VW-Porsche-Fusion verzögert sich

Ärger mit dem Finanzamt, schleppende Gerichtsverfahren, langsame Behörden - die geplante Fusion der Autobauer Volkswagen und Porsche bis Ende nächsten Jahres ist in Gefahr. Die Verschmelzung könne sich "möglicherweise verzögern", sagte der VW- und Porsche-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Dienstag in Stuttgart. Kleiner Trost für den Konzernchef: Der Autoverkauf bei Porsche läuft von Monat zu Monat besser. Die Anleger tröstete dies nicht. Die Vorzugsaktien der Porsche-Holding fielen bis zum Nachmittag kräftig um mehr als sieben Prozent auf 39,59 Euro.

Winterkorn nannte verschiedene Gerichtsverfahren und Unklarheiten bei Steuerfragen als Grund für die eventuelle Verzögerung. So klagen in den USA beispielsweise mehrere Hedge-Fonds, in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Gesetzesverstöße im Rahmen des Übernahmekampfes Porsche-VW im Jahr 2009. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd gilt es in VW-Aktionärskreisen bereits als sicher, dass die Verschmelzung 2011 nicht mehr kommen wird.

Bisher sieht der nun fragliche Zeitplan so aus: 2011 will Volkswagen für 3,55 Mrd. Euro das Vertriebsgeschäft der Porsche Holding Salzburg kaufen. Das Geld soll an die Eigentümerfamilien Porsche/Piech fließen. Ebenfalls 2011 wollen die Familien mit den Milliarden das Stammkapital der Porsche SE erhöhen. Außerdem soll die Porsche SE neue Vorzugsaktien ausgeben.

Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch kündigte an, auf der Porsche-Hauptversammlung am 30. November in Stuttgart solle die Kapitalerhöhung beschlossen werden. Der Emissionserlös soll 5 Mrd. Euro betragen. Mit dem Geld will die Porsche-Holding ihre Schulden von zur Zeit etwa 6 Mrd. Euro abtragen. Pötsch sorgt sich, dass die Eintragung der Kapitalerhöhung ins Handelsregister sich 2011 lange hinziehen und so die Fusion verzögern könnte.

Porsche hatte sich 2009 tief verschuldet, um den VW-Konzern zu übernehmen. Der Plan scheiterte. Volkswagen musste umgekehrt Porsche retten und gliedert den Sportwagenbauer nun in den Konzern ein.

Als letzter Schritt dieser Fusion sollte nach bisherigen Plänen die Verschmelzung von Porsche mit VW bis Ende 2011 erfolgen. Pötsch erklärte nun, er könne nicht mehr sicher sagen, dass “die avisierte Verschmelzung als nächster Schritt der Kapitalerhöhung zügig folgen wird”. Winterkorn und Pötsch machten aber klar, dass am Ziel der Verschmelzung nicht gerüttelt werde.

Pötsch zeigte bereits einen Ausweg auf, falls die Fusion klemmt: Demnach könnte VW den restlichen Anteil am Sportwagengeschäft von Porsche kaufen: Volkswagen hält seit Dezember bereits 49,9 Prozent im Wert von 3,9 Mrd. Euro am operativen Porsche-Geschäft. Der Rest gehört der Porsche Holding SE, die wiederum auch 51 Prozent der VW-Aktien hält. Die hohen Schulden der Porsche Holding könnten dann mit den Milliarden aus dem Kaufpreis des operativen Geschäfts und den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung abbezahlt werden.

Vorher wird aber am 17. Jänner ein Gericht in den USA über die Zulässigkeit der Klagen gegen die Fusion entscheiden. “Wir müssen sehen, wie die Sache verläuft”, sagte Pötsch. Außerdem warte VW auch auf einen Erlass des deutschen Finanzministeriums, der Auswirkungen auf die Steuerbelastungen aus der Fusion haben werde, sagte der Finanzchef.

Im Tagesgeschäft kommt Porsche dagegen immer besser in Fahrt: In den Monaten August und September liegt der Umsatz über den Vorjahreswerten, wie der neue Chef der Sportwagensparte, Matthias Müller, mitteilte. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. Juli) hatte Porsche bereits rund 82.000 Autos verkauft und einen Rekordumsatz von 7,8 Mrd. Euro eingefahren. Der operative Gewinn betrug 1,18 Mrd. Euro.

Müller nannte als langfristiges Ziel einen Absatz von 150.000 Stück pro Jahr. Er will außerdem Porsche-Autos wieder sportlicher machen. Auch die Eingliederung von Porsche in VW ist trotz Fusionsproblemen in voller Fahrt: 400 gemeinsame Projekte laufen schon.

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