Angaben

Beim Punsch sind meist nicht die Inhaltsstoffe angegeben.
Beim Punsch sind meist nicht die Inhaltsstoffe angegeben. ©APA
Auf jeder Flasche Wein und Schnaps, die man kauft, sind alle Inhaltsstoffe genau aufgelistet. Die Punschstände in der Wiener Innenstadt hingegen schreiben nicht an, welche Zutaten sie für ihre Getränke verwenden. Das muss anders werden, fordern Experten der Initiative "Alkohol ohne Schatten". Sie wünschen sich eine gesetzliche Regelung.
Neun Stück Zucker im Häferl
Marktamt kontrolliert Punschstände

“Eine der Gesundheitsgefahren ist das Punschtrinken. Ein großes Problem ist, dass wir da in eine ‘Black Box’ greifen. Sie wissen nicht, wie viel und welchen Alkohol Sie trinken – und was sonst noch drin ist. (…) Bei Punsch wissen Sie die Dosis nicht. (…) Zu fordern ist eine gesetzliche Regelung”, so Michael Musalek, Leiter der Initiative und Ärztliche Leiter des Anton Proksch Instituts.

 Pro Häferl sind –wie berichtet – bis zu neun Stück Würfelzucker enthalten, auch der Alkoholgehalt schwankt stark.

Experten lehnen Bezeichnung “Kinderpunsch” ab

Ganz eigenartig sei die Bezeichnung “Kinderpunsch”. Der Wiener Suchtexperte: “Das heißt, dass kein Alkohol drin ist. Man ‘mutiert’ vom Erwachsenen zum Kind, wenn man keinen Alkohol trinkt. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.”
Musalek und der Diabetologe Bernhard Ludvik (Klinische Abteilung für Endokrinologie im Wiener AKH/MedUni Wien) erklärten während der Pressekonferenz, sie kämpften sich täglich auf dem Weg nach Hause in Wien-Neubau und über den Rathausplatz durch die Standllandschaft – mit gesundheitlich nicht unbedingt positiven Gefühlen. Der Diabetologe: “Wenn auf einen Liter Punsch drei Viertel Liter Wein und 300 Gramm Zucker kommen, dann sind das insgesamt an die 40 Dekagramm Zucker. Ein Punsch reicht. (…) Wir haben in Österreich 600.000 Diabetiker.”

Zu viel Zucker und Fett vor Weihnachten

Allgemeinmedizinerin Barbara Degn, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), betrachtet die “festliche Zeit” ebenfalls mit deutlicher Skepsis: “Für uns Hausärzte ist das eine Zeit, in der die Leute schlechte Blutzucker- und Fettwerte mit einem Lächeln akzeptieren. Es ist eine teuflische Allianz. Man trinkt für eine guten Zweck. Man trinkt aber mehr als man möchte.” Die paar Cent für den “guten Zweck” würden wie ein “Ablass” interpretiert werden.

Forderung: Punschfreie Zonen einführen

Hinzu kämen gerade die enormen Probleme, die der Alkoholmissbrauch schaffe. Barbara Degn: “Es gibt Unfälle, Aggression und Gewaltausbrüche.” Alkohol stelle zu Weihnachten dann bei engem Kontakt der Familien einen zusätzlichen Risikofaktor dar. Die Ärztin: “Wir haben in Österreich eine Million Menschen, die tatsächlich ein Problem mit Alkohol haben.”

Für Musalek sind die Hütten mit ihrer Ausschank auf den großen Plätzen auch eine Belastung für Alkoholkranke und Gefährdete. Das Passieren dieser Zonen sei für diese Menschen ein “Spießrutenlauf”. Es sollte in Städten auch punschfreie Zonen geben. (APA)

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