Vorkämpfer für billige Telefonate

Deutschland wird Vorkämpfer für billige Handy-Telefonate im Ausland. Die Bundesregierung will Spezialtarife für Kunden - Vorhaben für deutsche EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2007.

Die derzeit extrem teuren Handy-Telefonate im Ausland sollen nach dem Willen der deutschen Bundesregierung noch günstiger werden als von der EU geplant. Deutschland wolle Spezialtarife für Auslandsgespräche, bestätigte eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Donnerstag. So sollen Flatrates oder Volumentarife angeboten werden, mit denen jeder Handy-Nutzer seine Kosten im Ausland noch weiter drücken kann. Die EU-Kommission begrüßte die neuen Vorschläge. Deutschland unterstützt zudem die EU-Linie, dass Auslands-Handygespräche statt bisher bis zu drei Euro nicht mehr als 60 Cent pro Minute kosten dürfen.

Die deutsche Initiative sieht nach Angaben des Wirtschaftsministeriums vor, dass die Mobilfunkfirmen neue Tarife anbieten sollen. Dabei sollen die Kunden etwa eine spezielle Auslands-Flatrate einkaufen können, mit der sie für eine feste Gebühr unbegrenzt umsonst im Ausland telefonieren können. Außerdem fordert die Bundesregierung so genannte Volumentarife. Diese würden nicht pro telefonierter Minute, sondern nach Datenvolumen abgerechnet. Dies wäre interessant für Menschen, die mit ihrem Handy viele Fotos verschicken. Wer sich für einen solchen Spezialtarif im Ausland entscheidet, soll diesen nach dem Willen der Bundesregierung ohne größere Schwierigkeiten wieder kündigen können.

Dagegen lehnen derzeit mehrere Länder eine Senkung der Roaming-Gebühren ab. So sind unter anderem die Urlaubsländer Spanien und Italien gegen eine Senkung, da sich in die Netze der dortigen Anbieter besonders viele Touristen einwählen. Auch Großbritannien ist gegen die Senkung, weil dort mit Vodafone der europaweit größte Mobilfunkanbieter sitzt, der stark von den Einwahlgebühren profitiert.

Die Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Glos sagte, Deutschland hoffe auf eine Lösung in dem Streit während seiner EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr des kommenden Jahres. Ein Sprecher der zuständigen EU-Medienkommissarin Viviane Reding sagte der Nachrichtenagentur AFP, die EU-Kommission begrüße die „konstruktive und positive Unterstützung“ der Bundesregierung in dem Streit. Die Förderung verschiedener Modelle unter der Preisobergrenze sei „völlig im Einklang mit der Kommission“, fügte er hinzu.

Telekom-Experten sehen den deutschen Vorschlag skeptisch. Schon in Deutschland würden Flatrates von den Anbietern nur für Festnetz-Telefonate und für Telefonate in einem einzigen Handy-Netz angeboten. Für Telefonate zwischen verschiedenen Netzen gebe es diese bisher aber noch nicht, weil dort die Kosten für die Unternehmen schwer zu kalkulieren seien und die Angebote sehr teuer werden würden. Auch im Ausland, wo an einem Anruf stets mehr als ein Anbieter beteiligt sei, seien Flatrates deshalb wohl schwer zu realisieren, sagte Bettina Seute vom Online-Fachmagazin teltarif. Dagegen sei die Obergrenze von 60 Cent pro Minute leichter umzusetzen.

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