Warnung vor "AstraZeneca 2"

Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber.
Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber. ©REUTERS
Gastkommentar von Johannes Huber. Noch immer will sich nur eine Minderheit der Österreicherinnen und Österreicher schützen lassen. Politik verschärft das Problem.

Zuerst eine gute Nachricht: Die dritte Welle steigt bei weitem nicht so steil an wie befürchtet. Vor etwas mehr als einer Woche war das Prognosekonsortium des Gesundheitsministeriums davon ausgegangen, dass es am 23. März allein in Wien 448 bestätigte Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche geben wird. Geworden sind es 343. Wie der aktuellsten Prognose zu entnehmen ist, werden die 488 noch länger nicht erreicht werden; für den 7. April erwarten die Expertinnen und Experten eine Inzidenz von 409.

Die schlechte Nachricht: Die Zahl der Intensivpatienten wird weiter zunehmen und österreichweit schon bald das Niveau der zweiten Welle vom vergangenen Herbst erreichen. Das zeigt, dass die Mutationen in jeder Hinsicht gefährlicher sind; nicht nur im Hinblick auf die Ausbreitung, sondern auch auf Erkrankungen.

So oder so kann man jedoch Hoffnung schöpfen: Gerade auch mit Hilfe der jüngsten Beschränkungen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland könnte es gelingen, auch diese Welle in absehbarer Zeit zu überwinden.

Die Pandemie wäre jedoch kein Marathon, wenn da keine anderen Probleme waren würden. Stichwort Impfungen. Wobei es hier nicht so sehr um die Mangelwirtschaft geht, die in diesem Zusammenhang besteht, sondern um etwas, was in Wirklichkeit viel schlimmer ist – und trotzdem kaum wahrgenommen wird.

Konkret: Noch immer ist keine deutliche Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher bereit, sich impfen zu lassen. Die Uni Wien erhebt das regelmäßig: Zuletzt erklärten gerade einmal 47 Prozent, die Aussage, sie würden sich ehestmöglich impfen lassen, treffe „voll und ganz“ oder „eher“ zu. 14 Prozent überlegen noch, 35 Prozent wollen sich eher oder fix nicht impfen lassen, der Rest macht keine Angaben.

So gesehen müsste sich Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nicht weiter ärgern darüber, dass das Ziel, bis Ende Juni rund 70 Prozent der Bevölkerung zu impfen, verfehlt wird und es voraussichtlich „nur“ rund 60 Prozent sein werden, weil zu wenig Impfstoff vorhanden ist: Es ist fraglich, ob es überhaupt so viele impfbereite Menschen gibt.

Darüber, dass die Impfbereitschaft nicht riesengroß ist, darf man sich nicht wundern: Die Skepsis wird durch Debatten über Nebenwirkungen befeuert. Einmal wird die Verabreichung von „AstraZenca“ ausgesetzt, dann wieder fortgesetzt; gefühlt wöchentlich teilt das Nationale Impfgremium mit, dass es weitergehen könnte, weitere Untersuchungen jedoch notwendig seien. Ergebnis: Hierzulande wollen sich laut Uni Wien ganze 57 Prozent der Bevölkerung auf gar keinen Fall oder eher nicht „AstraZenca“ verabreichen lassen.

Unter diesen Umständen ist es nicht gerade vertrauensbildend, wenn etwa Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) die Dauer von Genehmigungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur kritisiert oder nun beim russischen Impfstoff „Sputnik V“ Druck macht auf eine Beschaffung, obwohl noch keine Genehmigung vorliegt – wenn das ein „AstraZenca 2“ wird, letzten Endes also ebenfalls Nebenwirkungen Schlagzeilen machen, dann wird es noch viel schwieriger, eine deutliche Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher für eine Corona-Impfung zu gewinnen.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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